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Havelland „Das Leben behält den Sieg“
Lokales Havelland „Das Leben behält den Sieg“
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07:48 19.04.2014
Pfarrer Johannes Neugebauer über Ostern als das wichtigste Fest des Jahres Quelle: Jens Wegener
Havelland

MAZ: Die Menschen freuen sich auf Ostern. Vier freie Tage, Zeit zum Entspannen, Zeit für die Familie. Wie ist das bei Ihnen?

Johannes Neugebauer: Fast genauso. Ostern ist für mich das schönste und wichtigste Fest des Jahres. Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi, das Leben behält den Sieg – diese Botschaft predige ich gern an den Feiertagen. Nur mit dem Entspannen und Zeit für die Familie haben, das klappt nicht so ganz in der Karwoche. Das verschieben wir etwas nach hinten.

Sie sind verheiratet, haben drei Kinder. Sehen sie Ihre Familie überhaupt am Osterwochenende?

Neugebauer: Ja, natürlich. Wir wohnen im Gemeindehaus in Nauen, obwohl ich ja für einen anderen Bereich zuständig bin. Meine Frau und meine Kinder begleiten mich zwar nicht zu meinen Gottesdiensten, aber wenn ich zwischendurch zu Hause bin, verbringen wir gemeinsame Stunden. Zum Ostergottesdienst am Sonntag gehen sie nur wenige Meter in die St.-Jakobi-Kirche.

Ihre Wege sind weiter und Sie haben mehr Termine?

Neugebauer: Stimmt. Nach den Gottesdiensten am Gründonnerstag und Karfreitag in Retzow und Barnewitz stehen am Ostersonntag gleich drei an: Um 7Uhr in Retzow, um 9.15Uhr in Selbelang und um 10.30Uhr in Mützlitz. Wobei Retzow eine Frühandacht ist, die nicht so lange dauert. In einigen Kirchengemeinden organisieren die Mitglieder nach der Andacht ein Osterfrühstück. Das ist sehr gemütlich.

Wenn Sie in drei Kirchen an einem Tag predigen, erzählen Sie dann bei jedem Gottesdienst dasselbe?

Neugebauer: Der Grundtext der Predigt ist praktisch vorgegeben. Er steht im evangelischen Gottesdienstbuch. Es geht natürlich zu Ostern um die Auferstehung. Aber ich versuche, den Grundtext in die heutige Zeit zu integrieren, mit der Situation unserer Zeit in Verbindung zu setzen. Also solche Fragen zu beantworten wie: Kann man heute noch an die Auferstehung glauben und warum?

Wie lange brauchen Sie, bis der Text für eine Predigt steht?

Neugebauer: Etwa drei bis fünf Stunden. Wenn Besonderheiten dazukommen, dauert es eben länger. Nicht zu vergessen: Ich suche die Musikstücke aus und spiele meistens noch die Orgel, wenn eine da ist.

Was meinen Sie mit Besonderheiten?

Neugebauer: Ein Beispiel. In Barnewitz wurde die Kirche vor genau 70 Jahren bombardiert und zerstört. Vor 40 Jahren wurde sie wieder aufgebaut. Das spielt natürlich in den Gottesdiensten über Ostern eine Rolle. Ich habe mich dafür extra mit der Chronik beschäftigt, habe viele Gespräche mit Gemeindemitgliedern geführt.

Sie sind jetzt zwei Jahre als Pfarrer im Havelland. Wie bewerten Sie die Entwicklung der Kirchengemeinden? Stehen Sie nicht manchmal vor fast leeren Reihen beim Gottesdienst?

Neugebauer: Zu Ostern und zu Weihnachten sind die Kirchen voller als sonst. Das ist nicht neu. An den normalen Wochenenden kommen in den kleinen Orten wie Selbelang oder Retzow zehn oder zwölf Gemeindemitglieder in die Kirche. Das sind immerhin acht bis zehn Prozent der Bevölkerung. Trotzdem könnte man darüber nachdenken, gemeinsame Gottesdienste im Wechsel abzuhalten. Diese Entscheidung liegt aber bei den Gemeindekirchenräten.

Wir haben ihn gesehen – er lebt!

Ostern feiern Christen die sagenhafte Auferstehung Jesu

Das muss eine alles umstürzende Erfahrung gewesen sein, ein Megaereignis – als Jesus sich drei Tage nach seiner Kreuzigung den Jüngern und anderen Menschen als Lebendiger zeigte. Er erschien denen, die von seinem schmachvollen Tod am Kreuz wussten und selbst am Boden zerstört waren – alle Hoffnungen waren zerstoben, der Glaube an Jesus, den Retter, war wohl doch bloß eine Illusion.

