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Falkensee Warum auch eine reiche Stadt wie Falkensee eine Kleiderkammer braucht
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12:08 12.06.2019
Zwischen Tüten, Kisten und Kleiderbügeln: Die Frauen von der ASB-Kleiderkammer haben alle Hände voll zu tun. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

 Der Keller des ASB-Gebäudes ist wie ein Labyrinth, ein bisschen Unterwelt in Falkensee. Vollgepackt mit Kleidung, Geschirr, Haushaltswäsche. Hier hat der Arbeiter-Samariter-Bund seine Kleiderkammer untergebracht. Ein soziales Angebot, das in der reichen Stadt Falkensee immer mehr genutzt wird.

Immer mehr kommen

„Es werden immer mehr“, sagt Nimet Keskin, die Leiterin der Kleiderkammer. „Wir haben hunderte Karteikarten mit Nutzern unserer Kleiderkammer.“ Die Kammer selbst hat sich für viele immer mehr zur Tauschbörse entwickelt. Viele bringen etwas und nehmen wieder etwas mit. Aber auch, wer nichts hat, kann hier etwas bekommen. Falkenseer, Spandauer, Nauener holen sich hier Hilfe.

Hilfe für Flüchtlinge

Nimet Keskin, eine Türkin mit arabischen Wurzeln, kam über die Willkommensinitiative „Wir in Falkensee“ zur Kleiderkammer. Als 2015 die große Flüchtlingswelle kam, da sagten sie und ihr Mann sich. „Wir wollen helfen.“ Sie nahmen für neun Tage fünf syrische Kinder bei sich auf, als deren Mutter ins Krankenhaus musste.

Die ASB-Kleiderkammer. Quelle: Tanja M. Marotzke

„Ich habe mir da gar keinen Kopf gemacht, ich habe einfach gemacht“, erinnert sich Nimet Keskin. Sie selbst war als Neunjährige mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen, hatte 25 Jahr bei Herlitz gearbeitet und war nach der Wende nach Falkensee gezogen. Eine Krankheit warf sie aus der Arbeitswelt, aber nicht aus der Lebensbahn. Über die Willkommensinitiative knüpfte sie Kontakte zu anderen Menschen, kam zur Kleiderkammer. Diese leitet sie nun schon jahrelang.

Die Dreisten und die Ängstlichen

So wie sie sind hier fünf Frauen und ein Mann aktiv. Alle machen das ehrenamtlich. Sortieren, umpacken, reparieren, mit den Menschen reden. „Es kommen die Dreisten, und es kommen die Ängstlichen und die, die sich schämen“, hat Nimet Keskin immer wieder beobachtet.

Und auch die Flüchtlinge, die hier Kleidung und Hausrat bekommen, sind nicht alle Heilige, weiß sie. Mit manchem muss sie sich auseinandersetzen, mancher Händler muss vertrieben werden. „Aber es gibt die vielen Menschen, die für jede Kleinigkeit dankbar sind“, beschreibt sie die schöne Seite dieser Arbeit.

Mancher kommt auch, weil er hier Freude am Handeln und Tauschen hat. Andere schauen ganz gezielt nach Markenherstellern. Mancher kommt nur zum Reden.

Wer in der Kleiderkammer etwas bekommt, muss nicht dafür bezahlen. Hier werden täglich Sachen abgegeben, das Angebot ändert sich von Tag zu Tag. Für Möbel ist allerdings im Keller kein Platz.

Bücherecke nicht gefragt

Was genau gefragt ist, das ist unterschiedlich, haben die Frauen beobachtet. Die Bücherecke im Eingang bleibt eher unbeachtet. Dann sind auf einmal vor allem Bettwäsche und Handtücher gesucht. Schuhe fehlen eigentlich immer. „Reichlich vorhanden ist XXL-Kleidung“, sagt Nimet Keskin.

Und Frühstücksteller. „Die passen nicht zur Kultur der Großfamilien“, sagt sie, „da braucht man große Teller, große Schüsseln.“ Gefragt sind lange Röcke, Kleider, Leggins, Sportschuhe, Backformen. Gabeln sind genug da, Löffel fehlen.

Nimet Keskin freut sich, wenn sie helfen kann. „Das ist eine Herzenssache für mich“, sagt sie. Und sie will vielen helfen. Deshalb sie ist immer wieder erstaunt, dass viele die ASB-Kleiderkammer gar nicht kennen, die als zweite neben der Kleiderkammer an der Falkenseer Tafel existiert.

Die ASB-Kleiderkammer, Ruppiner Straße 15, erreichbar über Bergstraße, hat montags und mittwochs von 10 bis 14 Uhr sowie freitags von 12.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Bitte keine Spenden außerhalb der Öffnungszeiten vor der Tür abstellen.

Von Marlies Schnaibel

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