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Havelland Er macht’s noch mal: Seeger tritt wieder an
Lokales Havelland Er macht’s noch mal: Seeger tritt wieder an
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15:54 31.03.2017
Hier will er drinbleiben: Bürgermeister Ronald Seeger strebt eine dritte Amtszeit als Rathenower Verwaltungschef an.
Hier will er drinbleiben: Bürgermeister Ronald Seeger strebt eine dritte Amtszeit als Rathenower Verwaltungschef an. Quelle: Foto: Markus Kniebeler
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Rathenow

Der Rathenower Bürgermeister Ronald Seeger wird im kommenden Jahr zur Wiederwahl antreten. „Ich habe mich entschlossen, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren“, sagte der 60-Jährige am Freitagnachmittag bei einem eigens zu diesem Zweck anberaumten Pressetermin. „Ich möchte die erfolgreiche Arbeit für die Stadt Rathenow fortführen.“ Er habe die Kraft und die Lust, eine weitere Amtsperiode in Angriff zu nehmen. Ob er diese zu Ende führen werde, das wisse er heute nicht, weil das von unvorhersehbaren Dingen wie der Gesundheit abhänge.

Seeger wies darauf hin, dass am Ende seine Partei, die CDU, darüber entscheide, wen sie ins Bürgermeisterrennen schicke. Aber er gehe davon aus, dass diese eine Nominierung befürworte. Das sieht auch Rathenows CDU-Chef Andreas Gensicke so. „Ronald Seeger ist unser Bürgermeister in Rathenow, und er ist ein sehr erfolgreicher Bürgermeister“, sagte er auf MAZ-Anfrage. Natürlich entscheide die Mitgliederversammlung darüber, wer für die CDU zur Bürgermeisterwahl nominiert werde. Aber er, Gensicke, bezweifle nicht, dass die Wahl auf Ronald Seeger fallen werde. „Wir wären ja dumm, wenn wir auf einen so starken Kandidaten verzichten würden“, sagte Gensicke. „Machen wir uns nichts vor“, fügte der CDU-Chef hinzu. „Solange Ronald Seeger antritt, wird er es auch.“

Dieses Selbstbewusstsein der Rathenower CDU wird gespeist von der enormen Popularität, die Ronald Seeger in der Bevölkerung genießt, und die selbst von seinen schärfsten Kritikern nicht angezweifelt wird. Bei der letzten Wahl im Jahr 2010 hatte Seeger seinem einzigen Konkurrenten eine vernichtende Niederlage zugefügt. Und das, obwohl dieser weder unbekannt noch unbeliebt war. Aber Hans-Jürgen Lemle, der Seeger herausgefordert hatte – unterstützt von allen Fraktionen der Stadt außer der CDU – machte die schmerzliche Erfahrung, dass gegen die Popularität Ronald Seegers kein Kraut gewachsen war.

Zur Person: Ronald Seeger

Ronald Seeger wurde am 23. Dezember 1956 in Göttlin geboren.

Er hat einen Meisterabschluss als Baufacharbeiter und absolvierte zur Zeit der Wende eine Anpassungsfortbildung für den höheren Dienst.

Von 1990 bis 2002 war Seeger Erster Beigeordneter in Rathenow sowie stellvertretender Bürgermeister.

2002 setzte er sich in einer Bürgermeister-Stichwahl knapp gegen Amtsinhaber Hans-Jürgen Lünser durch.

2008 entscheid er die Wahl gegen seinen Herausforderer Hans-Jürgen Lemle mit 73,52 Prozent der Stimmen deutlich für sich.

Mitglied der Ost-CDU wurde Seeger im Jahr 1979. Seit 2002 ist er Landesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU. 2007 wurde er stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes des Landkreises Havelland und Mitglied des Landesvorstandes der CDU Brandenburg.

Ronald Seeger ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Er lebt im Rathenower Zentrum.

Dass der Amtsinhaber ein schwer zu schlagender Gegner ist, gibt auch Rathenows SPD-Chef Hartmut Rubach unumwunden zu. Er kann sich nur zu gut erinnern an die letzte Wahl, als der auch von der SPD unterstützte Kandidat Lemle baden ging. „Ronald Seeger hat einen guten Leumund in der Stadt“, sagt er. Die Tatsache, dass er zur Wiederwahl antrete, mache die Sache für die Rathenower Sozialdemokraten nicht einfacher. „Wir wissen noch nicht, ob wir einen Gegenkandidaten aufstellen“, sagte Rubach. Die Partei sei noch in der Findungsphase. Doch schon bald werde man entscheiden, ob man Ronald Seeger einen sozialdemokratischen Herausforderer entgegenstelle.

Die Rathenower Linken sind da ein gutes Stück kampfeslustiger. „Wir werden einen Herausforderer benennen“, sagt Fraktionschef Daniel Golze. Zwar sei die Entscheidung, wer das sein wird, noch nicht gefallen. Aber das ändere nichts an der grundsätzlichen Bereitschaft, mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen zu gehen. „Da, wo Linke draufsteht, soll die Linke auch drin sein“, so Golze. Noch in diesem Frühjahr werde man eine Entscheidung treffen. Gerüchte, er selber werde Seeger herausfordern, wollte Golze nicht kommentieren.

Golze nutzte die Frage nach der Bürgermeisterwahl zu einer Generalabrechnung mit dem Amtsinhaber. Ronald Seeger sei ohne Zweifel beliebt bei den Rathenower Bürgern, sagte er. Und das sei auch kein Wunder, bei den unzähligen Wohlfühl-Terminen, die Seeger absolviere. „Wer zu jedem Geburtstag rennt, ist natürlich beliebt“, sagte Golze. Aber aus Sicht der Linken reiche das nicht, um eine Stadt zu führen.

Die Verwaltungsarbeit in Rathenow zeichne sich durch eine eklatante Führungs- und Orientierungslosigkeit aus. „Ronald Seeger hat keine Idee davon, wie sich die Stadt entwickeln soll“, kritisierte der Chef der Linkenfraktion. Die Rathenower Linke dagegen habe eine genaue Vorstellung von der Zukunft der Stadt. Und um diese Vorstellung zu verwirklichen, werde man einen eigenen Kandidaten ins Rennen um das Bürgermeisteramt schicken.

Seeger ficht das nicht an. „Ich bin bereit und hochmotiviert, die Stadt vorwärts zu führen“, sagt er. Und gibt zu, dass der Bürgerentscheid zur Rathausfrage seine Entscheidung positiv beeinflusst habe. „Das Votum der Bürger hat mir unheimlich den Rücken gestärkt“, sagt er. „Vielleicht hätte ich mich anders entschieden, wenn der Entscheid anders ausgegangen wäre.“

Auf die Frage, ob er der Rathenower CDU, die seine Arbeit als Verwaltungschef immer wieder torpediert, noch vertraue, sagte Seeger: „Die CDU Rathenow ist, trotz Meinungsverschiedenheiten, meine politische Heimat. Und wird es bleiben.“

Von Markus Kniebeler