Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Bund kippt den Halbstundentakt
Lokales Havelland Bund kippt den Halbstundentakt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:20 23.12.2019
Die Linie Rathenow – Berlin (hier der Halt in Wustermark) wird voraussichtlich nicht im Halbstundentakt befahren werden. Quelle: Tanja M. Marotzke
Rathenow

Noch zur Kreistagssitzung am 9. Dezember hatte Landrat Roger Lewandowski erklärt, bei den Verhandlungen zu einem engeren Takt auf der Bahnstrecke zwischen Rathenow und Berlin gebe es wenig Neues zu verkünden.

Anfrage im Landtag

Die Neuigkeiten lieferte jetzt der Landtagsabgeordnete Christian Görke (Linke) und die sind gar nicht weihnachtlich. Der Bund hat sich offenbar von der Absicht verabschiedet, für die Bahnstrecke nach Berlin zwischen Bamme und Wustermark ein weiteres Gleis zu legen. Mit diesem Zusatzgleis wäre es möglich gewesen, einen Halbstundentakt auf der Bahnstrecke nach Berlin einzurichten.

Neue Strategie

Noch im vergangenen Jahr hatte es bei einer Konferenz mit der Bahn und Ministern des Bundes und der betroffenen Länder ganz andere Aussagen gegeben. Zwar war der Ausbau auf die Zeit nach 2030 terminiert, aber er war terminiert.

Christian Görke (Mitte) mit Parteifreunden in Rathenow.  Quelle: Markus Kniebeler

In einer Antwort auf eine Anfrage von Christian Görke heißt es, der Bundesverkehrswegeplan sehe den Ausbau und die Elektrifizierung der so genannten „Lehrter Stammbahn“ vor. Dazu gebe es einen Arbeitskreis, in dem die Staatssekretäre der betroffenen Bundesländer tagen. „Im Rahmen dessen wurde deutlich, dass der Bund im Abschnitt zwischen Bamme und dem Abzweig westlich von Wustermark keinen viergleisigen Ausbau vorsieht.“

Anhörung im Kulturzentrum

Mit dem vierten Gleis hätte man Nah- und Fernverkehr unabhängig voneinander fahren lassen können, denn derzeit fährt die Regionalbahn nach Berlin auf dem besagten Streckenabschnitt auf den Gleisen der ICE-Trasse. Schlimm ist, dass den Rathenowern intensiv Hoffnungen auf eine bessere Anbindung nach Berlin gemacht wurden, es fanden bereits Anhörungen zu dem Ausbau im Kulturzentrum statt.

Eine Hiobsbotschaft

Christian Görke, der sich noch in seiner Zeit als Finanzminister sehr für den verbesserten Takt eingesetzt hat, reagiert entsetzt: „Das ist eine Hiobsbotschaft für das gesamte Westhavelland und das hätte auch zur Folge, dass eine Verbesserung des Verkehrsangebots zwischen Rathenow und Berlin – wie die Einführung einer halbstündigen Taktfrequenz – höchstwahrscheinlich unmöglich ist.“

Protest am Bahnhof Rathenow: Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger und Nennhausens Amtsdirektorin Ilka Lenke fordern seit Jahren eine Verbesserung des Taktes auf der Strecke RE 4 Quelle: Kniebeler, Markus

Wenn nun die Bahnstrecke zwischen Rathenow und Berlin weiter ertüchtigt werde, habe im Westhavelland niemand etwas davon. „Ich erwarte von der neuen Landesregierung, dass sie sich unverzüglich gegenüber dem Bund dafür einsetzt, diesen verkehrspolitischen und infrastrukturellen Irrweg aufzugeben“, so Görke.

Nur am Morgen

Sehr ärgerlich ist dies auch für Bahnkunden aus Buschow. Für sie fährt der Zug nur zwischen 5 und 8 Uhr jede Stunde nach Berlin. Ansonsten hält die Regionalbahn hier im Zweistundentakt. Mehrfach hatten Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger und die Nennhausener Amtsdirektorin Ilka Lenke in Appellen darauf gedrungen, de Halbstundentakt schneller zu realisieren.

Forderungen

Von Bürgermeister Ronald Seeger fordert Daniel Golze, Sprecher der Rathenower Stadtverordnetenfraktion „Die Linke/Die Partei“, unverzüglich mit der Bundesregierung Kontakt aufzunehmen. „Der Bürgermeister muss die Interessen der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich einer Verbesserung des Bahnangebots nach Berlin deutlich machen.“

Letze Chance?

