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Havelland Erst die Milchkrise und jetzt Dauerregen: Landwirt verzweifelt
Lokales Havelland Erst die Milchkrise und jetzt Dauerregen: Landwirt verzweifelt
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00:20 31.07.2017
Auf vielen Teilen des Grünlandes des Selbelanger Betriebes steht das Wasser.
Auf vielen Teilen des Grünlandes des Selbelanger Betriebes steht das Wasser. Quelle: privat
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Selbelang

100 Prozent der 510 Hektar Ackerfläche der GbR „Märkischer Hof Selbelang“ sind vernässt oder überschwemmt. Sogar auf großen Teilen des Grünlandes steht das Wasser, so dass die jungen Kühe dort immer weniger Futter finden. Den Gesamtverlust für den Betrieb mit 14 Angestellten kann Gesellschafter Detlef Wacker überhaupt nicht abschätzen.

„Wir hoffen, noch irgendwas ernten zu können. Ich weiß aber nicht wann, und ich kenne nicht die Qualität des Getreides und des Futters, wenn das Wasser mal weg ist.“ Der Märkische Hof hat Verträge mit Firmen, die zum Beispiel nur Raps einen bestimmten Eiweißwert abnehmen. Ähnlich ist es mit dem Getreide.

Der Frust sitzt tief bei Wacker. Es tröstet ihn auch nicht die Tatsache, dass er als stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland darüber informiert ist, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis über Ernteunterbrechungen und Ernteverluste klagen. „Unsere GbR stößt an ihre finanziellen Grenzen, wenn wir noch Futter für unsere 750 Rinder kaufen und das Getreide nicht veräußern können“, sagt Detlef Wacker und ergänzt: „Dazu kommt die Milchkrise, die noch längst nicht beendet ist. Der Preis ist nicht da, wo er hin muss. Wir bekommen derzeit 33 Cent je Liter.“

Für das Wetter und den vielen Regen könne keiner was, so Wacker. Aber aus seiner Sicht hat die Landespolitik eine Mitschuld an der gegenwärtigen Situation der landwirtschaftlichen Betriebe. „Seit etwa drei Jahren warten wir darauf, dass das Wassergesetz des Landes novelliert und damit die gesetzliche Grundlage geschaffen wird, wer die Schöpfwerke an den Gräben II. Ordnung betreibt und finanziert.“ Solange das nicht geschehe, komme es immer wieder zu Situationen wie jetzt und wie 2007, als das Wasser nicht von den Flächen ablaufen konnte, weil die Schöpfwerke gar nicht oder nur zum Teil angeschaltet waren.

Zwar sei für den Havelländischen Hauptkanal, ein Gewässer I. Ordnung, eine Regelung zum Betreiben der Schöpfwerke getroffen und der Wasser- und Bodenverband Nauen erledige diese Aufgabe auch sehr gut, nur reiche das eben nicht. „Es ist auch nicht zu verstehen, warum die Gräben nur zweimal im Jahr und nur bis Ende Februar gekrautet werden dürfen. Wenn starker Bewuchs ist, muss man doch unkompliziert reagieren und abmähen“, schimpft Wacker.

Gleichzeitig erinnert der Selbelanger daran, dass nicht nur Landwirte von den nicht abfließenden Wassermassen betroffen sind. „Wir haben gesehen, wie in Paulinenaue 2007 die Keller der Wohnhäuser vollgelaufen sind. Es müssen also auch die Bürger geschützt werden“, fordert er.

Wann die Selberlanger mit ihrer Erntetechnik auf die Felder können, stehe in den Sternen, so Wacker. Wo es „nur“ vernässt ist, vielleicht in zehn Tagen. „Ansonsten müssen wir vier bis fünf Wochen warten“.

Von Jens Wegener