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Havelland Der Wolf soll Teil des Jagdrechts werden
Lokales Havelland Der Wolf soll Teil des Jagdrechts werden
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20:08 03.09.2017
Mario Borchert bei der Begrüßung. Quelle: Norbert Stein
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Stölln

Auf einer Weide der Agrargenossenschaft (AG) Gülpe hat im Frühjahr ein Wolf mehrere Kälber gerissen. Der Wolf könnte als Einzeltier oder im Rudel jeden Tag wieder kommen, befürchtet Enrico Voigt, Geschäftsführer der AG. Er sieht die Landwirte mit dem „Problem Wolf“ von der Politik und dem Naturschutz im Stich gelassen. „Die Landwirte haben unter der derzeitigen Gesetzeslage keine Möglichkeit ihre Tiere sicher vor dem Raubtier zu schützen. Weidezäune mit Stacheldraht und elektrischen Litzen von 1,20 Meter Höhe um die Weiden zu setzen sind keine Lösung und außerdem zu teuer.“ Die AG Gülpe hat 47 Mitarbeiter. Voigt: „Sie wollen Geld verdienen und dafür habe ich Verantwortung – nicht als Wolfsschützer.“

Wolf war auch bei Stölln

Auch in der Landschaft um Stölln wurde der Wolf schon mehrmals gesehen. Deshalb fordert nunmehr ebenso Detlef Ebert, Geschäftsführer der AG Stölln ein wirksameres Wolfsmanagement. „Die Regelung muss so sein“, sagt Ebert, „dass im Gebiet von Weidehaltungen Wölfe erlegt werden können“.

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Blick auf einen Teil des Podiums. Quelle: Norbert Stein

Ihre Sorgen und Auffassungen schilderten die beiden Geschäftsführer den rund 80 Teilnehmern einer Podiumsdiskussion „Wolfsregulierung & Wolfsmanagement – Doppelstrategie für den ländlichen Raum?“ zu der Mario Borchert, unabhängiger Direktkandidat für die Bundestag im Wahlkreis 56 (Prignitz, Ost- Prignitz sowie die Ämter Friesack, Rhinow und Nennhausen im Havelland) am Samstag nach Stölln in das Lilienthal-Centrum eingeladen hatte.

Keine Wildnis

Mario Borchert ist in Damelack zuhause und in seiner Freizeit Jäger. „Deutschland ist keine Wildnis, sondern eine Kulturlandschaft in der Menschen fast alles gestalten“, sagt er. Die Akzeptanz des Wolfes werde nur gelingen, wenn die Betroffenen – Landnutzer, Forstwirte und Jäger – bei allen Entscheidungen im Umgang mit diesen Tieren eingebunden werden. „Der Wolf wird sich der Kulturlandschaft anpassen und sich vermehren“, sagt Borchert. Seine Forderung: die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht.

Konfliktarmes Miteinander

Gregor Beyer, Geschäftsführer Forum Natur Brandenburg, moderierte die Veranstaltung mit vier Podiumsgästen und einer zeitweilig emotional geführten Diskussion. Ein von mehreren Verbänden vor einigen Tagen unterschriebenes Sieben-Punkte-Papier für ein „konfliktarmes Miteinander“ mit den Wölfen halte er für eine gute Grundlage zur Lösung von Problemen, sagte Axel Kruschat, Vorsitzender des Bund Naturschutz Brandenburg. Frank Michelchen, Wolfsbeauftragter des Bauernbundes Brandenburg, ist anderer Meinung. „Das Papier wird keine Lösungen schaffen“, sagte er. Gestritten hat sich Kruschat mit Michelchen und dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark, Jens Schreinicke, über die Frage wann ein Wolf ein Problemwolf ist und erlegt werden darf.

Zu spät für den Bauern

Wenn ein Wolf über einen fachgerecht aufgestellten Weidezaum kommt und Kälber reißt, dürfe er auch heute schon erlegt werden, sagte Kruschat. Für die Landwirte zu spät. Kein Landwirt könne die Nacht auf der Weide bleiben um zu schauen ob der Wolf kommt, konterten Michelchen und Schreinicke. Und sollte es ein Rudel sein, könne niemand sagen welcher Wolf ein Kalb gerissen hat.

Alle Weiden einzusäumen sei zudem illusorisch und von den Landwirten auch nicht zu finanzieren. Ein Weidezaum für 200 Mutterkühe kostet immerhin 49 000 Euro kosten. Das Land steuert lediglich 12 000 Euro bei. Den Rest müssen die Landwirte aus eigener Tasche begleichen. Dazu seien die Landwirte nicht in der Lage und auch nicht bereit, weil sie nicht verantwortlich sind für den Wolf, machten die bäuerlichen Interessenvertreter Enrico Voigt und Detlef Ebert unmissverständlich klar.

Aucn nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung wurde noch rege debattiert. Quelle: Norbert Stein

Zudem sei nicht geklärt, wer den Wolf erlegen dürfte. Die Jäger seien verpflichtet, landwirtschaftliche Flächen vor Wildschäden zu schützen, sagte Frank Wilke, Vorsitzender des Jagdverbandes Nauen, in der Diskussion. Er, so Wilke weiter, würde aber jedem Jäger abraten, einen Problemwolf zu erlegen, weil dafür die gesetzlichen Grundlagen nicht gegeben sind. Martin Wandrey, Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 56, sagte in der Podiumsrunde, dass der Wolf eine sehr emotionale Angelegenheit sei. Wandrey sagte auch: „Wir Grünen sind der Freund des Wolfes“. Axel Graf Bülow, Landesvorsitzender der FDP, unterstützte die Forderung der Landwirte und Jäger den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen.

Von Norbert Stein