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Dallgow-Döberitz Zwei Männer verurteilt: Sie drohten ihrem Opfer, es anzuzünden
Lokales Havelland Dallgow-Döberitz Zwei Männer verurteilt: Sie drohten ihrem Opfer, es anzuzünden
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16:14 01.03.2019
Die Verhandlung am Nauener Amtsgericht dauerte acht Stunden.
Die Verhandlung am Nauener Amtsgericht dauerte acht Stunden. Quelle: dpa
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Dallgow-Döberitz

Sie haben ihn gewürgt, auf den Boden gedrückt, mit Wodka überschüttet und gerufen: „Komm, lass ihn uns abfackeln.“ Dann klickte ein Feuerzeug. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung und Nötigung wurden ein 27- und ein 39-jähriger Havelländer in Nauen zu hohen Geldstrafen, von 9000 und 4500 Euro, verurteilt.

Verhandlung dauerte acht Stunden

Der Entscheidung ging ein rund achtstündiger Prozess vor dem Schöffengericht voraus, der sich zwischenzeitlich als durchaus kompliziert herausstellte. Dies lag vor allem daran, dass die beiden Angeklagten schwiegen und der Hauptzeuge, das Opfer der beiden Täter, ein heute 21-jähriger Schönwalder, sich in seiner Erinnerung an den Tatabend nicht immer ganz sicher war und seine Aussage in der über zweistündigen Vernehmung immer wieder anpasste. Fünf weitere Zeugen mussten gehört werden, darunter vier Polizeibeamte.

Tat geschah bereits Ende 2017

Die Tat geschah bereits am 29. Oktober 2017. An diesem Abend war der 21-Jährige zu Besuch bei einem Freund in Dallgow-Döberitz. Gemeinsam mit zwei weiteren Freunden verbrachten sie den Abend zusammen, schauten Fernsehen und tranken das ein oder andere Bier. Gegen 2.45 Uhr wollte sich der 21-Jährige dann auf den Heimweg machen. „Eigentlich wollte ich bei meinem Kumpel schlafen. Es gab aber einen kleinen Streit und ich habe mich entschieden, die acht Kilometer bis nach Schönwalde zu Fuß zu gehen“, erzählte er.

Schon während sich die beiden Freunde am Gartenzaun von einandern verabschiedeten, sahen sie zwei Männer, die durch die Kleiststraße liefen. „Die beiden hatten einen etwas schlaksigen Gang und sind wahrscheinlich von irgendeiner Feier gekommen, es war ja glaube ich auch am Wochenende“, erinnerte sich der Freund des Geschädigten.

Alles begann mit ein bisschen Smalltalk

Als diese beiden Männer einige Meter vom Haus entfernt waren, machte sich auch der Schönwalder auf den Weg. Da er wohl etwas schneller lief, holte er sie schon an der Ecke zur Fontanestraße ein. Es entwickelte sich ein Gespräch, eine Art Smalltalk. „Sie haben mir dann Wodka angeboten, von dem ich auch einen Schluck genommen habe, dann ist mir aber schlecht geworden“, erzählte der Schönwalder.

An der Ecke Eulenstraße soll die Stimmung dann plötzlich gekippt sein. „Der eine der beiden fragte mich, warum ich so blöd grinse, drückte mich gegen einen Zaun und griff mir an den Hals“, beschrieb das Opfer die Situation. Während er vom 27-jährigen Angeklagten gewürgt wurde, hielt sich der zweite Angeklagte im Hintergrund auf.

Die Situation eskalierte

Anschließend nahmen sie ihr Opfer in den Schwitzkasten, drückten es zu Boden und traten mehrfach zu. Zum Schutz vor den Tritten hielt sich der junge Mann die Arme vors Gesicht, während er mit den Knien auf dem Boden hockte. „Einer sagte dann ’Komm, lass ihn uns abfackeln’ und mir wurde eine Flüssigkeit über den Nacken gegossen, es war etwas Hochprozentiges“, so der 21-Jährige.

Sie drohten ihr Opfer anzuzünden

Er solle auf dem Boden liegen bleiben und bis 20 zählen, andernfalls würden sie ihn anzünden, drohten die beiden Männer ihrem Opfer. „Neben meinem Ohr habe ich dann ganz deutlich das Klicken eines Feuerzeuges gehört.“ Wer genau in dieser Situation was gesagt und getan hat, konnte er jedoch nicht sagen. „Ich lag mit dem Gesicht auf dem Boden, habe aber an den Stimmen gehört, dass auch der zweite mitgemacht hat.“

In Todesangst tat der 21-Jährige wie ihm befohlen wurde und begann laut zu zählen. Nach einer Weile hob er vorsichtig den Kopf, um zu schauen, ob die beiden noch in der Nähe waren. Als er sicher war, alleine zu sein, stand er auf und rannte zurück zum Hauses des Freundes. Dieser alarmierte die Polizei. Aufgrund der Täterbeschreibung und dem Vorteil, dass zu dieser Uhrzeit in Dallgow und Falkensee nur sehr wenige bis gar keine Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen sind, gelang es den Beamten, die beiden Männer in der Nähe des Tatortes festzustellen.

Richterin spricht von Alkoholtat

Da bei beiden auf Grundlage der Atemalkoholtests von einem Promillewert von 2,4 und 2,0 ausgegangen werden musste, rechnete das Gericht beiden eine verminderte Schuldfähigkeit zu. „Es spricht alles für eine Alkoholtat“, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Ein versuchtes Tötungsdelikt schloss die Polizei indes von Anfang an aus, da der Wodka nicht brennbar genug gewesen wäre.

Von Danilo Hafer

28.02.2019
27.02.2019