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Falkensee Theater in der Stadthalle: So schön kann Nachsitzen sein
Lokales Havelland Falkensee Theater in der Stadthalle: So schön kann Nachsitzen sein
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18:30 15.05.2019
Marcel Dietzold begeistert als Kochlöffel Quassel und Jenny Krauser als Protagonistin Henrietta in der Stadthalle Falkensee. Quelle: Jan Russezki
Falkensee

Am Mittwochmorgen macht das Nachsitzen am meisten Spaß. Rund 300 Grundschulkinder drücken in der Falkenseer Stadthalle die Strafbank. Langweilig findet das nur Henrietta auf der Bühne. Sie kann sich nie konzentrieren und ist dauernd müde. Prompt schläft sie im Klassenzimmer ein. Zum Glück, denn ihren lustigen Zirkustraum mit zaubernden Bananen, zielsicheren Möhren und einem bärenstarken Schwarzbrot stellt die Theatergruppe der AOK Nordost auf der Bühne dar. Was nach Spaß aussieht, hat einen ernsten Hintergrund.

„Henrietta in Fructonia“ ist ein Theaterstück, das Kindern die gesunde Ernährung und Bewegung näher bringen will. Seit 15 Jahren tourt die Protagonistin Henrietta (Jenny Krauser) mit ihrem Kochlöffel (Marcel Dietzold) durch die Republik. Sie schläft auf der Bühne ein, weil sie sich, wie viele Kinder, zu schlecht ernährt. Das will das Theaterstück ändern.

Kinder bewegen sich zu wenig

„Wenn wir den Kindern ein Basiswissen rund um gesunde Ernährung und Bewegung vermitteln können, helfen wir ihnen zu gesundheitsbewussten Erwachsenen heranzuwachsen“, sagt Eva Bunk, Leiterin der AOK Nordost im Havelland.

Das sei laut einer AOK-Studie auch bitternötig. Nur an 3,6 Tagen pro Woche würden sich Kinder der befragten Eltern bewegen. Der Blick in das Publikum der Falkenseer Stadthalle lässt das aber nicht erahnen. Alle sehen munter aus.

Fantasiewelt Fructonia

Gut, im Sitzen geht es dann mit dem Fructonia-Express in eine Traumwelt. In Fructonia preist ein Kochlöffel unter anderem eine „Attraktion wie Akrobatik mit Zitronen“ an oder belustigt selbst im Stil eines lispelnden Maulwurfs à la René Marik die Kinder der Geschwister-Scholl-, Erich-Kästner- und der Diesterweg-Grundschule.

Der Kochlöffel namens Quassel fungiert als Clown auf der Bühne und moderiert zwischen Akrobatik, Messerwerfen und einem Löwenbändiger. Nummern, die mehr an einen Zirkus als an Theater erinnern.

Kochlöffel Quassel (Marcel Dietzold) erklärt Falkenseer Grundschulkindern die Ernährungspyramide. Sie sind in einem Traum der Protagonistin Henrietta (Jenny Krauser) Quelle: Jan Russezki

Ernst nimmt sich Quassel nicht – die Ernährungspyramide genauso wenig. Das schafft niemand so richtig, wenn auf der Bühne eine Milchpackung mit einem Schwarzbrot Gewichte um die Wette hebt oder der Zauberer „Banano Banini“ von Möhren heimgesucht wird. Immer wieder hebt er seine Hand zu einem Zauberspruch und – plopp – hat er Mal um Mal eine orange Möhre mit grüner Palmenfrisur in der Hand. Die Kinder lachen.

Manni Möhre ist die Möhren werfende Möhre. Hinter den gezielten Messerwürfen steckt das Vitamin A der Karotten. Quelle: Jan Russezki

Hinter jeder Nummer steht eine Eigenschaft des personifizierten Obstes und Gemüses. Milch und Brot macht stark, Möhren schärfen die Sehkraft und die akrobatisch aufgebaute Ernährungspyramide zeigt klar, wovon viel und wovon wenig gegessen werden soll. Wer kein pyramidisch lesen kann, dem erklärt Quassel die richtigen Fit-Amine für die Fitness.

Spielerische Erziehung

„Es ist eine tolle Sache, den Kindern etwas ohne erhobenen Zeigefinger spielerisch zu vermitteln“, sagt Marcel Dietzold. Er ist in den 15 Jahren immer weiter in die Rolle des Kochlöffels gewachsen. „Die Kinder mögen Quassel, weil er sich zu nichts zu schade ist und nichts ernst nimmt“, erklärt er. Aber auch der wertfreie Blick auf Körper und Essgewohnheiten sei wichtig für den Erfolg seiner Rolle, die er in drei unterschiedlichen Stücken um die Protagonistin Henrietta spielt.

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Das bestätigen auch MAZ-Informanten vor Ort. Der sechsjährige Nils Ortel und der zehnjährige Jonas Hape einigen sich nach kurzer Unterredung auf ein Urteil: „Der Löffel war witzig.“ Über Ernährung hätten sie nur „ein bisschen“ gelernt, aber das liege auch daran, dass sie sich an der Geschwister-Scholl-Grundschule schon Vorwissen angeeignet hätten.

„Das ist in dieser Atmosphäre viel schöner als in der Schule“, meint auch Jana Heyse, Lehrerin an der Diesterweg-Grundschule. Sie findet, dass noch immer zu viele Süßigkeiten zur Schule mitgebracht werden. Vielleicht ändert sich das nach dem Nachsitzen in der Stadthalle.

Von Jan Russezki

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