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Brieselang Kunstvolle Apokalypse
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01:15 28.06.2018
Martialische Begrüßung am Märkischen Künstlerhof in Brieselang. Sergej Alexander Dott hat diese Gesellen geschaffen.
Martialische Begrüßung am Märkischen Künstlerhof in Brieselang. Sergej Alexander Dott hat diese Gesellen geschaffen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Brieselang

So viel Apokalypse war nie. Zumindest nicht in Brieselang. Dort sind im Märkischen Künstlerhof seit dem Wochenende in der Ausstellung „Apokalypse“ Arbeiten von fünf Brandenburger und Berliner Künstlern zu sehen: Düster, provokativ, sinnlich, witzig. Und künstlerisch überzeugend.

Unheil und Offenbarung

Mit Renée Dressler und Guido von Martens sind die Künstlerhof-Betreiber selbst mit Arbeiten vertreten. Und sie geben dem Begriff auch gleich eine gehörige Weite. „Apokalypse ist nicht nur Unheil, Grauen, Weltuntergang“, sagt Guido von Martens, „der Begriff steht auch für Enthüllung, Entschleierung, Offenbarung.“ Eine gewisse Bedrohung oder Beunruhigung wohnt trotzdem allen Arbeiten inne.

Düster und martialisch

Ganz düster-martialisch schon die Begrüßung am Eingang des Künstlerhofes. Sergej Alexander Dott, der Bildhauerei an den Kunstschulen in Dresden, Berlin und Wien studiert hat, stellt hier zwei bewaffnete Monsteraffen mit Engelsflügeln in Kästen. Nicht so vordergründig auf Effekthascherei zielen seine anderen Arbeiten: Die gruselige Variante der schönen Nofretete etwa oder seine Installationen im Garten.

Apokalypse der Hedwig Bollhagen

Gelernt hatte Dott einst das Töpfern bei Hedwig Bollhagen in Marwitz. An die große Dame der Keramik wird in der aktuellen Ausstellung erinnert. „Apokalypse der Hedwig Bollhagen“ heißt eine Arbeit, die so nicht geplant war. „Sie stammt von 1984, da war ein ganzer Ofen zusammengeschmolzen“, erklärt Guido von Martens. Ein großer Schaden. „Jeder hat mal seine Apokalypse“, meint von Martens.

Die Künstler bei der Eröffnung. Quelle: Tanja M. Marotzke

An klassische Versionen des Themas knüpft der Grafiker Rainer Ehrt an. Er holt Albrecht Dürers „Apokalyptische Reiter“ in die Gegenwart – hier tragen Engel Mundschutz, da steht radioaktiver Müll auf dem Boden, da stellen neben dem Tod Reiter mit Kamera und Mikrofon eine Bedrohung für die Menschheit dar.

Schwein im Vogelkäfig

Mit Tusche und Feder bleibt der Falkenseer Maler und Grafiker Jörg Menge in seinen Arbeiten ganz beim Schwarz-Weiß. Auf Farbe setzt dagegen Renée Dressler in ihren Pastellen. Die liebliche Farbgebung bleibt dem Betrachter allerdings schnell im Halse stecken, wenn er die skurrilen und bedrohlichen Details der Bilder wahrnimmt.

Gefesselte Musen. Quelle: Marlies Schnaibel

Und so mischt sich in der Ausstellung Subtiles mit Vordergründigem, etwa, wenn ein Gewehr in einem Sarg liegt, bleibt auch Witziges nicht auf der Strecke, wie das Schwein im Vogelkäfig zeigt. Das hat sich Guido von Martens ausgedacht, der mit vielen Arbeiten in der Ausstellung vertreten ist, unter anderem mit den eindrucksvollen mit Stacheldraht gefesselten Musen.

Förderung durch Kulturstiftung

Man merkt der – durch die Kulturstiftung des Havellandes geförderten – Ausstellung die Freude der Künstler an, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Alle haben sofort zugesagt, als wir sie fragten“, erzählt Renée Dressler. Zur Eröffnung der Ausstellung gab es apokalyptische Musik, Horrorklänge mit Vogelgezwitscher.

Donnerstag ist Galerietag

Die Ausstellung „Apokalypse“ wird bis zum 6. September im Märkischen Künstlerhof, Bahnstraße 13-14 gezeigt.

Geöffnet ist die Ausstellung donnerstags von 14 bis 20 Uhr sowie auf Nachfrage und zu Veranstaltungen.

Gegründet wurde der Märkische Künstlerhof 1995 von Renée Dressler und Guido von Martens.

Nun wäre der Künstlerhof nicht der Künstlerhof, wenn er sich nicht auch lebensfroh mit dem Dasein beschäftigen würde. Nach der apokalyptischen Sommerausstellung ist für den Herbst die nächste Schau angekündigt – dann unter dem prallen Titel „Üppig, üppig.“

Von Marlies Schnaibel