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Brieselang Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung
Lokales Havelland Brieselang Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung
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07:36 03.01.2019
Claudi Winter möchte „Foodsharing“ im Osthavelland etablieren und sucht für ihr Vorhaben noch Mitstreiter. Quelle: Laura Sander
Brieselang

Bio-Gurken in Plastik verschweißt, Milch aus dem Tetrapack, doppelt und dreifach verpackte Wurst. Irgendwann hatte Claudi Winter aus Brieselang genug vom Verpackungswahnsinn. Seither betritt die 30-Jährige nur noch selten einen Supermarkt, versucht regional und saisonal einzukaufen.

Obst vom Bio-Hof, Milch aus der Milchtankstelle

Ihr Obst und Gemüse bezieht sie von einem Brandenburger Bio-Hof, Kartoffeln und Eier holt sie von benachbarten Bauern, ihre Milch so oft es geht von der Milchtankstelle in Tietzow. Kürzlich trat sie sogar mit einem Jäger in Kontakt, der ihre kleine Familie künftig mit Fleisch versorgen soll.

„Angefangen hat alles mit der Dokumentation ,Taste the Waste’ von Valentin Thurn über die globalen Ausmaße von Lebensmittelabfall. Ich war so schockiert, dass ich beschloss etwas zu ändern“, so die Brieselangerin. Seither versucht die 30-Jährige, die in Berlin in der Marketing-Abteilung einer großen Bank arbeitet, nur das zu kaufen, was wirklich gebraucht wird. „Es ist eine Einstellungssache und erfordert definitiv mehr Aufwand und im Zweifel auch mehr Geld, als regelmäßig im Discounter einkaufen zu gehen.

Wurst in Tupperdosen

Gerade, wenn man ein kleines Kind zuhause hat, das gerne Leberwurst isst oder andere Sachen, die es unverpackt einfach nicht gibt“, so die Brieselangerin, die sich ihre Wurst nun bei ausgewählten Fleischern in der eigenen Dose verpacken lässt.

Seit sie den Kampf gegen Plastikmüll und Lebensmittelverschwendung aufgenommen hat, nimmt sich Claudi Winter wieder mehr Zeit zum Kochen, auch wenn sie in der Küche oftmals Kreativität beweisen muss. „Ich versuche mit saisonalen Produkten zu arbeiten und alle Lebensmittel restlos zu verbrauchen. Schaffe ich das nicht, habe ich jetzt auch dafür eine Lösung gefunden“, so die Brieselangerin, die sich seit einigen Monaten für das Projekt „Foodsharing“ einsetzt.

Projekt „Foodsharing“

Die Bewegung der „Lebensmittelteiler“ ist seit 2012 mit einer eigenen Webseite online, heute sind tausende Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Lebensmittelretter aktiv. „Über die Online-Plattform können eigene Lebensmittel mit anderen geteilt werden. Egal, ob man es selber isst oder an andere verteilt – die Hauptsache ist, dass nichts in der Tonne landet“, sagt Claudi Winter, die im Osthavelland nach Mitstreitern und Betrieben sucht, die mit den Lebensmittelrettern kooperieren.

„Derzeit sind im Havelland grade einmal zehn Foodsharer aktiv. Um sich kooperierende Märkte, Bäckereien oder Restaurants suchen zu können, müssen wir mehr sein. Schließlich müssen regelmäßige Abholtermine eingehalten und abgedeckt werden“, so die engagierte Brieselangerin. Strukturen schaffen, um mehr Lebensmittel vor der sicheren Zukunft im Müll zu retten - das ist Claudi Winters Plan für die kommenden Monate.

Viele Produkte landen in der Mülltonne

Damit hat sie sich viel vorgenommen, denn grade in Supermärkten werden täglich viele Produkte aussortiert und landen anschließend in der Mülltonne.

„Wenn bei einem Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum auch nur einen Tag überschritten ist, darf er nicht mehr verkauft werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass er schlecht ist“, so die Brieselangerin.

Die Lebensmittelretter sind selber dafür verantwortlich, dass das Essen, das sie ihren Mitstreitern anbieten, noch in Ordnung ist. Frischwaren, wie Fleisch, Fisch oder Eier, fallen da schon mal durchs Raster. „Und dennoch lässt sich neben der Rettung vieler Lebensmittel, so auch jede Menge Geld sparen, da das Essen selber verwertet werden kann. Ein positiver Nebeneffekt“, sagt die 30-Jährige, die mit ihren Mitstreitern im Havelland und ganz Deutschland größtenteils über die Online-Plattform foodsharing.de in Kontakt steht.

Ansprechpartnerin fürs Osthavelland

„Ich bin seit kurzem Ansprechpartnerin für das Osthavelland. Jeder, der in seinem privaten Haushalt und im Kleinen anfangen möchte, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun, kann sich gerne über die Plattform bei mir melden.“

In Arbeitsgruppen sollen Strategien erarbeitet werde, das gesamte Osthavelland zu erschließen und möglichst viele Kooperationspartner zu gewinnen. „Das Regionalprinzip erlebt grade eine Hochphase, egal ob solidarische Landwirtschaft oder das Projekt „Marktschwärmerei“, das regionale Produkte auf Bestellung anbietet.

Alle Anbieter, die es in Brieselang und den umliegenden Gemeinen bereits gibt, an einen Tisch zu bringen, wäre ebenfalls sinnvoll“, so Claudi Winter, die sich zudem für die Etablierung eines Wochenmarkts in ihrer Gemeinde einsetzen möchte.

Kontakt per Mail an ost-havelland@lebensmittelretten.de

Von Laura Sander

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