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Havelland Drastische Maßnahme: Nauen stoppt Müllabfuhr
Lokales Havelland Drastische Maßnahme: Nauen stoppt Müllabfuhr
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19:13 19.01.2017
Mit Hausmüll gefüllte Papierkörbe sind nicht nur in Nauen ein großes Problem. Quelle: Peter Geisler
Nauen

Im April könnte die Stadt Nauen ein ungewohntes Bild abgeben: Überquellende Papierkörbe an jeder Ecke und anwachsende Müllablagerungen, vom dadurch entstehenden Geruch ganz zu schweigen.

Die kommunale Dienstleistungsgesellschaft (DLG) stellt die Entleerung kurzzeitig komplett ein. Gründe sind aber nicht etwa ein geplanter Streik der Mitarbeiter oder fehlendes Geld im Stadthaushalt, sondern dahinter steckt eine pure Absicht der Stadtverwaltung.

„Wir müssen feststellen, dass die Papierkörbe immer mehr für die unerlaubte Entsorgung von Hausmüll genutzt werden“, sagt Ordnungsamtsleiterin Ilona Pagel. Dadurch seien die Müllkosten zuletzt deutlich angestiegen. Hinzu kommt, dass die DLG jetzt auch mehr für die Entsorgung auf der Deponie zahlen muss. Die Kosten stiegen von 184 Euro pro Tonne auf 210 Euro.

„Wir wollen deshalb für einen begrenzten Zeitraum die Beseitigung des Mülls einstellen, um den Bürgern einen Spiegel vorzuhalten und zur Diskussion anzuregen“, sagt die Amtsleiterin. Da sie weiß, dass es eine drastische Maßnahme ist, möchte sie vorher die Zustimmung der Kommunalpolitiker einholen. Danach würde die Aktion öffentlichkeitswirksam vorbereitet.

Momentan ist Ilona Pagel nämlich etwas ratlos, wie man des Problems Herr werden kann. Nach bisherigen Beobachtungen der DLG-Mitarbeiter sind es vor allem Anwohner, die ihren Hausmüll dort entsorgen und offenbar Geld sparen wollen. Denn um die Müllentsorgung gerechter zu gestalten, richten immer mehr Vermieter so genannte Müllschleusen ein. Jede Öffnung kostet den Mieter Geld, das manche nicht zahlen wollen. Dadurch werde laut Ilona Pagel ein Anreiz geschaffen, den Müll anderweitig zu entsorgen – vor allem in der Kernstadt Nauen, weniger in den Ortsteilen. Und es ständen sogar Tüten neben den vollen Behältern.

Weiteres

Die Mitarbeiter der Dienstleistungsgesellschaft Nauen leeren im Auftrag der Kommune insgesamt 400 Mal pro Woche Papierkörbe, davon entfallen 330 Leerungen auf die Kernstadt Nauen.

Manche Papierkörbe werden dreimal geleert, andere aber auch nur ein- oder zweimal.

In die Körbe gehören nur Dinge wie Hundekot in einer Tüte, Pappbecher, Zigarettenschachtel oder Papiertaschentücher, keinesfalls aber Hausmüll.

„Die illegale Entsorgung hat tatsächlich stark zugenommen“, sagt DLG-Geschäftsführer Carsten Zieris, der von einer Erhöhung des Hausmüllaufkommens von mindestens einem Drittel in den vergangenen zwei bis drei Jahren spricht. „Manchmal hat ein Mitarbeiter den Papierkorb gerade erst geleert und wenn er kurz darauf erneut dort entlang kommt, ist schon wieder eine Tüte mit Hausmüll drin.“ Unter anderem sei dies dort festzustellen, wo nicht allzu viele Leute langgehen. Die Müllkosten seien zuletzt um mehrere tausend Euro angestiegen. „Wir haben einen Dienstleitungsvertrag mit der Stadt, der knallhart kalkuliert ist“, so Zieris. So benötigt die DLG immer mehr Geld.

Ilona Pagel beklagt, dass die betreffenden Anwohner die Entsorgung als Kavaliersdelikt ansehen. Zwar konnten schon Sünder ausfindig gemacht, aber bisher nicht mittels Ordnungswidrigkeitenverfahren belangt werden. „Wir brauchen Beweise.“ Denn es gibt zwar Anzeigen, aber bisher wollte sich niemand als Zeuge zur Verfügung stellen. Trotzdem habe man mit den Beschuldigten gesprochen, bei denen es sich oft um Leute im „fortgeschrittenen Alter“ handeln soll. „Darunter sind auch ordnungsliebende Bürger, denen man das eigentlich nicht zutraut“, sagt Ilona Pagel.

So wird jetzt darüber nachgedacht, dass die Mitarbeiter des Außendienstes bestimmte Standorte beobachten, um die Sünder auf frischer Tat zu stellen. Doch angesichts der Personalsituation im Ordnungsamt glaubt Ilona Pagel nicht daran, dass dies dauerhaft zum Erfolg führt und man das Müllproblem damit in den Griff bekommt. Eine andere Lösung könnte es sein, mit den Vermietern zu einer Änderung der Müllabrechnung zu kommen, so dass die Mieter von vornherein einen bestimmten Grundbetrag für die Entsorgung zahlen müssen und dadurch die Motivation entfällt, illegal zu entsorgen. „Dann müsste es nicht die Allgemeinheit zahlen“, so die Amtsleiterin.

Ob die Kommunalpolitiker dabei mitziehen und die Zustimmung dafür geben, die Müllentsorgung kurzzeitig auszusetzen, ist noch offen. So meinte Marc Elxnat (CDU): „Die Allgemeinheit zu bestrafen, finde ich nicht den besten Weg. Wir werden das in der Fraktion besprechen. Ich glaube aber nicht, dass es eine Mehrheit findet.“

Von Andreas Kaatz

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