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Havelland Durchbruch im Körgraben-Konflikt
Lokales Havelland Durchbruch im Körgraben-Konflikt
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17:56 19.04.2018
Hier mündet der verrohrte Körgraben in den Stadtkanal. Zuvor unterquert er die Fehrbelliner Straße und den Rewe-Parkplatz. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Die geplante Sanierung des Rathenower Körgrabens ist eine lange Geschichte, die mittlerweile die Gerichte beschäftigt. Gestritten wird über die Frage, wer für den Kanal, über den Regenwasser aus dem Zentrum in die Havel abgeleitet wird, zuständig ist. Und wer die Kosten für die Sanierung des letzten Grabenstücks – um dieses geht es bei dem Streit – bezahlt.

Der erste Teil der Frage ist jetzt beantwortet worden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass der Wasser- und Bodenverband Untere Havel-Brandenburger Havel für die Unterhaltung des Grabens zuständig ist. Allerdings ist damit der zweite Teil der Frage noch nicht geklärt. Über die Verteilung der Kosten für die Sanierung, die Gegenstand eines gesonderten Verfahrens sind, steht ein Urteil des Verwaltungsgerichts Potsdam noch aus.

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1,4 Millionen Euro soll die Sanierung des letzten Körgraben-Abschnitts kosten. Es handelt sich um einen unterirdischen Kanal, der die Fehrbelliner Straße und den Rewe-Parkplatz unterquert. Dass dieser Abschnitt des Kanals marode ist, daran gibt es keinen Zweifel. Und deshalb sind alle Betroffenen bereit, die Sache schon vor dem ausstehenden Urteil anzugehen.

Vier Parteien haben ein Interesse daran, dass der Kanal in Ordnung gebracht wird. Das ist erstens der Wasser- und Bodenverband, dessen Zuständigkeit ja durch das OVG-Urteil bestätigt wurde. Das ist zweitens die Stadt Rathenow, deren Regenwasser durch den Kanal abgeführt wird. Das ist drittens der Landesbetrieb Straßenwesen, dessen Straße (die B 102) von dem Kanal unterquert wird. Und das ist schließlich das Unternehmen Rewe, unter dessen Grundstück der Kanal verläuft. Für den Handelskonzern ist eine Klärung der Kanalfrage wichtig, weil er auf dem Parkplatz einen neuen Supermarkt errichten will. Ein Kanal darf nicht so einfach überbaut werden – und ein sanierungsbedürftiger erst recht nicht.

Weil die genannten Parteien also ein Interesse an der Lösung des Kanalproblems haben, sind sie sich einig geworden. Um die Zugänglichkeit künftig zu erleichtern, soll der Graben umgeleitet werden. Und zwar so, dass er das Grundstück nicht mehr diagonal unterquert. Stattdessen sollen die unterirdischen Rohre an der nördlichen Kante des Geländes – dort wo jetzt Garagen stehen – vorbeigeführt werden. Der Einlauf in den Stadtkanal könnte bleiben, wo er jetzt ist: in der nordwestlichen Ecke des Grundstücks. Der Vorteil dieses Lösung: Rewe könnte das Grundstück ohne Einschränkung bebauen. Die Rohre des neuen Grabenstücks würden zwar auch unterirdisch verlaufen. Aber eben am Markt vorbei. Die Fläche darüber soll frei bleiben, damit man an den Kanal leicht herankommt.

In einer Vereinbarung haben die vier genannten Parteien festgelegt, wie viel Geld sie zur Finanzierung des Vorhabens vorschießen wollen. Der größte Anteil kommt vom Landesbetrieb, der gut 650 000 Euro beisteuern will. Die Stadt beteiligt sich mit 340 000 Euro, Rewe gibt 300 000 Euro, weitere 100 000 Euro kommen vom Wasser- und Bodenverband. Sobald das Gericht geklärt hat, wie die Kosten zu verteilen sind, werden die Vorschüsse mit den tatsächlichen Forderungen verrechnet. „Das ist eine Lösung, mit der alle leben können“, sagt Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus. Wichtig sei, dass der Graben endlich saniert werde. Läuft alles nach Plan, könnte im Frühjahr 2018 mit der Neuverlegung des Körgrabenstücks begonnen werden.

Von Markus Kniebeler