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Falkensee Als die Trabbis vorbeiknatterten
Lokales Havelland Falkensee Als die Trabbis vorbeiknatterten
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19:40 01.11.2019
Karl-Heinz Bannasch hat den Mauerfall in Staaken erlebt. Quelle: Foto: Danilo Hafer
Spandau/Falkensee

Diese Geräusche und Gerüche wird Karl-Heinz Bannasch nie vergessen. „Wir standen auf Staakener Seite und konnten die Ossis nicht sehen“, erinnert er sich genau an den Abend des 9. November vor 30 Jahren, mehrere hundert Meter Grenzanlagen lagen zwischen ihnen, „aber wir konnten das Hupen der Autos hören und dann kurz nach Mitternacht kamen die Trabbis vorbeigeknattert. Es stank. Aber alle waren glücklich.“

Blick in die Aktuelle Kamera

Karl-Heinz Bannasch ist Spandauer, der heute 60-Jährige hat seinen Heimatbezirk nie verlassen. An dem berühmten Abend des 9. November hatte der die DDR-Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ geschaut. Wie eigentlich fast jeden Abend, seit Langem.

Politisch aktiv

Politisch war er schon als jungen Mann interessiert gewesen, in seiner Familie gab es Leute, die sich für die SPD, die SEW oder die Grünen einsetzten. Ihn zog es zur FDP, zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag wurde er Mitglied dieser Partei. Ein wichtiger Grund für diesen Schritt: Für ihn war das die einzige Partei, die sich vorbehaltlos für die deutsche Einheit einsetzte. Das Thema trieb ihn um.

In Staaken aufgewachsen

Er selbst ist in der Gartenstadt Staaken aufgewachsen. Nicht im Schatten, sondern im Lichte der Mauer, wie er es formuliert. Seine Familie war durch den Mauerbau getrennt worden, Teile lebten in Dallgow und in Wustermark, andere in Spandau. Die Mauer war für den jungen Karl-Heinz Alltag. Der Sportplatz seines Staakener Sportvereins, auf dem er begeistert kickte, lag an der Eichholzbahn, direkt neben der Mauer.

Schüsse an der Bahn

Vage kann er sich an einen Vorfall erinnern, als die Jungen trainierten und plötzlich Schüsse hörten. „Wir waren Jungs von sieben und acht Jahren, aufgeregt rannten wir den Bahndamm hoch um zu schauen“, erzählt er. Die Kinder sahen einen verletzten Mann am Boden liegen. „Wir konnten das gar nicht einordnen“, erinnert er sich.

Zum Grenzübergang Heerstraße

Die Trennung und die Mauer haben ihn nie losgelassen. Und weil er sich für die Wiedervereinigung und den Osten interessierte, wollte er auch wissen „Wie die ticken.“ Deshalb hat er regelmäßig die Aktuelle Kamera und die Propagandasendung „Der Schwarze Kanal“ geschaut. Deshalb saß er auch vor dem Fernsehen, als Schabowski seinen legendären Satz sagte. Als dann der SFB eine halbe Stunde später meldete, wie sich die Massen am Grenzübergang Bornhomer Brücke sammelten, da war auch Bannasch elektrisiert. Er fuhr zum Grenzübergang Staaken an der Heerstraße.

Grenzübergang Staaken Quelle: archiv

„Das letzte Stück bin ich gelaufen, etwa 40 bis 50 Leute standen da“, erzählt er. Die Polizei- und Zollbeamten auf Westberliner Seite wussten auch nicht genau, wie sie sich verhalten sollten. Sie ließen die Leute nicht durch, schickten sie aber auch nicht weg. Einer der Männer hatte ein kleines Radio mit, wie in einer Konferenzschaltung wurde gemeldet: Hier ist die Grenze offen, da ist die Grenze offen. „Dann meinte einer: Wir müssen mal mit den Ostgrenzern reden“, erzählt Karl-Heinz Bannach.

Auf die Ostgrenzer zugegangen

Eine kleine Gruppe, von zehn, vielleicht zwölf Leuten lief los. Vor dem Wachhäuschen stand ein Grenzer, „Wir wollen Ihren Chef sprechen!“, sagten die Spandauer zu ihm. Schließlich sind sie auf einen Offizier getroffen. „Wir haben auf den eingequatscht, aber der Mann hatte ja nichts gewusst und offensichtlich keine Anweisung“, beschreibt Karl-Heinz Bannasch die Situation. Kurz nach Mitternacht brachen dann auch hier die Dämme. Trabbis, Trabbis, Trabbis strömten in den Westen.

Feiern am Kudamm

Bannasch selbst machte kehrt und fuhr zum Kudamm. „Wir haben die ganze Nacht durchgefeiert“, sagt er, „es war eine irre Nacht. Wir standen wie unter Strom.“ Dieser Zustand sollte bei Bannasch noch lange anhalten. Er gehörte zu den Aktivisten, die dem DDR-Bürger die FDP nahe brachten, er reiste rum, hielt Vorträge. War auf Demonstrationen in Falkensee und Nauen. Dazu zählten auch Kontakte zur LDPD, die schließlich in der FDP aufging.

Bei aller Freude über die Wiedervereinigung wird er die Trennung nicht vergessen. Deshalb setzte er sich vor Jahren für eine Gedenkstätte an der Stelle ein, wo in der Nacht zum 10. November der Eiserne Vorhang zwischen Spandau und dem Havelland fiel.

Von Marlies Schnaibel

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