Paulus, der bekannte Briefautor der Bibel, schreibt zirka 15 Jahre nach den unfassbaren Ereignissen, die wir mit Ostern verbinden, der christlichen Gemeinde im griechischen Korinth einen Brief. Er zählt darin auf, welche Leute überzeugend berichten, dass sie Jesus von Nazareth gesehen haben: Petrus, seine Jünger, mehr als 500weitere Christen und zuletzt Paulus selbst (Kapitel 15 des 1. Korintherbriefes). Kein einziger Zeuge behauptet, erlebt zu haben, wie die Auferstehung geschah, ob also Jesus das Grab verlassen habe. Aber alle sagen felsenfest überzeugt: Wir haben Jesus von Nazareth nach Karfreitag als Lebenden gesehen. Wir sind von diesem Ereignis derart überwältigt, dass wir glauben, Gott hat Jesus nicht im Tod belassen, er hat ihn zu seinem Sohn gemacht, kurz: er ist auferstanden.

Der Glaube der Christen an die Auferstehung Jesu beruht auf dem Zeugnis derer, die ihn so gesehen haben. Eine neutrale Vergleichsgruppe hätten wir gern, gibt es aber nicht. Wer ihn erlebt hat, konnte gar nicht anders, als an Jesus zu glauben, als Christ zu werden.

Pfarrer Christoph Poldrack aus Leegebruch. Quelle: Privat

Der fanatische Gegner der Christen, eben dieser Paulus, wird zum überzeugten Prediger des Glaubens an Jesus. Ganz offensichtlich haben diese Menschen, die das erlebt haben, Jesus wiedererkannt. Es ist dieser Jesus von Nazareth, den wir jahrelang begleitet haben, der uns da erschien. Wir können ihre Aussage in zwei Sätzen bündeln: Sie erkennen den Auferstandenen als den Gekreuzigten. Sie bekennen den Gekreuzigten als den Auferstandenen.

Dieses Erkennen und Bekennen ist die Initialzündung, der Urknall des christlichen Glaubens.

Niemand kann Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, beweisen, dass die damaligen „Seher“ die Wahrheit sagen. Aber Sie können, wie viele Menschen seit fast 2000 Jahren, ihrer Aussage „Wir haben Jesus als Lebenden gesehen!“ vertrauen. Und dann können Sie feiern: Ostern – das Fest der Auferstehung Jesu. Viele Erzählungen der Bibel versuchen, durch anschauliche Geschichten das Unfassbare ein wenig verständlicher zu machen. Wir haben aber trotzdem „nur“ diese eine Erkenntnis: Er lebt! Das feiern wir Christen und laden alle ein, mit zu feiern.

Von Pfarrer Christoph Poldrack

Der Autor: Christoph Poldrack ist evangelischer Pfarrer in Leegebruch. Er predigt am 20. April um 10 Uhr beim Familiengottesdienst, zuvor ist ab fünf Uhr Osternachtsfeier mit anschließendem Osterfrühstück.

Zurück zu Ihrem Osterwochenende. Können Sie nach dem Ostersonntag auch mal die Beine hochlegen?

Neugebauer: So richtig nicht. Denn neben den Gottesdiensten gibt es noch das Tagesgeschäft eines Pfarrers. Etwa 40 Prozent meiner Tätigkeit ist Büroarbeit am Computer. Anträge bearbeiten, Rechnungen schreiben oder bezahlen, Pachtverträge durchsehen, Bauarbeiten an Kirchen koordinieren oder Fördermittel besorgen. Dazu gibt es Beerdigungen und Trauungen, manchmal an einem Tag – auch zu Ostern.

Können Sie so schnell von Freude und Glück auf Trauer umschalten?

Neugebauer: Nicht sofort. Ich versuche, mir einen zeitlichen Puffer einzubauen. Es kommt auch vor, dass ich einen Kollegen bitte, eine Beerdigung oder Hochzeit zu übernehmen, wenn es zu viel wird.

Dürfen Sie eigentlich in der Osterzeit Urlaub machen?

Neugebauer (lacht): Ich glaube, wenn ich das beantragen würde, könnte ich mit einer Ablehnung rechnen. Ich muss mich anders ablenken und erholen.

Wie denn?

Neugebauer: Zweimal die Woche jogge ich auf dem havelländischen Radweg – manchmal kommt mein zwölfjähriger Sohn Justus mit. Oder ich schraube an meinen Berlin-Roller weiter. Der ist bald fertig.

Sie haben Ahnung von Motoren?

Neugebauer: Ich bin gelernter Schlosser. Vor zwölf Jahren hat jemand zu mir gesagt, ich könnte seinen alten Roller aus Ludwigsfelde haben. Seit zehn Jahren bastele ich an dem Ding rum. Irgendwann fahre ich damit durch die Gegend. Wenn das nicht klappen sollte, habe ich ja noch mein Motorrad.

Interview: Jens Wegener

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