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Dallgow-Döberitz Drogenfund im Dallgower Jugendklub
Lokales Havelland Dallgow-Döberitz Drogenfund im Dallgower Jugendklub
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18:23 25.10.2018
Maria Reißig leitet den Jugendklub in Dallgow-Döberitz.
Maria Reißig leitet den Jugendklub in Dallgow-Döberitz. Quelle: Danilo Hafer
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Havelland

 Wenn es um Drogen geht, gibt es bei Maria Reißig nur die Null-Toleranz-Strategie. „Drogen oder Alkohol akzeptieren wir hier nicht“, sagt die Leiterin des Dallgower Jugendklubs. So war es auch beim jüngsten Drogenfund in ihrer Einrichtung. „Ich habe sofort die Polizei gerufen und die Jugendlichen, die es gewesen sein könnten, haben Hausverbot erhalten.“

Leiterin wehrt sich gegen Vorwürfe

Die 35-Jährige wehrt sich damit gegen den Vorwurf, der in einem anonymen Brief geäußert wurde, dass die vom ASB geführte Einrichtung ihre Aufsichtspflicht verletze und Jugendarbeit anders aussehe.

„Irgendjemand hatte sogar ein Schild angebracht, auf dem stand: Achtung, Drogen“, sagt Reißig. Dass Jugendliche, insbesondere wenn sie Geld und Langeweile haben, auf dumme Gedanken kommen, das sei nicht abzustreiten.

Doch von einem Drogenproblem zu sprechen sei völlig abwegig. „Wenn uns etwas auffällt, reagieren wir sofort, wir können die Jugendlichen aber nicht 24 Stunden am Tag überwachen, das ist auch gar nicht unsere Aufgabe“, sagt sie.

Jugendliche haben sich auffällig verhalten

Die ehemalige Falkenseer Streetworkerin leitet den ASB-Jugendklub in Dallgow seit Anfang September, der jüngste Drogenfund war der erste Vorfall dieser Art, seit sie ihre Stelle angetreten hat. „Ich habe mitbekommen, wie sich mehrere von den Großen auffällig verhalten haben und wurde skeptisch. Später habe ich mir das Sofa vor der Tür, auf dem sie saßen, etwas genauer angeschaut und ein Drogenpäckchen gefunden“, sagt Reißig.

Wie die Polizei später bestätigte, handelte es sich dabei um Cannabis. Der Empfänger, dem die Drogen übergeben werden sollten, verspätete sich. Die Jugendlichen dachten wohl, die Einrichtung wäre ein gutes Versteck für die Substanz. „Ich habe nach dem Fund auch den ASB und die Gemeinde informiert“, sagt die Jugendklubleiterin.

Fallzahlen nicht besonders hoch

Drogen sind allerdings kein Thema, das nur in Dallgow diskutiert wird. Im ganzen Landkreis Havelland zählte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 352 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das sind wahrlich keine herausragend hohen Zahlen. In 55 Fällen galten Jugendliche (14 bis 17 Jahre) und in 46 Fällen Heranwachsende (bis 21 Jahre) als Tatverdächtige. Von den insgesamt sechs gemeldeten Fällen in Dallgow-Döberitz kamen vier aus diesen Altersgruppen.

Deutlich mehr Fälle in Falkensee

Den größten Anteil an solchen Taten haben Jugendliche und Heranwachsende in Falkensee. Bei 91 Fällen kamen je 17 Tatverdächtige aus den beiden Altersgruppen. Wie häufig Polizeibeamte zu Schulen oder anderen Jugendeinrichtungen gerufen werden, darüber wird keine Statistik geführt.

Dennoch spielt das Thema auch an den Bildungseinrichtungen eine Rolle. „Es gibt keine Schule, an der es das nicht gibt“, sagt Natascha Grünberg, Sprecherin des Nauener Leonardo-da-Vinci-Campus. Auch an der Privatschule gebe es immer wieder Gerüchte um Drogenkonsum, so Grünberg. Sie frage sich nur, woher diese kommen. „Wenn wirklich etwas auftaucht, wird der Schüler im Zweifel von der Schule verwiesen“, sagt sie.

Damit aus einem jugendlichen Ausprobieren keine Sucht wird, sei es wichtig, jungen Menschen so früh wie möglich zu helfen. „Meist kommen Angehörige, Schulen oder die Arbeitgeber der Jugendlichen auf uns zu, wenn sie ein Problem feststellen“, erklärt Annett Bathke von der Suchtberatung der Caritas in Nauen.

Cannabis wird am meisten konsumiert

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Jugendlichen, die eine Beratung in Anspruch nehmen, gestiegen. Meist gehe es dabei um Cannabis, Amphetamine und Alkohol. „Alkohol ist gerade bei jungen Erwachsenen ein Problem – vor allem im Raum Rathenow“, so Bathke.

In Falkensee gehe es vor allem um Cannabis, zudem seien die Betroffenen deutlich jünger. „Nicht selten haben wir es dort schon mit 13-Jährigen zu tun“, so Bathke. Dass Jugendliche, die mehr Geld zur Verfügung haben, auch eher zu Drogen greifen, weil sie sich diese leisten können, dafür gäbe es keine Belege. „Wir beraten auch viele Betroffene, die wenig Geld haben. Die nehmen dann im Zweifel Drogen mit schlechter Qualität“, sagt Suchtberaterin Bathke.

Von Danilo Hafer