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Havelland Eisenbahnverein im Ungewissen
Lokales Havelland Eisenbahnverein im Ungewissen
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16:16 18.04.2018
In der alten Farbgebungshalle können Andreas Keifler und die anderen Vereinsmitglieder an den Loks schrauben. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Ketzin/Havel

Auch in diesem Jahr gibt es kein großes Eisenbahnfest in Ketzin/Havel. Soweit die schlechte Nachricht für Bahnfreunde. Die gute: Der Verein „Arbeitsgemeinschaft Osthavelländische Kreisbahnen“ (OHKB) veranstaltet am 19. August, parallel zum Fischerfest, einen Tag der offenen Tür – quasi eine Schmalspur-Feier. Von 10 bis 18 Uhr ist das Areal des Vereins inklusive der Technik und Fahrzeuge wie der Schnelltriebzug VT 18.16 mit 1800 PS oder die grüne Rangierlok N4 b, Baujahr 1957, zu besichtigen, sagt Andreas Keifler. Der Vorsitzende des Vereins OHKB hätte sich schon gewünscht, wieder eine Dampflok nach Ketzin zu bekommen und damit Führerstandsfahrten bis Vorketzin anbieten zu können, denn es steht ein Jubiläum an: Am 17. August 1892, also vor 125 Jahren, wurde die Aktiengesellschaft Osthavelländische Kreisbahnen gegründet. Doch es fehlt Geld und Zeit zur Vorbereitung.

Zudem ist der knapp 20 Mitglieder zählende Verein derzeit verunsichert darüber, wie es mit dem Bahngelände in Ketzin weitergeht. Das Bahnhofsgebäude ist ja schon lange in Privatbesitz, nun hat die Deutsche Bahn auch das Gelände des alten Bahnbetriebswerkes verkauft. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, deshalb können wir noch nicht sagen an wen“, antwortete Bahnsprecher Gisbert Gahler auf eine MAZ-Anfrage.

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Für Andreas Keifler und seine Mitstreiter heißt es nun warten und hoffen: „Die Gleisanlagen, die wir von der Osthavelländischen Eisenbahn gepachtet haben, sind vom Verkauf nicht betroffen, so dass wir nicht vertrieben werden können. Auch kann der neue Eigentümer nicht ohne unsere Zustimmung das Bahngelände umnutzen. Trotzdem bleibt eine Ungewissheit.“

Die Idee des Berliner Eisenbahnliebhabers Holger Kodim und dessen Mitstreiter, eine Nostalgieeisenbahnstiftung zu gründen, die Geld sammelt, um alte Bahnstrecken wieder zu beleben“, findet Keifler wunderbar. Zumal eine der wichtigsten Strecken die von Wustermark nach Ketzin sein soll. Nur: „Mir fehlt der Glaube, dass das gelingt.“

Der Verein „Arbeitsgemeinschaft Osthavelländische Kreisbahnen“ gründete sich im Juli 2007 als „Förderverein Bahnhof Ketzin“, damals mit der Absicht, das Bahnhofsgebäude zu sanieren und in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im September 2010 änderten sich die Ziele. „Mit der Übernahme eines knapp drei Kilometer langen Streckenstücks bis Vorketzin samt des Bahnhofsgeländes, mit Ausnahme des in Privatbesitz befindlichen Bahnhofsgebäudes und deren Nebengelasse, hatte man sich die Wiederinbetriebnahme und Sicherung der Gleisanlagen sowie der Gebäude des früheren Bahnbetriebswerkes Ketzin vorgenommen“, so Keifler.

2012 begann der Verein, das zugewachsene Areal von Sträuchern, Bäumchen und Unkraut frei zu machen. In der alten Farbgebungshalle sind inzwischen sämtliche alte Ab- und Umluftrohre entfernt worden, die Grube ist trockengelegt. Die Vereinmitglieder können an den Loks und anderen Fahrzeugen schrauben. Die benachbarte Werkhalle, bei der Einsturzgefahr besteht, wieder herzurichten, bleibt ein Wunsch. „Das können wir nicht finanzieren“, schätzt Keifler ein. „Wir brauchen trotzdem neue Mitglieder. Wer uns helfen will, muss kein Eisenbahner sein.“

Von Jens Wegener

14.08.2017