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19:22 30.04.2018
Der Barkas ist Manfred Hüsges besonders ans Herz gewachsen. Quelle: Bernd Geske
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Döberitz

Leute, die in der Deutschen Demokratischen Republik aufgewachsen sind, seien gewarnt: Die Fülle von Exponaten im neuen DDR-Museum von Döberitz könnte sie „erschlagen“. Vor zwei Monaten haben Manfred Hüsges aus Mönchengladbach und Peter Klapp aus Premnitz auf 400 Quadratmetern am Bammer Weg Nr. 5 eine Präsentation eröffnet, die es so nicht noch einmal gibt. Anhand einer schier unendlichen Zahl von Exponaten kann das Leben im „1.deutschen Arbeiter- und Bauernstaat“ nachempfunden werden.

„Das kenne ich!“ und „Das habe ich auch gehabt.“ seien die wiederkehrenden Sätze, sagt Manfred Hüsges, die er von Besuchern zu hören bekomme. Locker plaudernd und ohne jede wissenschaftliche Pose begrüßt er seine Gäste.

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Trotzdem zeigt er sich in der Lage, zu vielen Ausstellungsstücken die Herstellungszeiträume, Betriebe, Orte und Besonderheiten zu nennen. Für einen geborenen Wessi eigentlich erstaunlich. 1993 habe er erstmals mit einem Bekannten eine Fahrt durch die neuen Bundesländer gemacht, erzählt er. Dabei müsse er von einem „Virus“ infiziert worden sein, plötzlich habe er angefangen, Dinge zu sammeln, die in der DDR Bedeutung hatten. Zuerst hat er einen alten Barkas-Krankenwagen gekauft, bald danach einen betagten Trabant-Kombi und beide wieder aufgebaut. Rund 60 Trabbis habe er im Laufe der Jahre erworben, erzählt er, und zehn fahrbereite Autos daraus zusammengesetzt. Die Menge der Spielsachen, die er besitzt, lässt sich kaum ermessen. Allein die Zahl der elektrischen Eisenbahnloks gibt er mit „knapp 1000“ an. Er hat nur Platz, um 400 zu zeigen. Ein Raum ist voller Kinderbücher. Ein anderer Raum heißt „PEBELAND“. In Anlehnung an das bekannte Legoland hat Manfred Hüsges kleine Welten aus den Steckbausteinen gestaltet, die in der DDR hergestellt wurden. „PEBE in Bad Kösen hat am Anfang die Legobausteine produziert“, vermerkt er kurz am Rande.

Der einstige Wessi, der heute schon lange ein waschechter „Wossi“ ist, weist darauf hin, dass das DDR-Museum ohne die von Peter Klapp eingebrachten Exponate undenkbar wäre. Der Premnitzer hat den „Konsum“ ausgestattet und viele technische Geräte beigesteuert. Im klassischen DDR-Laden gibt es Goldbrand und Timm’s Sauren, Fewa, Ata und Sil. Eine betagte Schlager-Süßtafel darf bestaunt werden. Nudossi-Aufstrich, Rondo-Kaffee und Carnito-Soße nicht zu vergessen. Eine 0,33-Liter-Flasche Rathenower Hell lässt 25Jahre alten Bierdurst aufleben. Die Uralt-Kamera Pouva Start fehlt nicht, ein Fernseher Junost 4018 ist da undder einst allgegenwärtige Stern-Recorder feiert ein Wiedersehen.

Die Bereiche sind einfach thematisch geordnet. Eine Vitrine zeigt alles zur Volkspolizei, eine andere etwas über das Gesundheitswesen. Hier werden drei Dutzend Handpuppen einschließlich Pittiplatsch und Schnatterinchen präsentiert, da hängen Tafeln über persönliche Schutzausrüstung an der Wand. Allgegenwärtig sind Spielsachen, Modelle und technische Geräte. Die im Premnitzer Werk einst hergestellten Magnetbandkassetten verraten, dass sie einst 20Mark für 60Minuten und 27 Mark für 90 Minuten gekostet haben. Wie die ersten zwei Monate für das Museum gelaufen sind? „Ich habe mit fünf Besuchern am Tag gerechnet“, nennt Manfred Hüsges seine Kalkulation. Jetzt, nachdem er am Montag an der Ecke zur Bundesstraße ein Hinweisschild in Trabbi-Form aufstellen durfte, sehe es besser aus. Die Besucherzahl sei etwa doppelt so hoch.

Kürzlich hat eine ältere Dame im DDR-Museum geweint. Sie hatte ihr altes Puppenhaus wieder erkannt – ihr Vater hatte es vor vielen Jahren für sie gebaut. „Ich habe es im Sperrmüll gefunden“, erklärt der Museumsvater. Und die Frau habe gerufen: „Da sind ja meine alten Puppengardinen!“

Von Bernd Geske

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