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Havelland „Man kennt das sonst nur aus dem Fernsehen“
Lokales Havelland „Man kennt das sonst nur aus dem Fernsehen“
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00:20 12.01.2018
Das Haus einen Tag nach dem Brand.
Das Haus einen Tag nach dem Brand. Quelle: Julian Stähle
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Falkensee

Am Morgen danach waren die Spuren des Großbrandes unübersehbar: Aus den Fenstern in der vierten Etage eines Falkenseer Plattebaus ragten schwarze Rußfahnen und hatten sich in die helle Fassade des Gebäudes gefressen. Aus dem Hausflur schlug einem beißender Gestank entgegen. Vor dem Haus in der Milanstraße standen viele Mieter und versuchten zu verstehen, was in der Nacht passiert war.

Falkensee, 8. Januar 2018 – Großeinsatz der Feuerwehr am Montagabend in Falkensee (Havelland): Im Kinderzimmer in einem Mehrfamilienhaus war ein Feuer ausgebrochen. Das gesamte Haus wurde evakuiert, einige Bewohner mussten über Drehleitern gerettet werden. Elf Menschen erlitten Rauchvergiftungen.

5-Jährige versuchte, eine Wunderkerze zu zünden

„Man kennt das sonst nur aus dem Fernsehen und jetzt waren wir betroffen“, sagt Frank Stewin. Er ist geschockt und doch wie alle anderen froh, dass niemandem ernsthaft etwas passiert ist. Am Montagabend gegen 21 Uhr war in einer Wohnung Feuer ausgebrochen. Möglich, dass die fünfjährige Tochter einer Mieterin das Unglück ausgelöst hatte, als sie versuchte, eine Wunderkerze zu zünden. Die Mutter und ihr Freund hatten das Feuer bemerkt, das Kind aus der Wohnung gebracht und alle Mieter aus dem Haus geklingelt. „Rettungswagen und Feuerwehr waren ganz schnell da“, sagte Jennifer Dorn, die unter der Brandwohnung lebt und in der Brandnacht auch erst einmal sich und ihre Kinder in Sicherheit gebracht hatte.

90 Kameraden im Einsatz

Die Feuerwehr Falkensee wurde bei dem Großbrand in Falkensee von Einsatzkräften aus Dallgow-Döberitz und Schönwalde unterstützt. Rund 90 Feuerwehrleute bekämpften den Brand schnell, suchten dann mit Wärmebildkameras nach Glutnestern. Durch Löschwasser wurden zwei unter dem Brandherd liegende Wohnungen etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Bei Freunden und Verwandten untergekommen

Alle Mieter des Hauses – mehr als 30 Personen – und die Katze aus der Brandwohnung konnten in der Nacht gerettet werden, viele konnten das Haus durch den Treppenflur verlassen. Als dieser voll giftigen Rauchs war, mussten einige Mieter der obersten Etage mit Atemschutzhaube oder über den Balkon gerettet werden. Die Mieterin der Brandwohnung und ihr Freund kamen ins Waldkrankenhaus Spandau, acht Bewohner wurden in die Nauener Klink gebracht, darunter eine syrische Familie. Sie mussten wegen Rauchvergiftungen behandelt werden. Alle Bewohner fanden bei Freunden und Verwandten in der Nähe Unterkunft, mussten die Notunterkunft der Stadt nicht in Anspruch nehmen.

Einige Bewohner mussten mit der Drehleiter gerettet werden. Quelle: Julian Stähle

Mieterin steht vor dem Nichts

Bereits in der Brandnacht waren Falkensees Bürgermeister Heiko Müller und Ralf Haase, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft Gegefa, vor Ort. „Es war ein Glück, dass der Brand vor 22 Uhr ausgebrochen ist“, sagte Heiko Müller, so war die hauptamtliche Wache noch besetzt und konnte sofort ausrücken, wenig später kamen dann die freiwilligen Kräfte dazu. „Alles verlief ruhig und gut organisiert“, lobte der Bürgermeister und dankte den Einsatzkräften, aber auch den Mietern für ihr ruhiges Verhalten. Ohne Panik hätten sie die schwierige Situation gemeistert. Auch am Tag danach steht man beieinander, hilft sich, reicht wärmenden Kaffee und Decken rum, tröstet. Die arbeitslose Mutter steht erst einmal vor dem Nichts, aus ihrer Wohnung wird sie kaum noch etwas benutzen können.

Bis zum Morgen hatte die Gegefa das Haus über eine Sicherheitsfirma absperren lassen, am Dienstagvormittag war die Kriminalpolizei vor Ort und hat in der Wohnung wegen der Brandursache ermittelt. Vier Wohnungen in den oberen beiden Etagen waren am Dienstag noch gesperrt, in der Brandwohnung selbst war der Strom abgestellt. „Wir beauftragen eine Spezialfirma, den verrußten Flur zu behandeln, damit die Mieter wieder zu ihren Wohnungen gelangen können“, sagte Ralf Haase.

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Von Marlies Schnaibel