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Brieselang Solidarische Landwirtschaft in Brieselang: Ackern für den Bio-Traum
Lokales Havelland Brieselang Solidarische Landwirtschaft in Brieselang: Ackern für den Bio-Traum
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20:45 28.08.2019
Conny Lent aus Brieselang ging in diesem Jahr mit ihrer solidarischen Landwirtschaft an den Start. Quelle: Laura Sander
Brieselang

Lange Reihen mit Kohl, Karotten und Kartoffeln erstrecken sich über das kleine Feld in Brieselang (Havelland). Tomatenpflanzen ranken an der stabilen Holzkonstruktion empor – 13 verschiedene Sorten färben sich in der Sommersonne rot. Mittendrin steht Conny Lent und erntet Blumenkohl. Sie lächelt. Ihre Mütze trägt sie tief ins Gesicht gezogen, denn Schatten sucht man auf dem Feld am Ende der Langen Straße vergebens. „Für die Pflanzen ist das von Vorteil. Sie wachsen prächtig“, erklärt Lent, die in Brieselang ihr Glück gefunden hat.

Ein Hektar Land mit viel Potenzial

Hier kümmert sich die Aussteigerin acht Stunden täglich um ihre Setzlinge, wässert Bohnen, Tomaten und Kräuter. Statt, wie früher mit Zahlen zu jonglieren, setzt sich die studierte Volkswirtin heute mit Beinwelljauche, Bio-Kompost und Bewässerungssystemen auseinander. Knapp einen Hektar Land beackert die fünffache Mutter, baut alles an, was schmeckt und sich verwerten lässt. Ihre Abnehmer stehen bereits im Vorfeld fest: Überproduktion ausgeschlossen.

In diesem Jahr ging die 47-Jährige mit ihrer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) an den Start und hat mittlerweile 20 Unterstützer. „Die Leute zahlen einen monatlichen Beitrag und können sich einmal in der Woche ihr Gemüse abholen. Wer mag, kann mithelfen“, sagt die Brieselangerin.

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Lange lebte Conny Lent in Berlin, die Natur habe ihr dort immer gefehlt. Ein Leben zwischen wuseligen Straßenzügen, Bürojob und Alltagsstress wollte sie für sich und ihre Familie nicht mehr. Vor zwei Jahren zog sie ins Havelland.

Ihre Erwartungen und Vorstellungen erfuhren erst einmal einen Dämpfer. „Ich hatte mir erhofft, hier regional einkaufen zu können. Aber außer Discountern gab es in der näheren Umgebung nichts – Landleben hatte ich mir immer anders vorgestellt“, erinnert sich Lent , die damals im eigenen Garten anfing Gemüse zu ziehen. Schnell wurde dieser jedoch zu klein und sie machte sich auf die Suche nach Gleichgesinnten.

Prinzip „Solidarische Landwirtschaft

Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft faszinierte sie. Während eines Netzwerktreffens Solidarischer Landwirte in Kassel stand fest: Brieselang braucht die „Gemüsegenossen“. Schnell fand sich ein kleiner Kreis, der das Projekt unterstützte. „Ein Mitstreiter stellte mir das Land zur Verfügung und ich fing an. Einfach drauf los“, sagt Lent, die komplett auf den Einsatz von Chemikalien verzichtet. „Ich nutze Bio-Saatgut und bekomme Bio-Kompost vom Landgut Schönwalde. Als Dünger verwende ich Brennnessel- oder Beinwelljauche“, so die Gemüseaktivistin.

Ihr Ernte-Ertrag spricht für sich: Prall gefüllte Holzkisten mit Weißer Bete, Spinat oder Brokkoli stellt sie für ihre Abholer bereit. „Einige wollen selber ernten oder schneiden sich noch ein paar Kräuter ab, das ist natürlich auch in Ordnung“, sagt Lent, die mit dem Fahrrad zehn Minuten zu ihrem Arbeitsplatz braucht.

„Sie kochen um das Gemüse herum“

„Weil sie sehen, wie ihr Essen heranwächst, nehmen sie es ganz anders wahr. Sie kochen um das Gemüse herum und stellen es in den Mittelpunkt einer Mahlzeit, um nichts wegwerfen zu müssen“, erzählt die Brieselangerin. Und bleibt doch mal etwas von ihrer Ernte übrig, hat Lent auch dafür eine Lösung gefunden. „Was nicht abgeholt wird und ich nicht verbrauchen kann, geht in die Gastronomie des Schönwalder Landguts und wird dort verwertet. Blätter und Strünke dienen als Tierfutter“, so die Unternehmerin.

Lotsendienst unterstützte grüne Gründerin

In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Im Gegenzug erhalten sie einen Teil des Ernteertrages und garantieren damit gleichzeitig die Abnahme der Produkte.

Verantwortung, Risiko und Kosten werden geteilt.

Abnehmer erhalten Einblicke in den Anbau ihrer regionalen Lebensmittel.

In ihrer Gründung wurde Conny Lent vom Regionalen Lotsendienst Havelland unterstützt.

Mehr zum Lotsendienst unter 03386/2 12 79 23.

Für die kalten Monate wolle sie Erdmieten anlegen. Unterirdisch bleibt das Gemüse lange frisch und vor Frost geschützt.

Wer mehr über die Brieselanger Initiative erfahren will, kann dies unter www.gemuesegenossen.de.

Von Laura Sander

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