Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Bundesjury „Unser Dorf hat Zukunft“ nimmt Garlitz unter die Lupe
Lokales Havelland Bundesjury „Unser Dorf hat Zukunft“ nimmt Garlitz unter die Lupe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 03.07.2019
Mitglieder des Sport- und Carnevalvereins präsentieren sich. Quelle: Joachim Wilisch
Garlitz

Der große Reisebus rollt pünktlich an. Überdimensional wirkt er auf dem Platz hinter der Kirche, da wo die Garlitzer ihre Freilichtbühne haben, wo sie Theater spielen, wo in den Sommerferien Michael Duhr seine Vorlesestunden hält. Gudrun Lewwe sieht man an: sie ist nervös. Es überhaupt bis dahin geschafft zu haben, dass die Bundesjury des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ in Garlitz Station macht, das ist ein Erfolg, den niemand Garlitz mehr streitig machen kann – egal, was nun noch passiert.

Die Jury des Bundeswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ besuchte Garlitz und nahm nachhaltige Eindrücke mit. Drei Stunden späsentierten die Dorfbewohner, allen voran Ortsvorsteherin Gudrun Lewwe, Garlitz von seiner besten Seite.

Sie haben sich vorbereitet, sie haben ihr Dorf schön hergerichtet. Ja, Garlitz ist schön und kann sich sehen lassen – vielleicht gerade, weil es auch noch ein paar „wilde Ecken“ gibt. Weil nicht alles akkurat glatt und symmetrisch ist.

Wir sind Freunde

Auf Akkuratesse kommt es beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auch gar nicht mehr an. Das sagt Reinhard Kubat. Er ist Landrat im Kreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen. Eine schöne Gegend mit schönen Dörfern. „Wir sind ein Freund der Dörfer“, ruft er den Garlitzern von der Bühne aus zu.

Dicke Bewertungsblöcke

Im Tross hat Reinhard Kubat Jurymitglieder aus ganz Deutschland – von Bayern bis zur Nordseeküste – sie haben alle ihren eigenen Blickwinkel auf die Kandidaten. Sozialer Zusammenhalt, Wirtschaft, Ökologie, Infrastruktur, Zukunftspläne. Viele haben Fotoapparate dabei und schreiben Notizen auf ihre Bewertungsblöcke.

Die Juroren schauen genau hin. Quelle: Joachim Wilisch

In die Karten lassen sich die Mitglieder der Jury in Garlitz nicht schauen. 30 Dörfer stehen auf dem Tourenplan. Garlitz ist die laufende Nummer 18. Am Vormittag waren Kubat und sein Team in Räbke in Niedersachsen. Nun sind sie in der Mark – oder besser im Luch.

Vier Bio-Höfe

Was es mit dem Luch und den Trappen sowie dem Naturpark auf sich hat, das lassen sich die Mitglieder der Jury an einem Feld erklären, an dessen Rand man in die Weite des havelländischen Luchs Blicken kann. Sabine Krüger ist Bio-Landwirtin und erklärt, unter welchen Voraussetzungen sie und drei weitere Bio-Betriebe in Garlitz produzieren. Immer in enger Abstimmung mit den Naturschützern und dem Förderverein Großtrappenschutz.

Fontane und die Trappe

Ja, die Trappe – wenn nicht jetzt, wann dann soll dem Großvogel einmal eine besondere Bühne zuteil werden? Dafür sorgt Reimund Groß. Der Schauspieler lebt in Garlitz und hat sich dem Trappenschutz mit Fontanes Hilfe genähert. Das berühmte Birnen-Gedicht wird zum Trappen-Gedicht.

Michael Duhr (rechts) zeigt das Maßnahmenpaket „Garlitz 2030“ Quelle: Joachim Wilisch

Garlitz hat sich selbst einen Weg in die Zukunft aufgezeigt. Wie soll es weitergehen bis zum Jahr 2030? Dazu haben sich die Männer, Frauen und Kinder aus dem Dorf zusammengesetzt. Ohne Expertenbüro und ohne Hilfe von Außen ist der Zukunftsplan „Garlitz 2030“ entstanden. Mit einem Maßnahmenkatalog, den Michael Duhr jetzt stets präsentiert, wenn eine Stelle im Dorf genauer in Augenschein genommen wird.

Auf dem Geschichtenpfad

Der Garlitzer Geschichtenpfad – die Tafeln, die Fremde und Einheimische durch das Dorf und seine Geschichte führen – hat es auch der Jury angetan. An einem Gebäude, das der eine oder andere lieber links liegen gelassen hätte, bleiben einige Gäste stehen. „Was ist das?“ Gudrun Lewwe erzählt von den Gastwirtschaften, die es nicht mehr gibt. Das ist eine davon. Groß, grau zwei Stockwerke. Und dann wird es interessant: „Hier hat ein Schauprozess gegen Landwirte stattgefunden, die die Norm nicht erfüllt haben“, weiß die Ortsvorsteherin.

