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Havelland Ein ganzes Leben für die Landwirtschaft
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19:00 18.09.2018
Günter Karle auf einer Bank in seinem Garten in Friesack. Quelle: Ralf Stork
Friesack

Die Eltern von Günter Karle waren schon Landwirte in Friesack, die Großeltern ebenso. Seine beiden Söhne sind Bauern geworden und von den Enkeln studiert auch schon wieder einer Landwirtschaft in Berlin. Er selbst hat fast 50 Jahre auf dem Feld und später auch am Schreibtisch geackert – zunächst auf dem elterlichen Hof, dann auf der neu gegründeten LPG Rotes Banner Friesack, der LPG Pflanzenproduktion und der Agrargenossenschaft Friesack. Mehr Landwirt geht eigentlich gar nicht.

Damals wurde noch Hanf angepflanzt

„Ich habe 1953 auf dem Hof meiner Eltern angefangen, da war ich 15 und gerade mit der achten Klasse fertig“, erinnert sich Karle beim Gespräch bei sich zu Hause. Damals standen auch noch Hanfpflanzen auf den Feldern – für die Seilproduktion. „Hätten wir Hasch angebaut, hätten wir natürlich viel mehr verdienen können“, sagt Karle und lacht. Die paar Kühe wurden mit der Hand gemolken, die Karoffeln mit der Hand geerntet und Traktoren und andere große Maschinen gab es auch so gut wie keine.

Falls jemand einen Traktor hatte, war der spätestens 45 weg. Pferde waren das gängige Transportmittel. Sie wurden vor den Wagen gespannt und auch vor den Pflug. „Das blieb im Grunde bis Ende der 50er Jahre so“, sagt Karle. Es gab zwar schon Maschinen Ausleih Stationen (MAS), aber die waren vor allem für die kleineren Neusiedlerhöfe.

Pferde waren das gängige Transportmittel

1959 wurde dann der Druck für die Bauern, sich zu Produktionsgenossenschaften zusammenzuschließen, immer größer. Da konnte es schon mal passieren, dass ein Lautsprecherwagen durch die Straßen fuhr und einen bestimmten Landwirt dazu aufforderte, doch bitteschön ein guter Sozialist zu sein und sich endlich der LPG anzuschließen.

Irgendwann war dann der Großteil der Bauern weichgekocht. Der Rest, der partout nicht in die LPG wollte, „kaufte sich eine Fahrkarte“ und haute nach Berlin ab. Karle blieb, arbeitete zunächst als Traktorist und begann im Winter 1962 ein Fernstudium an der Landwirtschaftsschule in Oranienburg und absolvierte von 1965 bis 1969 ein Fernstudium an der Berliner Humboldt Uni. Danach war er Diplomlandwirt und wurde 1970 zum Vorsitzenden des Vorstands der LPG.

Irgendwann waren alle Bauern weichgekocht

Nachdem die LPG 1975 in eine Tierproduktion und Pflanzenproduktion geteilt worden war, leitete er bis zur Wende die LPG Pflanzenproduktion Freisack. „Das war ein richtiger Konzern, mit heutigen landwirtschaftlichen Betrieben überhaupt nicht zu vergleichen“, sagt Karle. Rund 250 Leute arbeiteten in der LPG. Neben den eigentlichen Landwirten gehörten auch eine große Baubrigade, ein Fuhrunternehmen, ein Wohnungsunternehmen, eine Gaststätte und eine Bäckerei dazu. „Damit waren wir einer der ganz großen Arbeitgeber in der Region“, sagt Karle.

Endlich eigene Entscheidungen

Der nächste große Bruch kam mit der Wende 1989, in der die LPG aufgelöst wurde. „Zum Glück ist es uns gelungen, dass die LPG nicht in ihre vielen Einzelbetriebe zerbrach, sondern in mehrere Agrargenossenschaften als Folgebetriebe überführt wurde“, sagt Karle. Alles andere wäre zumindest schwierig geworden. Die modernen Melkstände zum Beispiel waren zentralisiert und für viel mehr Kühe ausgelegt, als ein einzelner Bauer hatte.

Auch in der neuen Betriebsform wurde Karle zum geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt. Er leitete die AG bis 2001. „Die beste Veränderung durch die Wende war, dass wir nun endlich direkt vor Ort unsere eigenen Entscheidungen treffen konnten und nicht mehr irgendein Plansoll erfüllen mussten“, sagt Karle. Nebenher hat sich der Landwirt viele Jahre auch in der Lokalpolitik engagiert. Von 1964 bis 1989 saß er für die Bauern in der Stadtverordnetenversammlung. Und nach der Wende noch einmal 15 Jahre, 12 davon als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung.

Die Agrargenossenschaft besucht er nicht mehr so oft. Und einmischen in die Geschäfte dort will er sich schon gar nicht. Er weiß den Betrieb ohnehin in guten Händen. Nach seinem Ausstieg wurde sein Sohn Volker Karle zum geschäftsführenden Vorstand gewählt.

Günter Karle hat jetzt seinen 80. Geburtstag in Friesack gefeiert.

Von Ralf Stork

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