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Havelland Die Ernte fällt 2017 ziemlich schlecht aus
Lokales Havelland Die Ernte fällt 2017 ziemlich schlecht aus
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02:28 16.04.2018
Sonne hatten die Landwirte für die Ernte in diesem Jahr viel zu wenig. Stattdessen mussten dafür die wenigen Regenpausen genutzt werden. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Havelland

„2017 ist wieder einmal ein Jahr für starke Nerven.“ Das sagte jetzt Dirk Peters, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland, in einer ersten Einschätzung zur Ernte. Die fiel in vielen Regionen schlecht aus. Als Grund dafür nannte Peters wieder einmal das Wetter.

Noch im Herbst vorigen Jahres saßen die Landwirte buchstäblich auf dem Trockenen, da bekamen die jungen Saaten zu wenig Regen. Im Winter und Frühjahr war es nicht viel besser. „Und so konnten wir schon im Mai und Juni erkennen, dass die Ernte nicht überragend wird. Dann gab es noch die Spätfröste während der Obstblüte, und zu allem Überfluss setzten Ende Juni die Starkregenfälle ein. Allein vom 29. Juni, 9 Uhr, bis 30. Juni, 6.30 Uhr, kamen 103 Liter auf den Quadratmeter herunter. Drei Wochen später ging es weiter. Wie Peters sagt, fielen zwischen dem 24. und 26. Juli 83,9 Liter Regen. Und es ging damit weiter bis in den August. „Wir mussten in der Zeit drei bis viermal am Tag raus, um zu gucken, ob wir dreschen können.“ Für den Verbandschef ein Novum. Jeder Tag, an dem nicht Gerste, Raps oder Roggen gedroschen werden konnte, „verloren die Körner an Qualität oder fielen gleich aus“.

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„Anhand der Informationen meiner Kollegen kann ich sagen, dass die Ernte in diesem Jahr weit unter dem Durchschnitt liegen wird“, so Peters, der zudem ein Nord-Süd-Gefälle ausgemacht hat. So seien die Erträge südlich der B 5 und des Großen Havelländischen Hauptkanals noch zufriedenstellend. Hingegen seien nördlich des Kanals die Landwirte massiv betroffen. Nicht selten, dass jetzt immer noch Raps, Getreide oder Mais auf den Feldern steht.

Und auch auf die Gesetzmäßigkeit, das bei schlechter Ernte wenigstens die Verkaufspreise anziehen und die Verluste dadurch zu einem gewissen Teil ausgeglichen werden, konnten sich die Landwirte diesmal nicht verlassen. „Russland hat den gesamten Weltmarkt mit Getreide überschwemmt.“ Deshalb gingen die Preise nach unten. Darunter leiden auch die Havelländer Bauern, zumal die Qualität ihres Getreides nicht allzu gut ist. Weil die Wintervorräte nicht gerade üppig ausfallen, hat der Bauernverband seine Mitglieder aufgerufen, den Kollegen freie Futtermengen und Futterflächen anzubieten.

Auch bei der Milchproduktion ist die Situation nicht rosig. „Im Stadtgebiet von Nauen haben wir aufgrund der Milchkrise, die noch lange nicht überstanden ist, zwei Milchviehbetriebe, die die Milchproduktion einstellen müssen. Ich befürchte, dass es nicht die letzten waren“, sagte Dirk Peters, der sich dafür ausspricht, die Tierbestände im Havelland zu halten.

Laut Peters wird es auch in Zukunft nicht ohne Landwirte gehen, die Nahrungsmittel herstellen, Bioenergie erzeugen und gleichzeitig die Kulturlandschaft erhalten. Deshalb suche man Fachkräfte. Er wies zudem darauf hin, dass zwei Nauener Betriebe in deutschlandweit angesiedelten Projekten zu Biodiversität und Nachhaltigkeit eingebunden sind.

Von Andreas Kaatz