Es sei, so Golze, die letzte Möglichkeit, dass Rathenow die Anrainergemeinden um sich versammelt, um der Forderung einer schnellen und spürbaren Verbesserung der Anbindung Nachdruck zu verleihen und den öffentlichen Druck zu erhöhen. „Ich erwarte vom Bürgermeister unserer Stadt, dass er diese Problematik zur Chefsache macht“, so Golze. Zugleich kündigte er für seine Fraktion einen Antrag zu dem Thema an, der in der nächsten Stadtverordnetenversammlung beraten werden soll.

Tobias Bank hat eine Petition online gestellt. Quelle: privat

Entsetzt reagierte auch der Kreistagsabgeordnete Tobias Bank (Linke). Bank startete eine Petition, die den Ausbau der Lehrter Stammbahn beschleunigen soll. Dieser war bisher bis 2034 vorgesehen. Die Petition bittet außerdem den Landrat, zu jeder Sitzung des Kreistages über den aktuellen Stand zum Ausbau der Strecke zu informieren.

Landrat antwortet kurz

Bank geht davon aus, „dass es nun Bewegung in der Sache gibt“, allerdings nicht zugunsten der Havelland-Region. Wir haben uns daher schriftlich an den Landrat gewandt, um an weitere Informationen zu kommen.” sagt Bank. Landrat Roger Lewandowski zeigte sich von der Entwicklung überrascht: „Eine offizielle Information dazu ist mir nicht bekannt. Ich trete weiter für die Entflechtung von Regional- und Fernverkehr ein, um einen verbesserten Takt auf der Lehrter Bahn zu erreichen.“ Mehr wollte er vorläufig dazu nicht sagen.

Ruhe in den Rathäusern

Die SPD-Landtagsabgeordnete Katja Poschmann hatte noch am vergangenen Freitag erklärt: „Wir haben ja immerhin einen Stundentakt und das ist auch schon etwas für die Verbindung nach Berlin.“ Da in den Rathäusern im Westhavelland bereits die Weihnachtsruhe eingekehrt war, gab es von dort keine Reaktionen, diese sind für die Zeit nach den Feiertagen zu erwarten.

Das Ziel: ein Halbstundentakt

Der Ausbau der Lehrter Stammbahn liegt in der Verantwortung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur beziehungsweise bei den beauftragten Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn.

Christian Görke hatte bereits im Sommer 2018 seine Erwartung gegenüber der Deutschen Bahn geäußert, die Ausbauplanungen für die Lehrter Stadtbahn zu beschleunigen.

Ziel sollte ein Halbstundentakt auf der Regionalexpresslinie nach Belin sein, das sei so schnell wie möglich anzustreben.

Die Bahn hatte angekündigt, den Halbstundentakt zum Ende des Gesamtvorhabens auf der Strecke Hannover Berlin zu realisieren. Regionalpolitiker halten die Einführung eines Halbstundentaktes in der Hauptverkehrszeit zwischen Berlin und Rathenow angesichts des aktuellen Verkehrsaufkommens für dringend erforderlich.

Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber befürchtet einen Vertrauensverlust gegenüber dem Bund. „Denn in bisherigen Absprachen mit dem Land und dem Bund zu diesem Verkehrsprojekt hieß es immer, dass die Taktverdichtung kommt und möglichst noch vor 2034.“

Auf den Bund vertraut

Insbesondere im Westhavelland hatte man sich von dem Halbstundentakt eine Attraktivitätssteigerung für die Region erhofft. Eine enge Anbindung nach Berlin könne Menschen in der Hauptstadt überzeugen, in so genannte „Städte der zweiten Reihe“ zu ziehen, hieß es immer wieder im Rathenower Rathaus.

Von Joachim Wilisch

Eine junge Frau nimmt am Familienprojekt des ASB Falkensee teil. Im Gespräch mit der MAZ berichtet sie darüber, wie dort die Weihnachtszeit abläuft und wie die Einrichtung beim Bewältigen des oft schwierigen Alltags hilft.

21.12.2019

110 Aussteller haben für die Ausbildungs- und Studienbörse des Landkreises Havelland am 9. Januar im MAFZ gemeldet. Auch bei den Schülern und Lehrern scheint das Interesse an der Veranstaltung von Jahr zu Jahr größer.

19.12.2019

Die Stadtwerke Premnitz bringen Erdgas nach Kützkow. Für Trinkwasser in Bahnitz und Möthlitz will der WAV Rathenow selbst sorgen. Am Westufer der Havel bahnen sich neue Geschäfte an.

16.12.2019