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Havelland Rufbus für Falkensee gefordert
Lokales Havelland Rufbus für Falkensee gefordert
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15:55 22.03.2018
Wann kommt der nächste Bus? Wolfgang Jähnichen hat Falkensees Nahverkehr genau im Blick. Quelle: Marlies Schnaibel
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Falkensee

„Ohne Auto geht hier gar nichts“, sagt die Frau aus Waldheim. Ihren Namen will sie nicht sagen, aber vom Öffentlichen Nahverkehr in diesem Stadtteil Falkensees hat sie keine gute Meinung. Andere sind nicht so zaghaft, wenn es um das Thema geht.

Klaus Oberländer zum Beispiel. Der 84-Jährige wohnt in Falkenhain, er hat kein Auto und ist auf die Busse angewiesen. „Die Busverbindungen sind schlecht“, beklagt er, einmal die Stunde fährt ein Bus. „Das ist zu wenig“, meint er, die Stadt solle Druck machen.

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Zu wenig – das bescheinigt auch Wolfgang Jähnichen dem Öffentliche Nahverkehr in Falkensee. Wobei er genau differenziert. Das Verkehrsangebot am Bahnhof Falkensee und Seegefeld ist gut. Völlig anders sieht es im Westen Falkensees aus. Er sieht ihn als Stiefkind der Verkehrspolitik.

Jähnichen kennt sich aus, wenn es um öffentlichen Nahverkehr geht. Bis zur Pensionierung war er Geschäftsführer des zweitgrößten deutschen Straßenbahnunternehmens und Gründungsgeschäftsführer eines, sich über drei Ländergrenzen erstreckenden Verkehrsverbundes. Heute wohnt der Leipziger in Falkensee und hat sich von der Lage auf Schiene und Straße ein genaues Bild gemacht. Zweimal pro Stunde hält am Haltepunkt Finkenkrug ein Regionalzug, an Sonn- und Feiertagen seltener. Im Stundentakt fahren montags bis freitags die Buslinien 654 und tangierend die Linie 653. In Waldheim sieht es ganz düster aus, hier fährt die Buslinie 656 zwei mal am Tag, einmal morgens und einmal am frühen Nachmittag, aber nur an Schultagen.

Jähnichen hat eine Reihe Vorschläge gemacht: Der RE 6 sollte nach dem Bahnhof Falkensee, auch in Finkenkrug halten. In Zeiten, da die Regionalbahn 10 nicht verkehrt, sollte zudem die RE 2 in Finkenkrug halten. Für Zeiten, da die Buslinie 654 nicht verkehrt, also abends und an Wochenende, schlägt er ein Rufbus-System vor. Dazu hat er vor Jahren ein Fachbuch geschrieben, hat Beispiele aus Delmenhorst, Hameln, Düren und anderswo untersucht. Der Rufbus wäre eine Art Großraum-Taxi, das nach einem Fahrplan die bekannten Haltestellen anfährt, wenn er gerufen wird, der Kunde zahlt mit seinem VBB-Ticket, eventuell mit einem Zusatzfahrschein.

Für seine Ideen findet Wolfgang Jähnichen eine Menge Zustimmung. Gerd Gunkel, Sprecher des Falkenseer Ortsverbandes von Bündnis90/Grüne, findet die Idee eines Rufbusses sehr gut und verweist auf die Wahlprogramme seiner Partei, in denen solche Forderungen auch aufgemacht werden. „Auch der Bürgerbus wie in Brieselang und Dallgow ist eine feine Sache“, sagt er, befürchtet aber, dass das mit dem Ehrenamt in der Stadt nicht funktioniert, weil es hier doch anonymer zugeht. „Wir sind für kreative Lösungen, damit die Kosten nicht gleich in große Höhen klettern“, sagt er.

Der Nahverkehr ist auch ein Thema, mit dem sich der Seniorenbeirat der Stadt oft befasst. „Die Anschlüsse zwischen Bahn und Bus und zwischen den Buslinien sind ein Problem“, sagt Margot Kleinert, die Vorsitzende des Seniorenbeirates. Auch der Zustand vieler Haltestellen ist verbesserungswürdig. Die Idee mit dem Rufbus wird vom Beirat sehr unterstützt. „Das wäre bei der Ausdehnung Falkensees und den großen zeitlichen Abständen zwischen den Bussen sehr zu begrüßen“, sagt sie, „zumal einige Linien in den Ferien gar nicht verkehren.“ Der vom ASB angebotene „Fahrservice für Mobilitätsbehinderte“ wird von älteren Falkenseern angenommen. Ein Rufbus könne aber noch mehr leisten.

Rufbus oder Bürgerbus – das sind interessante Ideen, sagt auch Falkensees Bürgermeister Heiko Müller. „Wir sind offen dafür und wünschen uns manche Taktverdichtung bei Bus und Bahn. Beim Busnetz ist im vergangenen Jahr einiges verbessert worden.“ In einer flächenmäßg zergliederten Kommune ist es nicht einfach, den Busverkehr effizient einzurichten, weiß er, „aber das Thema muss immer wieder diskutiert werden, um etwas zu bewirken.“ Beim Nahverkehr sind Havelbus, also der Landkreis, und die Bahn gefragt.

Die Bahn sieht mit Blick auf Falkensee jedoch keinen akuten Nachbesserungsbedarf. „Finkenkrug wird im dichten Halbstundentakt bedient, das ist mehr als in vielen anderen Regionen Brandenburgs“, sagte Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Die Reginalexpresslinien halten am „Hauptbahnhof“ Falkensee und sollen dann schnell die weiter entfernten Ziele wie Neuruppin und Wittenberge erreichen. Falkensee sei also gut bedient.

Von Marlies Schnaibel

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