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Havelland Erinnerung an einen Polizistenmord
Lokales Havelland Erinnerung an einen Polizistenmord
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02:15 28.07.2017
Der Tatort. Hier wurde der Landpolizist von drei Kriminellen umgebracht.
Der Tatort. Hier wurde der Landpolizist von drei Kriminellen umgebracht. Quelle: Norbert Stein
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Rathenow

In Erinnerung an den gewaltsamen Tod des Landpolizisten Oskar Meißner aus Neue Schleuse im Sommer 1947 findet am Freitag, den 28. Juli um 14 Uhr auf dem Friedhof in Rathenow-West ein Ehrengedenken statt. An diesem Tag vor 70 Jahren wurde der Ermordete auf dem Friedhof beigesetzt.

Gespräch mit Zeitzeugen

Ermordet wurde der Landpolizist in der Nacht zum 25. Juli 1947 von drei jungen Männern aus Neue Schleuse, Rathenow und Steckelsdorf. Der Heimatforscher Hans-Jürgen Wodtke aus Böhne hat die Ereignisse recherchiert. Er hat mit Zeitzeugen gesprochen, um zu erfahren, wie die Situation damals in der Nachkriegszeit gewesen ist.

Viele Kriminelle unterwegs

Waren es zunächst Rotarmisten, die für Angst in der Bevölkerung sorgten, veränderte sich das Bild von Gewalttätern mit der Zeit. Jetzt waren es zunehmend Deutsche, Menschen aus der eigenen Region und einige hier gebliebene frühere Zwangsarbeiter, die raubten und plünderten. Die verunsicherte Bevölkerung verlangte nach einem wirksamen Polizeischutz.

Hans-Jürgen Wodtke brachte den Kriminalfall ans Tageslicht. Quelle: Norbert Stein

Dieser Forderung kam die sich in Aufbau befindliche neue Verwaltung im Einvernehmen mit der sowjetischen Militäradministration nach. 1947 war fast jedem Dorf in der Region mindestens ein Polizist zugeteilt. Unterlagen, die Wodtke vorliegen, lassen die Einschätzung zu, dass Vieh- und Felddiebstähle im Sommer 1947 einen kriminalistischen Schwerpunkt bildeten. Der Kreisrat Jerichow II – zu dem damals Böhne und weitere Dörfer aus dem Landkreis Havelland gehörten – sah sich deshalb zu einer Polizeiverordnung veranlasst, die Unberechtigten das Betreten von Feld- und Waldfluren während der Dunkelheit verbot.

Geldstrafe oder Haft

Wer dem nicht folgte, dem drohten Geldstrafe oder Haft. Wodtkes Nachforschungen lassen vermuten, dass die Anordnung auch jenen drei Männern aus Neue Schleuse, Rathenow und Steckelsdorf bekannt war. Dennoch haben sie sich nicht davon abhalten lassen, in Nächten auf Diebestour zu gehen. Bei diesen Beutezügen seien sie, wie Zeitzeugen berichteten, dem Oberwachtmeister Oskar Meisner aufgefallen.

Erst eine Verwarnung

Da Meiner die drei Personen kannte, beließ er es bei einer Verwarnung, drohte ihnen aber im Fall der Wiederholung die Festnahme an. In der Nacht des 25. Juli 1947 trafen der Polizist und die drei Kriminellen nahe dem Bahnübergang Bölkershof zwischen Böhne und Neue Schleuse erneut aufeinander.

In den Wald geschleppt

Zeitzeugen erzählten, dass Meißner bei der Kontrolle eines Sacks, den das Trio dabei hatte, erhebliche Mengen abgeschnittener Getreideähren fand. Er verhaftete die drei Diebe. Die Verhafteten schlugen den Polizisten nieder, schleppten ihn in ein Waldstück und ließen ihn liegen. Am nächsten Morgen fand der Schrankenwärter Gustav Brennecke aus Böhne auf seinem Nachhauseweg eine Blutlache. Eine Schleifspur führte ihn in den Kiefernwald. Hier fand er Meißner, der gegen 2 Uhr in der Nacht seinen schweren Verletzungen erlag. Die Täter wurden ermittelt und verhaftet.

Von Norbert Stein