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Havelland Falkensee: Sauer über Nicht-Informationen
Lokales Havelland Falkensee: Sauer über Nicht-Informationen
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12:38 19.02.2015
Ganz dicht dran: Das neue Asylbewerberheim in der Bergstraße soll im zweiten Quartal bezogen werden.
Ganz dicht dran: Das neue Asylbewerberheim in der Bergstraße soll im zweiten Quartal bezogen werden. Quelle: Marlies Schnaibel
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Falkensee

Karl-Heinz Gutknecht wohnt in einem kleinen Haus. Eine Etage, Satteldach. Er ist der direkte Nachbar des neuen mehrgeschossigen Asylbewerberheimes, das an der Falkenseer Kreuzung Bergstraße/Kremmener Straße gebaut wird. Ganz dicht dran an Gutknechts Haus und an den Bäumen der Straße. Der Falkenseer war nicht glücklich über die Wahl des Standorts. Jetzt ist er richtig sauer. „Plötzlich zaubert der Kreis ein zweites Grundstück an der Panzerstraße aus dem Hut“, sagte er, „vor einem Jahr wurde in den Bürgerversammlungen gesagt, es gäbe kein anderes günstiges Grundstück, wo ein Asylbewerberheim errichtet werden kann.“ Schon damals wollte er das nicht glauben, hätte den Platz an der Ruppiner Straße als günstiger erachtet. „Da hieß es, die Fläche gehört nicht dem Kreis“, erinnert sich der Leser, „aber das Areal gehört den Kliniken und die gehören dem Kreis.“

Die Suche nach einem geeigneten Standort

Vor einem Jahr sei nach geeigneten Standorten für den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende und ausländische Flüchtlinge gesucht worden. „Für das kreiseigene Grundstück an der Panzerstraße gab es zum Zeitpunkt eine konkrete Anfrage zur Erweiterung der benachbarten soziale Einrichtung (Behindertenwerkstätte). Da sich bereits die bestehende Einrichtung auf einem kreiseigenen Grundstück befindet, welches in Erbbaupacht an den Träger vergeben wurde, hätte der Landkreis dem Antrag zugestimmt“, sagte Kreissprecher Oliver Kratzsch. Nachdem aber die Erweiterungspläne der Behindertenwerkstätte am Standort aufgegeben wurden, stand das Grundstück für den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung.

Informationen sollen kommen - aber wann?

Mit dem Bau soll an dem Standort – sowie für ein weiteres Heim in Nauen – Anfang des dritten Quartals 2015 begonnen werden. Die Kreisverwaltung will im ersten Quartal des Jahres in Informationsveranstaltungen die Bürger über Einzelheiten informieren, hieß es Anfang des Jahres. Noch ist nichts passiert. Und gerade diese Informationspolitik bringt nun in Falkensee viele auf. Kai Gersch, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes und Falkenseer Stadtverordneter, hat kritisiert: „Wieder wird ohne Bürgerbeteiligung entschieden, werden Tatsachen geschaffen.

Von oben herab

Marlies Schnaibel über vollendete Tatsachen und Informationslöcher

Helmut Kohl hat Dinge ausgesessen. Gerhard Schröder schwör auf die Politik der ruhigen Hand. Aber mit solchem Nicht-Agieren kommt man nicht immer weiter. Die Informationspolitik des Landkreises hat einiges mit dem obigen Politikverständnis gemein: Die anderen können sich zwar aufregen, wir schaffen vollendete Tatsachen und stellen uns stur. Die Art, wie der Landkreis in Falkensee die Öffentlichkeit über Asylbewerberheime informiert, ist verheerend. Vor allem für die, die offen auf die Fremden zugehen wollen, die Hilfe anbieten, die Konflikte entschärfen wollen, die willkommen sagen wollen. Ihnen wird so  der Boden unter den Füßen weggezogen.

Arbeit an der Willkommenskultur wird geschädigt

Die Fraktion der Linken hat inzwischen einen Antrag eingebracht, über den die Falkenseer Stadtverordneten am kommenden Mittwoch beraten. Sie will darin ausdrücklich die Unterstützung flüchtender Menschen bekräftigen und stellt auch das zweite Heim nicht infrage. Aber sie fordert scharf, dass künftig die Stadtverwaltung, die Stadtverordnetenversammlung und die Falkenseer Bevölkerung über alle Planungen von Anfang an unterrichtet und einbezogen wird. „Durch die verfehlte, kontraproduktive (Nicht-) Informationspolitik im Zusammenhang mit dem zweiten Flüchtlingsheim ist nun der Eindruck entstanden, der Landkreis Havelland betrachte dieses Projekt als einen reinen formalen Verwaltungsakt“, kritisierte Frank Barz, Vorsitzender der Fraktion Die Linke. Solches Vorgehen schädigt die Arbeit an der Willkommenskultur, die den Schutz suchenden Menschen eine würdige Aufnahme ermöglichen will, Vorurteile und Irritationen frühzeitig bekämpfen will.

Von Marlies Schnaibel

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