Was die Zukunft bringt

Nun soll – ohne dass es schon genaue Festlegungen gibt – ein Mehrgenerationenhaus in dem ehemaligen Gasthaus entstehen. Die Straße, so Gudrun Lewwe, das ist der „Kudamm von Garlitz“. Hier gab es Handel und Gewerbe. Das ist längst vorbei. Trotzdem versucht die Dorfgemeinschaft das Beste aus dem zu machen, was sie hat.

Beim Dorfrundgang. Quelle: Joachim Wilisch

Und das ist eine Menge. Ob es die Veranstaltungen in der Kirche sind oder die Ideen eines Arbeitskreises, der sich darum bemüht, dass Garlitz in einigen Jahren vollkommen energieautark existieren kann. Da ist der Zimmermann, der sich ein altes Haus liebevoll restauriert. Da sind die Kitakinder, denen die ganze Liebe und Aufmerksamkeit der Dorfbewohner gilt:: „Lieber geben wir unser Geld für Kinder aus, bevor wir irgendeinen Weg sanieren“, sagt Gudrun Lewwe.

Feuerwehr und Theater

Nein, die Feuerwehr geht nicht und dann ist da noch die Theatergruppe. Unter Regie von Reimund Groß proben die Laien-Schauspieler aus Garlitz ein Stück, das in dem Dorf zum Ende des 2. Weltkrieges spielt. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass der Märker Humor hat – hier wird er erbracht. Frivol wird es auf der Bühne, wenn der arme Kriegsheimkehrer und die reichste Bauerntochter plötzlich ihre Zuneigung entdecken und die „sturmfreie Bude“ nutzen.

Nicht jammern sondern machen

Dann geht es ab ins Dorfgemeinschaftshaus. Drei Stunden beäugt die Jury kritisch und wohlwollend das Dorf. Die Bewohner sind erschöpft. Sie haben alles gegeben. Das imponiert auch Landrat Roger Lewandowski: „Hier ist mächtig was los.“ und Andreas Tutzschke, Bürgermeister der Gemeinde Märkisch Luch, zu der Garlitz gehört, sagt: „Hier wird nicht gejammert, hier wird gemacht.“

In der Dorfkirche. Quelle: Joachim Wilisch

So soll es bleiben – egal, welchen Platz Garlitz am Ende belegt. Ein bisschen Hoffnung haben sie aber schon – Amtsdirektorin Ilka Lenke, Landrat Roger Lewandowski, Michael Duhr und nicht zuletzt Gudrun Lewwe.

Zur nächsten Station

Reinhard Kubat und sein Team steigen gegen 19 Uhr erschöpft in den Bus. Sie haben an dem Tag viel gesehen. Nächste Station am Folgetag: Dissen.

„Unser Dorf hat Zukunft“

30 Landessieger aus ganz Deutschland haben sich für den Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ qualifiziert. Die Bundesbewertungskommission bereist die Dörfer seit dem 18. Juni und ist noch bis zum 10. Juli unterwegs.

Während eines dreistündigen Aufenthaltes haben die Dorfbewohner Gelegenheit, die Besonderheiten ihres Ortes zu präsentieren. Sie zeigen, welche Konzepte, Projekte und Aktivitäten das Zusammenleben in dem Dorf auszeichnen.

Der Bundeswettbewerb wird zum 26. Mal ausgetragen. Er entstand aus dem Dorfverschönerungswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

Garlitz gewann im Jahr 2017 den Kreisentscheid und im Jahr 2018 gab es beim Landesentscheid eine Delegierung zum Bundeswettbewerb.

Die Entscheidung, wer zu den Preisträgern gehört, wird am 11. Juli bekannt gegeben. Es gibt Gol-, Silber- und Bronzepreise sowie eine Reihe von Sonderauszeichnungen.

Von Joachim Wilisch

Bei einem Verkehrsunfall am Mittwochnachmittag kam auf der B 188 zwischen dem Abzweig nach Landin und dem Kreisverkehr zur B 5 ein Autofahrer zu Tode. Er kam mit seinem Auto gegen 14.20 Uhr von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Straßenbaum.

03.07.2019

Nachdem die Polizei mehrfach Schlägereien und Angriffe auf Passanten in der Rathenower Innenstadt registrierte, gab es am Dienstag einen weiteren Vorfall. Ein Flüchtling aus Afghanistan verletzte einen Senior und einen Mann, der den Streit schlichten wollte.

03.07.2019

Wieder ist auf Brandenburgs Straßen eine Person ums Leben gekommen. Infolgedessen musste die B188 zwischen Kotzen und Briesen voll gesperrt werden.

03.07.2019