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Havelland Die ersten Großtrappen sind ausgewildert
Lokales Havelland Die ersten Großtrappen sind ausgewildert
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14:56 21.03.2018
Ganz vorsichtig werden die jungen Trappen in der neuen Umgebung ausgesetzt. Quelle: Förderverein Großtrappenschutz
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Buckow

Für 22 junge Trappen beginnt jetzt der Ernst des Lebens. Vor wenigen Tagen sind sie der freien Natur übergeben worden. Seit vielen Jahren ziehen Helfer des Fördervereins Großtrappenschutz auf dem Gelände der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow (bei Nennhausen) die Nachkommen der vom Aussterben bedrohten Großtrappe mit der Hand auf, damit sich ihr Bestand stabilisieren oder besser wachsen kann. Die Eier werden aus der Natur entnommen, um die Jungen unter möglichst sicheren Bedingungen aufziehen zu können, weil es so bestmögliche Überlebensbedingungen gibt. Sie werden in Wärmeschränken ausgebrütet und die kleinen Küken wachsen zunächst in geschützten Volieren auf. Nach acht bis zehn Wochen ist aber die Zeit gekommen, um sie der freien Natur zu übergeben – sie auszuwildern, wie Ornithologen sagen.

Wie Henrik Watzke, Geschäftsführer des Fördervereins Großtrappenschutz, erklärt, ist das Auswildern kein schnödes Aussetzen, sondern ein behutsamer Prozess. Die jungen Trappen wiegen dann zwei bis drei Kilo, reichen dem Menschen in etwa ans Knie und können schon fliegen. Hennen sind deutlich kleiner als Hähne. In der „Gefangenschaft“ bekommen sie zuletzt drei- bis viermal ihr Futter von Menschenhand hingestellt. Sind sie draußen, können noch zweimal am Tag mit Futterschalen rechnen. Schließlich sollen sie befähigt werden, ihre Nahrung bald komplett selbst zu finden.

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Weil die jungen Vögel die anderen Trappen und auch ihre Bezugspersonen von der Aufzucht her schon lange kennen, legt sich ihre erste Aufregung bald. Quelle: Förderverein Großtrappenschutz

Manuela Sternberg wirkt seit 1993 bei der Aufzucht von Trappen-Küken mit. Das ist ein zeitaufwendiger Prozess – immerhin wachsen die Tiere völlig ohne Muttertiere ihrer eigenen Art auf. Die Stimmenfühlung spielt dabei eine große Rolle. Bestimmte Laute stellen recht bald eine enge Beziehung zwischen den menschlichen „Trappenmüttern“ und „-vätern“ her und ihren Küken her. Es ist ein „Hm“ oder „Hm hm“, das sie oft von sich geben. Schon kurz vor dem Schlüpfen, berichtet Manuela Sternberg, reagieren die Trappen im Ei mit Bewegungen, wenn sie durch die Schale die Kontaktlaute von ihr hören.

Wenn die Trappen größer werden, machen ihre Betreuer mit ihnen immer länger werdende Spaziergänge, auf denen die Tiere lernen sollen, sich das Futter aus der freien Natur selbst zu nehmen. Sie lesen Schnecken, Insekten, Käfer und ähnliches vom Boden auf. Pflanzen wie Löwenzahn, Kletten, Schafgarbe, Luzerne oder Klee, die nehmen sie gern. Nur Gras, Körner und Samen wollen sie nicht. Erst neulich hat Manuela Sternberg mit ihrer Trappen-Kinderstube einen Spaziergang von zwei Kilometern Länge gemacht. Nun: Auf diese Art und Weise suchen und finden diese auch in der freien Natur ihr Futter.

Das Land Brandenburg ist in der ganzen Bundesrepublik die einzige Region, in der es noch Großtrappen gibt. In drei Gebieten, die in guter Trappen-Flugweite entfernt von einander liegen, sind sie zu finden: im Havelländischen Luch (bei Buckow), im Fiener Bruch und auf den Belziger Landschaftswiesen.

Großtrappen – nur noch im Land Brandenburg

Die Großtrappe ist vom Aussterben bedroht.

Die einzigen Tiere dieser Art, die es in der ganzen Bundesrepublik noch gibt, leben im Land Brandenburg.

Es gibt drei Regionen, in den Großtrappen sind.

Diese Einstandsgebiete sind das Havelländische Luch bei Buckow (nahe Nennhausen), das Fiener Bruch und die Belziger Landschaftswiesen.

Es gibt Trappen, die fliegend zwischen diesen Gebieten wechseln.

Ein neuer Höchststand ist gerade bei den Trappen festgestellt worden. Im Frühjahr wurden 238 Trappen gezählt.

75 Trappeneier wurden dieses Jahr in der freien Natur aufgenommen, um sie für die Handaufzucht auszubrüten.

Weil im Havelländischen Luch der Bestand ohne menschliches Zutun stabil ist, werden hier keine Trappen mehr ausgewildert. So sind die ersten 22 Trappen jetzt ins Fiener Bruch gebracht worden. Für die zweite Gruppe der später Geschlüpften wird in naher Zukunft das Auswildern in den Belziger Landschaftswiesen beginnen. Im Idealfall sind immer die Betreuer dort mit dabei, die bei Buckow auch für die Handaufzucht zuständig waren. Sie tragen alle die gleichen Kittel, verwenden die gleichen Futterschalen und nicht zu vergessen ist die Stimmenfühlung.

Stück für Stück verringern die Betreuer die Futtergaben und führen ihre Gruppen näher an die wild lebenden Trappen heran. Bis Ende Oktober sollen die Jungtiere sich komplett in die Wildbestände eingefügt haben. 54 Küken sind dieses Jahr aus den Eiern in Menschenkontrolle geschlüpft. Anfang November wird gezählt, für wie viele die Auswilderung gelungen ist.

Von Bernd Geske