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Havelland Das veräppelte Dorf
Lokales Havelland Das veräppelte Dorf
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00:23 02.09.2014
Sind in Schönwalde-Dorf von fast jedemWinkel aus zu sehen: Pferde. Quelle: Oliver Fischer
Schönwalde-Dorf

Es gibt einen Abschnitt, ein paar hundert Meter lang, in dem der Schönwalder Ortsteil Dorf seinem Namen noch wirklich Ehre macht. Rund ums Schlossgut, da stehen noch Höfe mit Scheunen und Stallgebäuden. Und mittendurch läuft die Dorfstraße, deren breiter Anger ausgesprochen ländlich aussieht. Und mitunter, so klagen Anwohner, auch leider ziemlich ländlich riecht, und zwar nach Pferd. Denn es gibt viele Pferde in Schönwalde-Dorf.

Man sieht sie von jeder Ecke des knapp 1000-Einwohner-Ortsteils. Sie stehen vor dem Schlossgut, auf den Koppeln der Reiterhöfe, sie stehen auch auf einer Wiese im Wohngebiet und werden von Bremsen umschwirrt. Oder sie traben über die Straße Am Bahnhof und durch den Wald. Und wo sie stehen und gehen, erleichtern sie sich. Wer Pferdeäpfel sucht, wird fündig im Dorf. Es war aber auch schon schlimmer. Regina Deutschländer erinnert sich mit Grausen an die Zeit vor zwei, drei Jahren. Die Dorfstraße war heftig, sagt sie. Die Waldwege waren zertreten. Und der Radweg: vollgekackt bis zum Gehtnichtmehr. Radfahrer glitschten durch Haufen, Spaziergänger mussten um Pferdeäpfel herumgehen. Oder sie stiegen drüber. Oder sie traten rein.

Der Unmut darüber entlud sich regelmäßig in den Sitzungen des Ortsbeirats, wo Regina Deutschländer für die CDU sitzt. Vor etwa drei Jahren kam das Thema erstmals auf, seither versucht sie zu vermitteln. Sie verstehe beide Seiten, sagt sie. Sie besitzt selbst ein Pferd und weiß, dass Reiter auf der Straße nicht einfach absteigen und die Äpfel von der Straße sammeln können. Aber der Dreck auf den Wegen: "Das ging so nicht."

Regelungen für Nutztierhaltung

  • Ob und wo Nutztiere gehalten werden dürfen, ist unter anderem in der Baunutzungsverordnung geregelt und hängt von der Art der Bebauung einer Gemeinde ab, die im Flächennutzungsplan festgelegt ist.
  • In reinen Wohngebieten ist etwa die Haltung von Rindern, Pferden und Ziegen generell nicht zulässig. Bei Geflügel haben Gerichte je nach Anzahl und Größe der Tiere unterschiedlich entschieden. Gänse gelten als unzulässig, Hühner werden in geringer Zahl meistens geduldet. Es gibt aber Urteile, die festlegen, dass Hähne in Wohngebieten nur in der Zeit von 8 bis 19 Uhr hörbar krähen dürfen.
  • In vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind die Regeln wesentlich lockerer. Am liebsten wird Landwirtschaft im Außenbereich gesehen, also außerhalb von Siedlungsgebieten. Deshalb gilt Tierhaltung bis zu einem gewissen Umfang dort als privilegiert. 

Das Dorf hat deshalb unruhige Zeiten hinter sich. Im Ort wurde oft darüber gesprochen, auch gezankt. Im Grunde, sagt Regina Deutschländer, gehe es bis heute darum, Kompromisse zu finden. Es geht um die Frage, wie ein Dorfleben funktionieren kann, wenn Pferde zum Tourismusschwerpunkt werden und gleichzeitig immer mehr Menschen aufs Land ziehen, die schon das normale Dorfleben mit Hühnern und Hütehunden nicht gewöhnt sind.

Verstärkt worden sei das Problem durch Fehler, auch von der Gemeinde, glaubt Regina Deutschländer. So hat man aus ihrer Sicht in den Neunzigerjahren die Entwicklung des Dorfes unklug geplant. Das Dorf hat ein Wohngebiet mit kleinen Grundstücken und Katalog-Häusern bekommen, die nicht nach Dorf aussehen und deshalb auch bei den Bewohnern nicht das Verständnis für das dörfliche Leben fördern. Auf der anderen Seite haben in der Vergangenheit einige der Pferdehofbetreiber wohl ihre Aufgabe unterschätzt. "Wer einen Hof betreibt, muss klare Regeln aufstellen", sagt etwa Regina Subotta, die einen der ältesten Reiterhöfe in Schönwalde hat. "Ich sage meinen Kunden, was sie zu tun und zu lassen haben, aber das hat hier nicht jeder Betreiber so gemacht." Es gab deshalb in den vergangenen zwölf Monaten mehrere Treffen mit den Reiterhöfen, Ordnungsamtsleiter Kurt Hartley war stets mit dabei, hat vermittelt und verhandelt. Auch unter seiner Regie wurden Plakate aufgehängt, Schilder aufgestellt und Regeln für Gehwege besprochen. Die Reiterhöfe wurden um mehr Sauberkeit gebeten. Im Gegenzug wurde für die Reiter ein Extraweg neben der Straße Am Bahnhof angelegt, damit sie sich vom Asphalt fernhalten. Man hat versucht, Fußgänger und Reiter zu trennen, auch im Wald. Die Gemeinde hat die Reinigung verstärkt, auch auf dem Radweg. Und das Wichtigste: "Wir haben eine gemeinsame Ebene der Kommunikation gefunden."

Das sei unumgänglich, sagt Regina Deutschländer. Denn ihre Probleme können die Dörfler nur selbst regeln. Die Landesgesetze sind keine Hilfe. Es gibt zwar Bundesländer, in denen Pferde nur auf ausgewiesenen Reitwegen laufen dürfen, in Brandenburg aber dürfen sie das praktisch überall. Und äpfeln dürfen sie auch. "Auf Fußwegen muss der Halter die Hinterlassenschaften beseitigen", sagt Kurt Hartley. Aber schon auf der Straße ist die Reinigungspflicht nicht mehr durchsetzbar. Es gibt Urteile, nach denen Pferdekot auf der Straße hingenommen werden muss. Und im Wald darf ein Pferd ohnehin fallen lassen, was es will. Mit Verboten ist dem Kot nicht beizukommen. Trotzdem sind die Wege heute sauberer: ein Erfolg, findet Regina Deutschländer.

Das sieht auch Wolfgang Wank so. Der sitzt im Ortsbeirat für das Forum Schönwalde, und hat die Pferdeproblematik dort schon oft thematisiert. Wank erzählt aber auch von Bürgern, die weiterhin wegen der Pferdebremsen ihren Pool nicht mehr nutzen können. Er erzählt von nicht erfüllten Auflagen, klagt über unzumutbaren Gestank, der immer noch an manchen Sommertagen ins Wohngebiet weht, weil Koppeln nicht ausreichend abgeäpfelt werden, und er spricht von Pferden, die stehen, wo sie nicht stehen dürfen. "Ich habe nichts gegen Pferde", sagt er. Aber in Wohngebiete passe Pferdehaltung einfach nicht.

Es wird weitere Treffen geben in Schönwalde. Die Forst soll noch beteiligt werden, mit den Eigentümern der Pferdewiesen im Wohngebiet wurde auch schon gesprochen. "Wir kriegen das hin", sagt Regina Deutschländer.

Man ist schließlich auf dem Dorf. Und da werden Probleme immer irgendwie geregelt.

Von Oliver Fischer

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