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Brieselang Wiedereinweihung des Rüst- und Freizeitheims
Lokales Havelland Brieselang Wiedereinweihung des Rüst- und Freizeitheims
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00:34 09.05.2018
Bischof Markus Dröge, Landrat Roger Lewandowski, Künstler Helge Warme und Pfarrer Bernhard Schmidt (v.l.) mit den Seraphim aus Glas, die als Schutzengel nun in der Kirche stehen. Quelle : Ulrike Gawande
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Zeestow

Jeden ersten Sonntag im Monat findet in der Autobahnkirche in Zeestow eine Apostelandacht statt, die von einem der zwölf Apostelbilder von Volker Stelzmann inspiriert wird. So auch an diesem Sonntag. Es war die 48. Apostelandacht seit der Wiedereröffnung der Zeestower Kirche 2014 und gleichzeitig wurde die Einweihung des Rüst- und Freizeitheims „Bei den Aposteln“ gefeiert.

Mit einer Andacht von Bischof Markus Dröge wurde das sanierte Rüstheim „Zu den Aposteln“ in Zeestow wiedereröffnet.

Aus diesem Anlass übernahm auch Bischof Markus Dröge Predigt und Segen. Schon einmal war der Theologe in Zeestow zu Gast, als er 2014 die erste Andacht zum Apostel Thomas gehalten hatte. Seitdem hätten sich die Erwartungen aller an die Wiederbelebung der schon totgeglaubten Gemeinde, deren Gotteshaus seit 2009 in einen Dornröschenschlaf gefallen war, erfüllt. Übererfüllt, so Pfarrer Bernhard Schmidt zufrieden. „Es lohnt sich, alte Kirchen auf dem Land zu erhalten, sie zu retten.“ Die Kinder aus dem Kirchenkreis sangen im Gottesdienst schwungvoll „Laudato si“ und die versammelte Festgemeinde stimmte freudig mit ein.

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Mehr Platz für große Gruppen

Denn sie waren alle gekommen – Helfer, Geldgeber, Bauherren und Neugierige. Alle wollten das neue Rüstheim, das nun nicht nur mehr Schlafplätze (35 bis 40) für große Gruppen bietet, sondern Dank einer Spende der Stiftung der Evangelischen Bank auch komplett behindertengerecht eingerichtet ist, in Augenschein nehmen. Insgesamt 818 000 Euro wurden für die Sanierung des rund 120 Jahre alten Zeestower Pfarrhauses in die Hand genommen. Als nächster Baustein sollen in der Fachwerkscheune Sanitäranlagen und Abstellflächen für die Besucher der Autobahnkirche entstehen, und im letzten Abschnitt soll ein Kinderspielplatz gebaut und der Friedhof verschönert werden.

Tankstelle für die Seele, Bettstelle für den Leib

„Mit der Kirche haben wir eine Tankstelle für die Seele, mit dem Rüstheim eine Bettstelle für den Leib“, so Pfarrer Schmidt. Man habe mit dem Rüstheim das kirchliche Angebot erweitert und ergänzt; der Bedarf sei vorhanden. Schon am Mittwoch werden die ersten Gäste erwartet. Eine Gruppe der Lebenshilfe, die gleich die Barrierefreiheit des Hauses testen könne. Architekt Ronald Mewes erklärte bei einem Rundgang, welche Veränderungen man am Haus vorgenommen habe. So wurde der Innenbereich des Gebäudes, das zwischenzeitlich als Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge genutzt wurde, komplett saniert und der Grundriss neu festgelegt. Über eine große Terrassenanlage gelangen Rollstuhlfahrer in das alte Gebäude. „Mir gefallen die Räume“, begeisterte sich Ernst-Michael Holl aus Brieselang. „Die Gesamtkonzeption der Innenarchitektur wurde zu hundert Prozent dem Hause angepasst. Die Zimmer sind einladend gestaltet.“

Seraphim stehen nun als Dauerleihgabe in der Kirche

Zum Gotteslob einladen sollen die Seraphim von Helge Warme, die als Glaskunstwerke beidseits des Kreuzes auf dem Altar der Autobahnkirche stehen. Aufgestellt wurden die Engel in Glas bereits 2017 im Rahmen einer Ausstellung zum Lutherjahr. Doch die Seraphim gefielen den Besuchern so gut, dass die Kunstwerke gemeinsam von der Kulturstiftung Havelland und dem Kirchenkreis gekauft wurden und nun als Dauerleihgabe in der Kirche verbleiben. „Mir sind die Seraphim gleich ins Auge gefallen, sie gehören einfach hierher“, erklärte Landrat Roger Lewandowski (CDU). „Es ist der Traum eines jeden Künstlers, eine Visitenkarte in der Heimat zu hinterlassen“, freute sich auch Künstler Warme, der aus Brieselang kommt und seine Werke weiter in der täglich geöffneten Kirche besuchen kann. „So habe ich sie nicht mehr, und habe sie eigentlich doch.“ Die Seraphim täten dem Kirchenraum gut, ist Warme, der seit zehn Jahren in Brieselang lebt, überzeugt.

Von Ulrike Gawande