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Havelland Christa Wolf sang Lieder für den Lebensmut
Lokales Havelland Christa Wolf sang Lieder für den Lebensmut
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00:26 11.03.2015
Birgit Dahlke, Vorsitzende der Christa-Wolf-Gesellschaft, betrachtet Bilder von Künstler Helge Leiberg.
Birgit Dahlke, Vorsitzende der Christa-Wolf-Gesellschaft, betrachtet Bilder von Künstler Helge Leiberg. Quelle: Fritz H. Köser
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Groß Behnitz

Christa Wolf war in Kalifornien, und es ging ihr schlecht. Sie hatte erfahren, dass in Deutschland eine mögliche Hetzjagd gegen sie bevorstand. Medialer Druck, wegen marginaler Stasi-Kontakte, die zudem noch lange zurücklagen. Anfang der Neunziger war das.

83 Lieder soll sie damals in einer Nacht gesungen haben, als seelische Stütze, wie sie in ihrem autobiografischen Roman "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" beschrieben hatte. Das half ihrem Lebensmut mehr, als die zwei Gläser Whisky, die sie nebenher hinunterkippte. Auch sonst schmetterte sie gerne Lieder, etwa bei Autofahrten.

Die am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe geborene Christa Wolf zählte zu den bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten in der DDR und darüber hinaus. Ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Sie starb am 1. Dezember 2011 in Berlin.

"Kaum jemand weiß, dass Christa Wolf eine begeisterte Sängerin war", sagt Armin Schubert, Gründer der Galerie Sonnensegel aus Brandenburg/Havel. Eine von ihm organisierte Ausstellung soll bis zum 17. Mai diese unbekannte Facette der Autorin zeigen. Am Sonnabend wurde sie auf dem Landgut A. Borsig im Nauener Ortsteil Groß Behnitz eröffnet.

Die Bilder stammen von diversen Künstlerfreunden von Christa Wolf, etwa Ronald Paris oder Barbara Henniger, aber auch von Schülern des Evangelischen Gymnasiums am Dom und der Evangelischen Grundschule aus Brandenburg/Havel. Manches wirkt rätselhaft, manches mehrdeutig. So wie das Bild der Schülerin Emily Müller "Junge Frau mit Flöte - Sophie Scholl". Sie hatte "Die Gedanken sind frei" gespielt, vor dem Gefängnis, für ihren einsitzenden Vater. Und zugleich Christa Wolf, die dieses Lied sehr mochte, so Armin Schubert.

Ein Programm mit Workshop, Vortrag, Filmen und sogar gemeinsamen Kochen soll die Ausstellung ergänzen. "Da fing ich an zu singen - Hommage für Christa Wolf" lautet der Name des recht ungewöhnlichen Projekts. Zur Eröffnung musizierten Schüler aus besagten Schulen. Ein Chor jubilierte, begleitet von Bläsern und Streichern.

"Über Musik kann man Kinder und Jugendliche an die Literatur heranführen", sagte Michael Stober, Eigentümer des Landguts A.Borsig. Armin Schubert war mit seiner Idee an ihn herangetreten und sogleich auf offene Türen gestoßen. Bis heute seien die Werke von Christa Wolf aktuell, so Michael Stober weiter, die darin erhaltenen Botschaften hätten große Bedeutung und einen hohen Wert. Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst sieht in Christa Wolf eine weit über Deutschland hinaus bekannte Autorin. Sie hatte die Schriftstellerin in einer Rede gewürdigt.

Auch ein kurzer Fehlalarm konnte die gute Stimmung nicht trüben. "Gehört nicht zum Programm", versicherte Armin Schubert scherzend. Ohnehin hörte der störende laute Ton bald auf, was von den Anwesenden mit reichlich Applaus bedacht wurde. Christa Wolf hat bestimmt die Eröffnung "von oben" beobachtet, meinte Schubert. Und weiter: "Es hat ihr garantiert sehr gut gefallen."

Von Fritz Hermann Köser

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