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Havelland Jung, kreativ, selbstbewusst und bunt
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06:41 16.09.2014
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Rathenow

Die Wörter Graffiti und Schmiererei haben für manch einen die gleiche Bedeutung. Für andere hat beides nichts miteinander zu tun. Graffiti ist Kunst, sagen sie. Und es ist eine Ausdrucksform, ein Art Sprache der Jugend. Stefan Behrend spricht diese Sprache. Seit 15 Jahren ist die Spraydose für ihn ein Hilfsmittel um sich auszudrücken. Der 28-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass er als 13-Jähriger illegal Fassaden beschmierte.
Damals habe es keine Möglichkeiten gegeben, legal zu sprühen. Zum anderen sei dies wohl auch aus jugendlicher Rebellion geschehen. Heute lässt sich der gelernte Bäckermeister zum Erzieher ausbilden und arbeitet in der „Halle“, dem Jugendtreff auf der Magazininsel. Das Sprayen gehört für ihn nach wie vor dazu.

 Es sind aber längst keine Kritzeleien mehr, sondern großflächige Bilder, besser: Kunstwerke, die Stefan Behrend überall dorthin sprüht, wo sie gewünscht sind. Zum Beispiel an die meterlangen Betonwände, die die Halle umgeben. Ende August hatte er mehr als 30 Graffitikünstler aus Rathenow, Stendal und Brandenburg/Havel beim „Taste of Hip Hop“- Festival zusammengetrommelt. Gemeinsam besprühten sie die Fassade, die nun von Weitem die Blicke anzieht. Das Videospiel „Grand Theft Auto“ diente als Inspiration. Es war der Auftakt des Projekts „Jugend hat viele Gesichter“, mit dem Stefan Behrend die Rathenower Graffiti-Szene enger zusammenbringen möchte. „Wir wollen junge Talente fördern und Kids zusammenbringen, die Interesse an Graffiti haben, um ihnen zu zeigen, das legales Sprayen nicht nur attraktiv ist, sondern auch künstlerisch viel wertvoller“, sagt Behrend.

Legal macht mehr her

Drei legale Graffiti-Wände gibt es bisher in Rathenow. Eine direkt entlang des Körgrabens, eine hinter der Fernwärme, Karl-Gehrmann-Straße und eine an der Halle im Inselweg.
Das Graffiti-Projekt „Jugend hat viele Gesichter“ will dem Rathenower Nachwuchs legales Sprayen schmackhaft machen.
Mitmachen können sowohl Profis als auch Anfänger. Zunächst sollen die Wände des Jugendtreffs „Die Halle“ als Arbeitsfläche dienen.
Wer von Profis lernen oder selbst den Nachwuchs mit Tipps unterstützen möchte, meldet sich direkt in der Halle am Inselweg oder über Facebook.com/MadhouseRathenow

Bisher machen acht Mitstreiter zwischen 17 und 28 Jahren mit. Das soll aber erst der Anfang sein. Ziel ist es, vor allem jüngere Sprayer zu erreichen. Deshalb sollen auch die Schulen einbezogen werden. Erste Kontakte zu Schulsozialarbeitern hat Stefan Behrend bereits aufgenommen. Allerdings stieß er dabei auch auf Skeptiker, die befürchten, dass ein solches Projekt das illegale Sprühen fördere. Genau das will er gerade nicht. Er möchte dem Nachwuchs die Vorteile legaler Graffiti aufzeigen. Dazu gehört nicht nur die viel höhere Qualität, sondern auch das Miteinander. Lernen von den Profis, denn davon gibt es einige in der Havelstadt. Das beweisen auch die Werke im Innenhof der Halle. Fotorealistische Motive und Comics, die manchen Graffiti-Gegner in blankes Staunen versetzen dürften.

Ein weiterer Pluspunkt des Projekts:

Die Mitstreiter bekommen Hilfsmittel gestellt und sie haben jede Menge Zeit. Die fehlt beim illegalen Sprühen, genau wie die Ruhe, die nötig ist um ein Werk mit Anspruch zu schaffen, sagt Stefan Behrend.
Drei legale Wände für Sprayer gibt es in Rathenow. Für eine Stadt dieser Größe ist das recht ordentlich, findet der 28-Jährige. Allerdings würde er sich wünschen, dass es auch im Stadtzentrum eine legale Fläche gibt, die gut sichtbar ist. Denn für die meisten Sprayer ist es wichtig gesehen zu werden.

Von Christin Schmidt

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