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Havelland Der „Hidden Champion“ auf dem Industriegelände
Lokales Havelland Der „Hidden Champion“ auf dem Industriegelände
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16:41 19.07.2019
Das Gelände der Märkischen Faser hat auch einen Bahnanschluss. Quelle: Joachim Wilisch
Premnitz

Vor fast genau einem Jahr ging bei der Märkischen Faser in Premnitz eine neue Anlage in Betrieb, mit der Recycling-Fasern in höchster Qualität hergestellt werden. Alte Synthetik-Fasern werden zu neuen umproduziert. Die Altgegenstände werden zunächst geschreddert, bis Granulat entsteht. Aus dem Granulat entstehen in einem aufwändigen Verfahren neue Fasern, die allen Qualitätsprüfungen standhalten.

Die Märkische Faser GmbH spielt mit einer neuen Produktionslinie in der Liga der Faser-Champions. Fachkräftesicherung und Ausbildung sind hier wichtig. Überzeugt haben sich davon Bernd Recking und Christian Görke – es war ein Besuch mit Überraschungseffekten.

Das klingt faszinierend und wenn Eberhard Brack, der Geschäftsführer der Märkischen Faser, davon berichtet, dann kann er seine Begeisterung kaum zügeln. Begeisterung für das noch immer neue Produkt, Begeisterung für die Menschen und die Landschaft, Begeisterung für Brandenburg.

Besuch vom Minister

Solche Lobeshymnen aus dem Mund eines Schwaben – diese Herkunft kann Eberhard Brack nicht leugnen – adeln die Menschen in der Region um Rathenow. Christian Görke hört das gern. Er kommt aus Rathenow, war hier viele Jahre Lehrer, bevor er in den Landtag kam und schließlich in die Regierung aufrückte. Der Finanzminister war jetzt zu Besuch in Premnitz.

Der Begleiter

Begleitet wurde er von Bernd Recking. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit ist zuständig für die Arbeitsagenturen im Havelland und anderen Kreisen und er ist für die Jobcenter verantwortlich. Mit ihm steht Görke im regen Austausch.

Blick auf das Firmengelände. Quelle: Joachim Wilisch

Es geht um Kompetenz.Und um Fachkräftesicherung. Im internen Gespräch war das ein wichtiger Brennpunkt. Freie Lehrstellen waren in dem Gespräch ebenso Thema. Für Görke ist es logisch, dass Becking Unternehmen, wie die Märkische Faser kennenlernt. „Das sind unsere Hidden Champions“, sagt Görke.

Sorgen und Nöte

Damit meint er Unternehmen, die eher im Schatten stehen aber Großartiges leisten. Und das nicht nur, weil der Betrieb um die neue Produktionsstrecke im vergangenen Jahr erweitert wurde. „Wir wissen, dass die Geschäftsführer auch Sorgen und Nöte haben und wir wollen, dass sie diese offen aussprechen können“, so Christian Görke.

Der Wandel in Premnitz

Die Märkische Faser GmbH steht in Premnitz wie kaum ein anderes Unternehmen für die Geschichte des Standortes. Das Chemiefaserwerk wurde nach dem politischen Umbruch zur Märkischen Faser GmbH. Der Betrieb ist inzwischen ein Unternehmen von vielen auf dem Gelände des ehemaligen Chemiefaserwerkes. Aber die Produktpalette steht ganz in der Tradition des alten Werkes.

Beim Werksrundgang Quelle: Joachim Wilisch

Ein anderes Standbein im Unternehmen ist die Polyesterproduktion. Rund 50 000 Tonnen im Jahr. Verwendet werden die Fasern aus Premnitz für ganz unterschiedliche Produkte. Natürlich Bekleidung – aber auch in der Medizin, in der Autoindustrie, für Heimtextilien und Babywindeln. Die Rohstoffe erreichen die Märkische Faser über die Schiene. Das ist ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Premnitzer Industriegelände. „Es wäre schön, wenn mehr Firmen das Angebot annehmen, zumal die Osthavelländische Eisenbahn – ein Unternehmen des Landkreises – hier mit im Boot sitzen könnte.

Aus- und Fortbildung

Bernd Becking glaubt, dass Görke und er Eberhard Brack hilfreich zur Seite stehen können. „Hier wird sehr innovativ gearbeitet und hier entstehen Arbeitsplätze. Da könnte auch das Fachkräftesicherungsgesetz helfen.“ Görke, seines Zeichens auch stellvertretender Ministerpräsident, unterstützt das. „Auszubildende und Mitarbeiter können in diesem Unternehmen Faser bestens aus- und fortgebildet werden.“ Und zwar so, dass die Personen auch für die Arbeit in anderen Betrieben qualifiziert sind.

Viel Unterstützung

Das Gesamtpaket stimmt. Görke und Becking sehen den Fitnessraum, in dem Kurse für Mitarbeiter angeboten werden. Massagetermine kann man sich auch holen. Die Stadt Premnitz hat der Märkischen Faser GmbH ein Grundstück verkauft, auf dem Werkswohnungen errichtet werden sollen. Gutscheine für das Freibad, Zusatzurlaub für Mitarbeiter, die nie fehlen oder Hilfe beim Erwerb des Führerscheins. Das Werk unterstützt seine Mitarbeiter.

Das Granulat wird aus alten Fasern gewonnen. Quelle: Joachim Wilisch

In 30 Länder gehen die Produkte aus Premnitz. Die Märkische Faser GmbH ist wieder einer der großen Akteure am Premnitzer Industriestandort. Darüber freuen sich Görke und Becking und versprechen Eberhard Brack, man werde den Kontakt halten.

Blick auf Lösungen

Der Schwabe schwärmt noch einmal. „Das ist hervorragend, wie die Probleme und Themen, die uns beschäftigen, angepackt werden.“ Hier gehe die Politik nicht weltfremd mit Unternehmern um. „Das ist alles auf die Lösung orientiert und das ist gut.“

Von erheblicher Bedeutung

Von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Premnitz war die seit 1915 hier angesiedelte Chemieindustrie, die später in das Eigentum der I.G. Farben überging.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten dort 1200 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die in sieben großen und mehreren kleinen Lagern untergebracht waren, Zwangsarbeit verrichten: in der Rüstungs- und Kohleproduktion, im „Havellager“ der DAF und bei den I.G. Farben.

Deren Werk wurde 1949 in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt und 1960 in VEB ChemiefaserwerkFriedrich Engels“ umbenannt.

Im Jahr 1990 wurde das Chemiefaserwerk privatisiert und unter erheblichen Umstrukturierungen in die „Märkische Faser AG“ umgewandelt. Nach der Insolvenz wurde Anfang der 2000er Jahre die Märkische Faser GmbH gegründet.

Seit der Wende hat die Landesregierung viele Millionen Euro in Premnitz investiert.

Von Joachim Wilisch

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