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Havelland Die Tafel feiert runden Geburtstag
Lokales Havelland Die Tafel feiert runden Geburtstag
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15:41 18.04.2018
Die Vorstandsmitglieder Britta Brüggemann (li.) und Henriette Meier-Ewert im Rathenower Tafelladen am Körgraben 1h. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Als vor 25 Jahren in Deutschland die erste Tafel gegründet wurde, da fragten sich viele, warum niemand schon eher auf diese gute Idee gekommen war. Denn das Prinzip ist so einfach wie einleuchtend: Überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die vernichtet werden sollen, werden eingesammelt und an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte verteilt.

Dieses Prinzip hat Henriette Meier-Ewert von Anfang an beeindruckt. Als im Oktober 1998 ein Tafelladen in Rathenow gegründet wurde, war es nur folgerichtig, dass Meier-Ewert mit von der Partie war. Dass sie gleich den Vorsitz des Vereins übernahm, war nicht geplant. Aber so ist es gekommen. Gemeinsam mit Petra Dombrowski steht sie der Rathenower Tafel seit der Gründung vor. Das runde Jubiläum soll im Herbst übrigens mit einem kleinen Fest gefeiert werden.

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In zwei Jahrzehnten hat sich naturgemäß viel getan. Vor allem räumlich hat es immer wieder Veränderungen gegeben. Der erste Tafel-Laden wurde in der Forststraße eröffnet. Umzüge in die Bergstraße und den Heimstättenweg folgten. Seit fünf Jahren ist ein ehemaliges Ladenlokal am Körgraben Anlaufstelle für alle Rathenower Tafel-Kunden. „Die KWR überlässt uns die Räumlichkeit zu sehr günstigen Bedingungen“, sagt die Vorsitzende. Ohne diese Unterstützung und den jährliche Miet- und Betriebskostenzuschuss der Stadt könne der gemeinnützige Verein seine Arbeit nicht leisten.

250 bis 300 Haushalte nehmen die Möglichkeit wahr, sich im Rathenower Tafelladen mit günstigen Lebensmitteln zu versorgen. Ein aktueller Hartz-IV-Bescheid, der Nachweis der Grundsicherung sowie Renten- oder Wohngeld-Bescheide berechtigen, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Ganz umsonst gibt es die Waren indes nicht. Ein- und Zwei-Personen-Haushalte zahlen 2 Euro je Einkauf, für Familien werden 3 Euro fällig.

Das Angebot richtet sich nach dem, was in Läden, Supermärkten und Bäckereien abgegeben wird. „Das kann eine Palette Tiefkühlpizza sein, die aussortiert wurde, weil die Verpackung beschädigt wurde“, sagt Britta Brüggemann, die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins. Aber vor allem Obst und Gemüse, das meist aus ästhetischen Gründen abgegeben werde, gehören zum Standardrepertoire. „Wenn in einer Schale eine Tomate matschig ist, wird die ganze Schale aussortiert, auch wenn die restlichen Tomaten in einwandfreiem Zustand sind“, so Brüggemann.

Jeden Morgen macht sich einer der sechs ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter mit dem Kühltransporter auf den Weg, um die Läden, Märkte und Bäckereien abzuklappern, die die Tafel unterstützen. Die Ware wird dann im Laden einsortiert und an vier Tagen in der Woche ausgegeben.

Das Angebot ist, wenn man den Laden am Körgraben betritt, erstaunlich groß. Eine ganz Regalwand voller Obst und Gemüse gibt es, ein große Auswahl von Fertigprodukten, dazu Kuchen, Brot und Brötchen vom Vortag, die alles andere als einen schlechten Eindruck machen. Je nachdem gibt es auch Exotisches wie Krabbensalat,Papayas und andere Südfrüchte. „Wir nehmen alles, was genießbar ist, mit“, sagt Meier-Ewert. Abnehmer fänden sich immer.

Frisches Fleisch und Molkereiprodukte sind dagegen Mangelware. Was mit der Geschäftspolitik der Märkte und Hygienevorschriften zu tun hat. Außerdem hat die digitalisierte Lagertechnik dazu geführt, dass heutzutage nicht mehr so viel aussortiert wird wie in früheren Zeiten. Aber immer noch wird so viel Überschuss produziert, dass die Tafel nicht um ihre Existenz bangen muss. „Ich finde die Idee auch nach 20 Jahren noch toll“, sagt Meier-Ewert am Ende des Gesprächs. „Gute Lebensmittel zu retten und an Bedürftige verteilen. Und zwar schnell, direkt und unbürokratisch.“

Die Rathenower Tafel

Der Verein Rathenower Tafel wurde im Oktober 1998 gegründet. Der Hauptladen befindet sich am Körgraben 1h.

Einmal pro Woche bietet die Tafel Waren in Premnitz an. Und zwar mittwochs von 14 bis 16 Uhr in der Liebigstraße 29 (Rückseite des AWO-Gebäudes).

Außerdem macht die mobile Tafel nach telefonischer Vorbestellung montags Station in Nennhausen (vor der Apotheke) und mittwochs in Rhinow (Gänsemäsche), jeweils von 14 bis 16 Uhr.

Bestellungen bei Britta Brüggemann unter der 0174/1905157.

Von Markus Kniebeler