Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland EEW baut zweite Verbrennung nicht für Berlin
Lokales Havelland EEW baut zweite Verbrennung nicht für Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:07 01.03.2018
Die Müllverbrennungsanlage der EEW Premnitz GmbH (links in Rot) soll erweitert werden. Das Unternehmen hat die Genehmigung dafür beantragt. Quelle: pam photography
Anzeige
Premnitz

Wenn es denn so weit sein sollte, wird das sicher eine der größten Investitionen im Westhavelland. Die EEW Energy from Waste Premnitz GmbH hat beim Landesamt für Umwelt beantragt, die Genehmigung für den Bau einer zweiten Verbrennungslinie am Müllheizkraftwerk im Industriepark Premnitz zu erteilen. Am 8.8. 2008 hatte die Anlage offiziell die Produktion aufgenommen, die Investitionssumme lag damals bei 71 Millionen Euro. Seitdem können dort pro Jahr bis zu 150 000 Tonnen Abfall verbrannt werden.

Schon 2008 hatte die Unternehmensführung mitgeteilt, dass auch die Genehmigung zum Bau einer zweiten Verbrennungslinie vorlag. Die Kapazität der Anlage hätte sich dadurch verdoppelt, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren damals nicht gut genug. Das ist jetzt anders, deshalb hat EEW die Erneuerung der Genehmigung beantragt.

Anzeige
Pressesprecher Ronald Philipp (links) und Klaus Piefke, Geschäftsführer der EEW Premnitz GmbH. Quelle: Bernd Geske

Aufmerksam beobachtet wird das Verfahren vom Bundesverband für Umweltberatung. Dessen Abfallpolitische Sprecherin Gudrun Pinn hat nun die Frage gestellt, welche Abfälle künftig in der neuen zweiten Linie verbrannt werden sollen. „Ein Bedarf an zusätzlicher Müllverbrennung aus der Region ist nicht gegeben“, teilt sie mit und äußert die Vermutung, dass Berlin die zweite Linie mit 150 000 Tonnen Kapazität kaufen oder nutzen wolle. In Berlin könne eine neue Müllverbrennungsanlage nicht ohne Weiteres gebaut werden, begründet sie. Im Jahr 2012 habe die Berliner Stadtreinigung (BSR) schon einmal Abfälle in Premnitz verbrennen lassen. Gudrun Pinn fragt in Richtung EEW: Gibt es bereits Gespräche mit der BSR bzw. vertragliche Vereinbarungen?

Rüdiger Bösing, Kaufmännischer Geschäftsführer von EEW Premnitz, antwortet darauf: „Hausmüll zur thermischen Verwertung aus Berlin spielt bei den Überlegungen zur Weiterentwicklung von EEW Premnitz ausdrücklich keine Rolle.“ Sämtliche Überlegungen für den Standort Premnitz würden sich an der gestiegenen Nachfrage im brandenburgischen Markt orientieren. Ein Grund für diese Nachfrage sei die Schließung von Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlagen. Deren Kapazitäten stünden nicht mehr zur Verfügung, deshalb müssten andere Verwertungswege erschlossen werden.

Von 150 000 auf 300 000 Tonnen im Jahr

Die Anlage der EEW Premnitz GmbH im Industriepark Premnitz hat eine Kapazität von 150 000 Tonnen im Jahr.

Durch eine zweite Verbrennungslinie, die 2017 beantragt worden ist, würde die Kapazität auf 300 000 Tonnen Abfall im Jahr wachsen.

Bereits 2008, als die Müllverbrennungsanlage in Betrieb ging, lag die Genehmigung für eine zwei Verbrennungslinie vor.

Weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gut genug waren, wurde die zweite Linie aber nicht gebaut.

71 Millionen Euro hat die Premnitzer Verbrennung gekostet. Die Kosten für die zweite Linie wurden damals mit 50 Millionen Euro beziffert.

EEW Premnitz betreibt außerdem eine Wirbelschichtverbrennung mit einer Kapazität von 120 000 Tonnen im Jahr.

EEW-Pressesprecher Ronald Philipp teilt dazu mit, dass seit April 2012 der im Landkreis Potsdam-Mittelmark gesammelte Hausmüll in Premnitz verbrannt wird. Im Juni 2017 sei die Ausschreibung erneut gewonnen worden. Der Vertrag laufe bis Mai 2023, es gebe eine Verlängerungsoption für zwei weitere Jahre. Seit Januar 2016 komme auch der Hausmüll aus dem Landkreis Havelland nach Premnitz, berichtet Ronald Philipp. Der Vertrag laufe bis Ende 2022, es gebe eine Verlängerungsoption von zweimal drei Jahren. Und ganz neu ist: Seit dem Jahresbeginn 2018 wird auch der Hausmüll aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin bei EEW in Premnitz verbrannt, der Vertrag läuft bis Ende 2027.

Müllmengen aus Berlin, die 2012 unter anderem in Premnitz verwertet worden seien, erklärt EEW-Geschäftsführer Rüdiger Bösing, seien einer Sondersituation in Berlin geschuldet gewesen. Damals sei die Berliner Anlage modernisiert worden, eine Zeit lang habe nicht ihre gesamte Kapazität zur Verfügung gestanden. Andere Anlagen hätten ausgeholfen. Jenseits dieser Ausnahmesituation von 2012 gebe es derzeit weder Überlegungen noch Gespräche mit der BSR, um Hausmüll aus Berlin zu übernehmen.

Von Bernd Geske