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Havelland Die Storchenflüsterer
Lokales Havelland Die Storchenflüsterer
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11:07 25.02.2015
Wenn die Störche aus ihren Winterquartieren zurückkehren, dann werden erst einmal die Nester ausgebessert. Quelle: MAZ
Havelland

„Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, sagt der Mann, der von sich einmal behauptet hat, dass er von den Großvögeln mit dem roten Schnabel besessen sei. Denn egal, ob es regnet oder schneit – wenn ein neuer Storchenhorst zu binden ist, kennt Dieter Stark kein schlechtes Wetter. Es muss gemacht werden, und es wird gemacht. Keiner hat so viele Erfahrungen auf dem Gebiet wie er. Und die wird er eine Zeit lang auch weiterhin mit einbringen, auch wenn er sich im Storchenruhestand befindet. Das nächste Mal ist er am Sonnabend in Friesack, wird dort in der Kleßener Straße ein neues Nest binden. Der alte Horst war bei einem Sturm im Januar samt Mast umgekippt.

Brütende Störche

Derzeit gibt es im Osthavelland 86Storchenhorste. Im vergangenen Jahr wurde in 27 davon erfolgreich gebrütet, 66 Jungvögel hat der Storchenbetreuer gezählt. Bis zu 95 Horste gleichzeitig gab es seit 1990.
Zwischen 1962 und 1990 betrug die höchste Zahl an Brutpaaren 15. Dies war im Jahre 1971. Zudem war 1981 das Jahr, in dem die meisten Jungvögel registriert wurden, nämlich 43.
Von 1991 bis 2014 wurden mit 32 die meisten Brutpaare im Jahre 2012 gezählt, und die höchste Zahl an Jungvögeln gab es im Jahre 2008. Da wurden 82 kleine Störche gezählt.
Seit 1990 hat Dieter Stark im Zusammenspiel mit Firmen, aber auch mit Feuerwehren dafür gesorgt, dass 34 Betonmasten aufgestellt und 83Nester geflochten wurden. Dabei arbeitete er unter anderem mit mehreren Unternehmen zusammen, insbesondere aber auch mit der Energiefirma Edis.

Claudia Jörg ist sehr froh, dass ihr Dieter Stark mit seinen Erfahrungen sowie mit seinen Beziehungen zu Unternehmen und Feuerwehren auch künftig hilfreich zur Seite steht. Die 60-Jährige ist die neue Storchenbeauftragte fürs Osthavelland, gemeinsam mit Carsten Horst (57). Die Falkenseer haben beide einen entsprechenden Vertrag mit dem Landesumweltamt geschlossen. Bei der jüngsten Nabu-Versammlung des Regionalverbandes Osthavelland übernahmen sie offiziell von Dieter Stark den Staffelstab, der in diesem Fall die Form eines Modellhorstes mit drei Störchen hatte.
Die studierte Biologin Jörg hat bisher bei einem Pharmaunternehmen gearbeitet. Im Zuge von Umstrukturierungen „befinde ich mich nun im Abfindungsmodus. Das ist mein Glück, dass ich dadurch Zeit habe“. Und die wollte die 60-Jährige, die 2010 nach Falkensee gezogen ist, unbedingt in den Naturschutz investieren. „Da bot es sich an, dass Dieter Stark sein Ehrenamt abgeben wollte“, sagt sie.
Schon im Juli vergangenen Jahres fuhr sie mit ihm die Horste im Osthavelland ab, stellte sich bei den Ortsbetreuern vor. „Es hat mich total gefreut, wie entgegenkommend die Leute sind“, meint sie. Wenn bei einem Besuch in den Dörfern die Rede auf die Störche kommt, dann findet sie viele offene Ohren bei den Bewohnern.

Dieter Stark kennt das. „Ich bin seit den 70er-Jahren mit den Störchen verheiratet“, sagt er schmunzelnd. Damals zog er mit dem heutigen Kranichbeauftragten Horst Schreiber durch die Lande, half ihm dabei, die Jungstörche in den Nestern zu beringen. „Es waren insgesamt etwa 450 Vögel“, meint er rückblickend. An so manches Erlebnis dabei kann er sich heute noch erinnern – etwa als er auf eine morsche Leiter stieg. Mehrere Sprossen zerbrachen in luftiger Höhe, aber er konnte sich gerade noch halten. Oder als Schreiber neben ihm durchs Scheunendach brach, sechs Meter tief fiel. Weil er angeseilt war, passierte nichts – außer dass die Armbanduhr weg war, die die Bäuerin ein Jahr später im Heu fand.

Als Kreisstorchenbetreuer kümmerte sich Dieter Stark dann um alle Nester im Osthavelland. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula fuhr er die Standorte ab, zählte die Jungstörche und sammelte die Ergebnisse von den Ortsbetreuern ein. Überhaupt ging ohne seine Uschi nichts. Sie pflegte die Kontakte und führte bisher immer akribisch die Statistik. Jeder flügge gewordene Jungstorch floss dort ein, aber auch jede nicht gelungene Brut. So freuten sich beide auch immer, wenn ein gutes Storchenjahr konstatiert werden konnte – so wie 2014. In 27 Nestern zogen die Altvögel 66Jungstörche heran.
In einem Brief an ihn bedauerte Bernd Ludwig, Landeskoordinator für den Weißstorchschutz, die Entscheidung von Dieter Stark, das Ehrenamt an den Nagel zu hängen. „Am gestiegenen Weißstorchbestand hast du durch die Aufstellung und Anfertigung vieler Nisthilfen großen Anteil“, lobte er. Denn wurden im Jahre 1990 noch 30 Horststandorte im Osthavelland gezählt, so waren es 2014 schon 86.

Diese werden nun Claudia Jörg und Carsten Horst genau im Auge haben. Die neue Storchenbeauftragte würde sich aber wünschen, dass sie bei ihrer Aufgabe auch Unterstützung von jemand erhält, der eine so genannte Drohne besitzt, mit der man von oben den Zustand der Nester filmen oder fotografieren kann. Bisher ist ein Hubwagen nötig, um zu prüfen, ob das Regenwasser gut ablaufen kann oder ob die Mulde im Nest noch ausreichend tief ist, so dass die Eier nicht herausrollen können.

Von Andreas Kaatz

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