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Havelland Eine Stadt feiert die Schweden-Befreiung
Lokales Havelland Eine Stadt feiert die Schweden-Befreiung
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15:20 02.03.2018
Da sah es gar nicht gut aus: Angriff der Schweden.
Da sah es gar nicht gut aus: Angriff der Schweden. Quelle: Uwe Hoffmann
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Rathenow

In Gedenken an die siegreiche Befreiung Rathenows von der schwedischen Besetzung im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg (1674 bis 1679) im Frühjahr 1675 und an die anschließende Schlacht bei Fehrbellin setzten die Bürger der Stadt 1736 bis 1738 dem „Großen Kurfürsten“, Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688), das größte barocke Sandsteindenkmal Norddeutschland des Bildhauers Johann Georg Glume.

Der Weinberg verwandelte sich am Wochenende in eine Open-Air-Bühne: Darsteller in prächtigen Kostümen spielten die Befreiung Rathenows nach.

Nach Absage wegen des Elbehochwassers des für 2013 erstmals geplantem Fest organisierte der Förderverein Heimatmuseum der Stadt Rathenow e.V. mit Partnern im Jahr 2014 erstmals den Rathenower Schwedentag – zunächst nur am Samstag.

Am vergangenen Wochenende war es nun wieder soweit. Nach ihrer ersten Teilnahme im letzten Jahr übernahm die Rathenower Schützengilde von 1830 e.V. in diesem Jahr die Trägerschaft für die Organisation der Schwedentage. „Wir haben dazu extra die neue Sektion ‚Schwedentage’, mit Sektionschef Michael Renz als historische Abteilung gegründet“, sagt Vereinsvorsitzender Heinz-Günter Menzel.

„Zur Finanzierung des Festes haben wir 500 und eine Nachauflage von 300 ‚Schwedentalern’ prägen lassen. Im nächsten Jahr gibt es einen neuen Schwedentaler, in etwas verändertem Aussehen.“ Renz, vom Brandenburger Reservistenverband der Bundeswehr, übernahm bisher schon als Feldmarschall Georg von Derfflinger das Oberkommando der Kurbrandenurgischen Truppen.

Am Samstag wurden die 4. Rathenower Schwedentage um 11.30 Uhr mit drei Kanonenschüssen eröffnet. An diesem Tag und am Sonntag hallten vom Kirchberg erneut Kanonendonner und Musketenschüsse wider und Pulverdampf hüllte dazu zeitweise die Besucher ein.

Hunderte Rathenower und Gäste kamen, um sich die Eroberung der Stadt durch die Schweden um 14 Uhr und die Befreiung der Stadt um 16 Uhr mit insgesamt rund 60 Aktiven anzuschauen. Die Schweden mit „Soldaten“ des „Gustav II Adolfs Fußfähnlein“ aus Göteborg, der Privilegierten Schützengilde 1560 zu Wittstock und der der Schützengilde zu Friesack 1830 griffen mit mehreren Kanonenschüssen vom Alten Hafen aus über die Kirchbergbrücke an und nahmen die Stadt im Handstreich ein.

Nach der Besetzung mordeten und plünderten sie. So auch die vielen Marktstände mit ihrem zur damaligen Zeit passenden Angebot, wie dem Schmied, Robert Seiler aus Brandenburg/Havel.

Der Buchdrucker Oliver Helle aus Rhinow beteiligte sich das erste Mal. In die Druckstöcke aus Lindenholz schnitzte er Bilder, die mit Ölfarbe dann viele Male auf geschöpftem Büttenpapier gedruckt werden können. Die Drucke koloriert er dann nach. Ihnen konnte man über die Schulter schauen. Am Stand des Kerzenmachers konnten die Gäste ihre eigene Kerze aus Bienenwachs ziehen oder aus den Wabenplatten rollen.

Auch vier Mitglieder der vor zehn Jahren gegründeten Kurbrandenburgischen Artillerie Cottbus nahmen den 4. Schwedentage erstmals teil. Im Zelt des „Feldschers“, des Militärfeldmediziners, behandelten sie die Verletzten mit den, teils rabiaten Methoden und entsprechenden Werkzeugen ihrer Zeit, wie Amputationen.

An der Schlacht zur Rückeroberung Rathenows um 16 Uhr unterhalb der Kirche beteiligten sich auch die Mitglieder der Schützengilden zu Nauen 1704, Fehrbellin und Linum. Der Markt lockte von 11 bis 20, und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Gäste an. Das Duo „Thalamus“ aus Niederfinow mit einer Stelzenläuferin, das Westhavelländer Duo „AleWood“ und „KaMelle“ aus Premnitz unterhielten die Gäste musikalisch.

An den Schwedentagen im letzten Jahr nahmen erstmals vier Schweden aus Göteburg teil. In diesem Jahr kamen sie zu acht. „Wir kommen im nächsten Jahr wieder“, so ihr Vorsitzender, Henrik Petterson Falk. Am Sonntag hatten die Darsteller und Zuschauer mit dem Wetter Pech. Etwa eine halbe lang vor dem Angriff der Schweden regnete es. Gekämpft wurde trotzdem.

Von Uwe Hoffmann