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Havelland Der Stadt fehlt ein Radwegenetz
Lokales Havelland Der Stadt fehlt ein Radwegenetz
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16:38 10.04.2018
Falkensee Verkehrsentwicklungsplan Foto: Tanja M. Marotzke
Falkensee Verkehrsentwicklungsplan Foto: Tanja M. Marotzke Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Die Falkenseer Ortsgruppe des ADFC hat sich intensiv mit dem Verkehrsentwicklungsplan der Stadt auseinandergesetzt. MAZ sprach mit Johannes Walther, der die Meinung der Gruppe mit Ute Schult, Inge Walther, Thomas Kielczynski, Joseph Knarr und Uwe Kaufmann zusammenfasst.

Fadfahrer und Fußgänger teilen sich oft einen Weg. Quelle: Marlies Schnaibel

MAZ: Ist Falkensee eine fahrradfreundliche Stadt oder ein fahrradfreundlicher Flickenteppich?

Johannes Walther: Wohl eher ein Flickenteppich. Eine fahrradfreundliche Stadt sollte aber das Ziel sein.

Hätte Falkensee dazu das Potenzial?

Ja, denn ganz viele Menschen fahren in Falkensee mit dem Fahrrad. In allen Altersklassen, es sind Tausende. Am besten erkannt man das an den überlasteten Fahrradabstell-anlagen an den Bahnhöfen. Das ist ausbaufähig. Aber bisher fehlt in der Stadt ein zusammenhängendes Radwegenetz.

Der ADFC setzt sich seit Jahren vehement für die Verbesserung des Radverkehrs ein. Die Ortsgruppe hat den vorgelegten Entwurf für einen neuen Verkehrsentwicklungsplan analysiert. Stellt der Plan die richtigen Weichen?

Teils, teils. Einiges geht nach unserer Auffassung in die richtige Richtung. Aber wir kritisieren die starke Ausrichtung auf den Autoverkehr. Im vorgelegten Maßnahmenkonzept werden dem Kfz-Verkehr 28 Seiten eingeräumt, dem Radverkehr nur 17 und dem Fußverkehr drei Seiten. Der konkrete Handlungskatalog gewichtet ähnlich: 95 Punkte für Autoverkehr, 40 für ÖPNV, 30 für Radverkehr und 16 für Fußgänger. Eine Verkehrswende sieht anders aus.

Was geht denn nach Ihrer Sicht in die richtige Richtung und wo sind die Mängel?

Vielversprechend sind die übergreifenden Zielstellungen des Verkehrsentwicklungsplanes, so zur „Gewährleistung der Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen und alle Verkehrsarten“ durch ein „sicheres und attraktives Fuß- und Radwegenetz“. Auch ist eine Orientierung an den „Leitlinien des ADFC für sichere, zukunftsfähige Radverkehrsinfrastruktur“ erkennbar. Der Maßnahmenkatalog ist zum Teil sehr allgemein gehalten, so bei der Ausweisung von Anliegerstraßen als Fahrradstraßen. Daher empfiehlt der VEP ein gesondertes Radverkehrskonzept. Bei dessen Ausarbeitung bieten wir Unterstützung an. Viele Punkte des Planes 2017 waren schon im VEP 2002 enthalten, sind aber bis heute nur unzureichend oder gar nicht umgesetzt. Eine ausführliche Analyse des Umsetzungsstands des VEP 2002 wurde von der Falkenseer Ortsgruppe des ADFC vorgenommen und Anfang 2017 den Verkehrsplanern zur Verfügung gestellt. Leider hat diese Auswertung keine Berücksichtigung gefunden.

Auf welche Prioritäten setzt der ADFC?

Einem Radverkehrskonzept muss ein Masterplan zur Umsetzung folgen, ähnlich wie es ihn beim Anliegerstraßenbau gab. Wir fordern seit Langem die Einsetzung eines Fahrradbeauftragten, der dem Thema Gewicht gibt und dafür sorgt, dass daran kontinuierlich gearbeitet wird. Wie fordern mehr Abstellanlagen an Bahnhöfen, Schulen und Hauptstraßen. Wir fordern die Reparatur von Radwegen, denn auch die vorhandenen Anlagen müssen gepflegt werden.

Seit 2010 in Falkensee

Der ADFC, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, will mit Mitgliedern und Freunden den Radverkehr verbessern. Die Ortsgruppe Falkensee wurde 2010 gegründet.

Die Ortsgruppe trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Musiksaalgebäude, 1. Stock, Am Gutspark 5, 14612 Falkensee. Interessierte Nichtmitglieder sind auch eingeladen.

Gibt es auch ganz konkrete Ideen?

Auf vielen Anliegerstraßen lässt sich gut Radfahren, einige davon wollen wir als Fahrradstraßen ausweisen. Dann müsste allerdings klar sein, dass sie im Winter geräumt werden. Die Stadt sollte diese Straßen in andere Reinigungskategorien einteilen und die Räumung übernehmen. Wie auch der VEP fordern wir eine Überprüfung der Benutzungspflicht von innerorts gemeinsam geführten Geh- und Radwegen. Nicht nur mit Blick auf den steigenden Anteil von E-Bikes erhöht sich das Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern, daher sollte im Allgemeinen die Benutzungspflicht innerorts aufgehoben werden. Andererseits könnten aber fast alle Gehwege mit „Radverkehr frei“ markiert werden. Die Markierung von Fahrrad- und Schutzstreifen auf Straßen ist eine kostengünstige und schnell umsetzbare Maßnahme.

Was ist Ihnen noch wichtig?

