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Havelland Fahrplan zu eng gestrickt
Lokales Havelland Fahrplan zu eng gestrickt
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21:00 09.07.2013
Odeg-Zug Dienstagnachmittag in Falkensee: Planmäßige Abfahrt Richtung Wismar war 13.46 Uhr. Tatsächliche Abfahrt: 13.51 Uhr. Quelle: Anke Fiebranz
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Havelland

Die Niederlassung der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) in der Berliner Möllendorffstraße ist mit farbigen Gemälden geschmückt, auf denen die Fahrzeugflotte des Unternehmens verewigt ist. Im Flur hängt ein Ölbild mit einem Kiss-Zug. Gelb-grüne Bahnen dieses Typs aus dem Hause Stadler fahren auf den Regionalexpresslinien RE 2 (WismarCottbus) und RE 4 (Stendal/RathenowJüterbog) und somit auf wichtigen Pendlerstrecken durchs Havelland. Die Odeg hatte beide Linien im Dezember 2012 von der Deutschen Bahn übernommen. Nach der verspäteten Einführung der Kiss-Züge – die Genehmigung ließ auf sich warten – und Kinderkrankheiten wie Türstörungen und zu kalte Klimaanlagen, zieht Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann Zwischenbilanz: „Inzwischen funktioniert der Betrieb recht ordentlich, auch wenn einiges besser sein könnte.“

Mittlerweile sind insgesamt 15 Doppelstockzüge auf beiden Linien im Einsatz, in der kommenden Woche wird der 16. abgenommen. „Damit wäre die Flotte vollständig“, so Schuchmann. Und es gäbe dann auch Ersatz, wenn mal eine Bahn in die Wartung muss. Noch im Mai/Juni fehlte die Reserve wegen der Auslieferungsprobleme bei Stadler. Reisende mussten Verspätungen in Kauf nehmen.

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Die technischen Mängel an den neuen Zügen sollen nach und nach abgearbeitet werden, sagt Schuchmann. Die Klimaanlagen funktionierten bei der aktuellen Hitze. Hoffentlich, setzt er hinzu. Allerdings zeigten die Klima-Anzeigen im Triebwagen Blödsinn an. Daher würden nächste Woche noch mal Temperaturmessungen im Beisein der Anlagenhersteller durchgeführt. Die Automatik der Zwischentüren funktioniert inzwischen besser. An die großen Abstände zwischen Zug und Bahnsteigkante haben sich regelmäßig Reisende inzwischen gewöhnt, wenn auch kopfschüttelnd. Allerdings gebe es hier laut Schuchmann kaum eine andere Lösung: Man brauche viele Plätze, die könne auf den kurzen Bahnsteigen nur ein Doppelstockzug bieten, aber der müsse mit seiner Höhe auch noch durch die Tunnel passen.

Von einer Fehlkonstruktion der Kiss-Züge redet Schuchmann daher nicht. Aber wenn noch mal gebaut würde und er mitreden könnte, würde er manches anders wollen: bequemere Sitze, dezentrale Sprechstellen, damit das Personal nicht für jede Ansage durch den ganzen, oft vollen Zug rennen muss, statt 430 vielleicht nur 400<TH>Sitzplätze und dafür ein Getränkeautomat, der vielen bei der Hitze fehlt.

Während sich auf der Linie RE 4, die über Rathenow, Wustermark und Dallgow-Döberitz führt, nach dem Fehlstart im Dezember 2012 bei der Übernahme durch die Odeg die Gemüter beruhigt hätten, gebe es jetzt Beschwerden auf der Linie RE 2 (über Nauen und Falkensee). Die LED-Leuchten hätten zu hartes Licht, es gebe keine Kleiderhaken – die aber da sind – und in der 1. Klasse fehlten Tische. Die sollen nachgerüstet werden, so der Odeg-Chef. Allerdings muss er einräumen: „Die Linie RE 2 ist störanfälliger als die RE4.“ Das sei ja auch die längere Strecke, wirft seine Sprecherin ein. Von Wismar bis Cottbus sind es 375 Kilometer. Oft ist der RE 2 verspätet, Anschlüsse werden verpasst, Leute kommen zu spät zur Arbeit. „Der Fahrplan auf dieser Strecke ist nicht fahrbar“, formuliert Schuchmann zugespitzt. Das müssten auch der Verkehrsverbund und die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern einsehen. Haltezeiten von 30 Sekunden seien unrealistisch, wenn das Türöffnen und -schließen schon 18 Sekunden dauere. An vielen Stationen bräuchte man laut Schuchmann mindestens 45 Sekunden Halt, auf der Berliner Stadtbahn sogar zwei Minuten, besonders im Berufsverkehr. Eine entsprechende Anpassung hätte zur Folge, dass sich die Fahrtzeiten bis Cottbus wieder verlängerten. Dafür hätte man aber stabilere Anschlüsse. Laut Schuchmannn eine politische Abwägung.

Bei der Odeg ärgert man sich auch darüber, dass die Regionalzüge wegen verspäteter ICEs immer wieder aufs Wartegleis geschoben werden. Die Odeg sammelt mit anderen Eisenbahnfirmen Material und erwägt eine Diskriminierungsbeschwerde bei der Bundesnetzagentur. Dass Verspätungen oder Baustellen auf das Konto der Deutschen Bahn AG gehen, interessiert den Reisenden selten. Er verlangt Pünktlichkeit. Um Verspätungen zu vermeiden, wird im Havelland oft ein drittes Gleis zwischen Berlin und Nauen gefordert. Für Schuchmann ist dies keine Lösung. „Eher müsste man den Knoten Spandau ausbauen“, sagt der Odeg-Chef. Der sei viel zu eng und überlastet.

Von Anke Fiebranz

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