Die Ost-West- und die Nord-Süd-Achsen müssen ausgebaut und an angrenzende Gemeinden angebunden werden. Konkret für die Strecke nach Süden und die Anbindung an Dallgow und die B5 bringen wir die Idee ein, die Hertzstraße zu einer Fahrradstraße zu ertüchtigen und über die Stadtgrenze hinaus über die Wiesen zu verlängern. Über einen Tunnel oder Brücke über die Bahn könnte die Anbindung an Dallgow erfolgen, die aus unserer Sicht wesentlich attraktiver wäre als ein Radweg an der Potsdamer Straße.

Das hört sich teuer an. Wer soll das bezahlen?

Eine Brücke über die Bahn ist nicht viel teurer als eine sonst benötigte Verbreiterung der Bahnbrücke an der Potsdamer Straße. Ein Tunnel wäre ideal, aber noch teurer. Da muss sicher auch Hilfe außerhalb der Gemeinden her. Da ist das Land gefordert. Es hat ja gerade die Radverkehrsstrategie 2030 beschlossen, die eine Verlagerung von Fahrten vom Auto auf das Rad sowie die Schaffung von Angeboten zur kombinierten Nutzung von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen möchte.

Sehen Sie auch gute Beispiele in Falkensee?

Ja, zum Beispiel den geplanten der Ausbau der Spandauer Straße vom Kreisverkehr bis zur Berliner Stadtgrenze. Hier sollen beidseitig breite Schutzstreifen für den Radverkehr angelegt werden, wie man es ansatzweise schon jetzt sehen kann. Das finden wir aus Radfahrersicht gelungen. Die Abstellanlagen am Falkenseer Bahnhof waren eine gute und dringend erforderliche Maßnahme, diese sollten ausgebaut und zukunftsfähig gemacht werden.

Was ist mit dem Radweg der Sympathie?

Der Radweg könnte ein gutes Beispiel sein. Allerdings hat dieser einen Haken, es ist ein gemeinsamer Fuß- und Radweg und da haben Fußgänger den Vorrang vor Radfahrern. Im engeren Sinne handelt es sich also nicht um einen „Radweg“, zügige Radfahrer kommen hier schnell in Konflikte. Und es fehlen noch Lückenschlüsse, wie „Zu den Luchgärten“.

Und wo lauern in Falkensee die Gefahren für Radfahrer?

Es gibt viele gefährliche Stellen. Die Rudolf-Breitscheid-Straße gehört dazu. Die Straße ist in schlechtem Zustand, auch für Autofahrer, aber auch für Radfahrer. Besonders kritisch ist es an der unübersichtlichen Kreuzung zur Karl-Marx-Straße in Finkenkrug. Oft sind die Radwege falsch gepflastert, haben so die Gefahr zur Spurrinnenbildung, oder es fehlen abgesenkte Bordsteine. Auch die Falkenhagener Straße kann als gefährlich eingestuft werden. Sie ist in schlechtem Zustand und durch das hohe Verkehrsaufkommen versuchen Autofahrer die Radfahrer ohne den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter zu überholen. Einige Radfahrer weichen daher auf den baufälligen Gehweg aus.

Zurzeit wird viel über Radverkehr in Falkensee diskutiert. Wird nur geredet oder wird auch etwas umgesetzt?

Reden ist erst einmal auch wichtig. Deshalb setzen wir uns für einen Runden Tisch Radverkehr ein, der Meinungen sammelt und der Verwaltung Impulse geben kann. Aber das sollte sich dann auch mal niederschlagen. Seit 2015 werden jedes Jahr 500 000 Euro in den Falkenseer Haushalt für Geh- und Radwege eingestellt, aber bei weitem nicht verbaut. Für den Haushalt 2018 haben sich dafür inzwischen über 1 Million Euro angesammelt. Unsere Anfrage an die Stadtverwaltung, wofür das Geld ausgegeben wurde und werden soll, ist bisher unbeantwortet geblieben.

Wie möchte sich die ADFC Ortsgruppe Falkensee einbringen?

Der ADFC hat sich frühzeitig als Gesprächspartner bereitgestellt. Wir haben mit den Fraktionen und der Stadtverwaltung gesprochen, schließlich gibt es auch da überall Fahrradfahrer. Unsere Ortsgruppe hat an den Begleitgruppentreffen und an der Aktion „Falkensee bewegt sich“ teilgenommen. Es wurde die Erwartungshaltung für ein Treffen „gezielte Bürgerbeteiligung zum Thema Radverkehr“ geweckt, aber so ein Treffen hat nie stattgefunden. Wir sind daher etwas frustriert, wie die Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan gelaufen ist. Auch unsere Stellungnahme zum VEP 2002 wurde bisher nicht berücksichtigt. Für die geplante Ausarbeitung des Radverkehrskonzepts zeigen wir uns gesprächsoffen und hoffen auf eine zügige Fertigstellung.

Sollte Falkensee schon jetzt in der AG „Fahrradfreundliche Kommune“ mitarbeiten, auch wenn sie das Lob noch nicht verdient hat?

Auf jeden Fall. Wir plädieren für die Mitgliedschaft in dieser Arbeitsgemeinschaft, in der bis auf Falkensee und Cottbus alle größeren Städte des Landes vertreten sind. Es geht ja in dieser AG in erster Linie darum, wie man zu eine „Fahrradfreundlichen Kommune“ wird. Sie bietet eine Plattform für Erfahrungsaustausch und überregionale Zusammenarbeit.

Von Marlies Schnaibel

20.12.2017
19.12.2017
19.12.2017