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Falkensee Betrunkener Taxiräuber muss nicht ins Gefängnis
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19:29 16.05.2019
Ein 48-Jähriger Berliner wird vom Amtsgericht Nauen zu 10 Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Auflagen sollen ihm beim Kampf gegen die Alkoholsucht helfen. Quelle: picture alliance / dpa
Falkensee

Als Christian Thomas (Name geändert) die Anklageschrift las, erkannte er sich nicht wieder. Betrug, versuchter Raub, Körperverletzung und Vortäuschen einer Straftat. Er soll 2018 im Alkoholrausch erfolglos versucht haben, eine Taxifahrerin in der Falkenseer Poststraße auszurauben.

Bei der Gerichtsverhandlung am Donnerstag fehlt dem Angeklagten jegliche Erinnerung. Die Taxifahrerin erzählt dagegen von der gebliebenen Angst. Vor der Urteilsberatung entschuldigt sich Thomas mit gebrochener Stimme und zitternden Händen. Das Amtsgericht Nauen hat Einsehen mit ihm: Die Richterin verurteilt den 48-Jährigen zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Fahrerin hatte komisches Bauchgefühl

Schon am Vortag des Überfalls begann der Rausch von Christian Thomas. Der Berliner brachte am 3. Januar 2018 seinen Sohn zur Schule und begann, danach zu trinken. „Die Feiertage waren schwierig. Dann der Erbstreit mit meinen Geschwistern. Da hat sich viel angestaut“, sagt Thomas, der seit vielen Jahren mit seiner Alkoholsucht kämpft. Mit fast drei Promille wird die Polizei ihn am nächsten Tag aufgreifen.

Als Thomas am Tegeler Hafen in das Taxi von Clara Blank (Name geändert) stieg, hatte sie ein komisches Bauchgefühl. „Ich bat ihn, eines der Taxis vor mir zu nehmen, doch er bestand auf der Fahrt“, sagt die 51-Jährige. Ihr Gefühl bewahrheitete sich.

In Falkensee eskaliert die Situation

Auf der Fahrt nach Falkensee lallte er. Weil Blank sein Ziel nicht verstand, sollte er es auf einem Zettel notieren. Den Stift versuchte Thomas, wie eine Zigarette anzuzünden. Als er sie in immer einsamere Straßen lotste, hielt die Taxifahrerin und wollte abkassieren. Die Situation eskalierte.

Thomas gab zu, die rund 40 Euro nicht zahlen zu können. Er wusste, dass der Geldbeutel in seiner Hand leer war. Blanks hingegen war mit 200 Euro gefüllt. Der betrunkene Hufschmied fixierte die Fahrerin mit dem Sicherheitsgurt und griff mit der anderen Hand nach dem Geldbeutel. Blank wehrte sich heftig mit Schlägen ins Gesicht. Die Hiebe mit scharfkantigen Ringen ließen Thomas bluten. Ein Knochen ihrer eigenen Hand riss ein.

Aus Opfer wird Verdächtiger

Der Räuber stieg aus und ließ dabei sein eigenes Portemonnaie im Taxi zurück. Kurz darauf riefen Mitglieder eines Fitnessstudios für den blutenden Täter einen Arzt und die Polizei.

Während Thomas der Polizei erzählte, er sei in Berlin ausgeraubt worden, rief Blank unweit entfernt selbst die Polizei. „Seine Geschichte war glaubwürdig, bis plötzlich Frau Blank mit dem verlorenen Geldbeutel auftauchte“, sagt einer der Polizisten aus. Aus Opfer wurde Verdächtiger.

„Der Knackpunkt ist die Frage der Schuldfähigkeit“, merkt die Richterin im Gerichtssaal an. Weil sein Verhalten und der Bluttest mit 2,5 Promille vier Stunden nach der Tat aber klar zeigt, wie betrunken Thomas war, verurteilt ihn das Schöffengericht.

„Er wusste, was passieren kann“

„Die Werte sind jenseits von Gut und Böse, aber er wusste, was passieren kann, wenn er trinkt, und tut es trotzdem“, sagt der Staatsanwalt. Gegen Thomas läuft auch in Oranienburg ein Verfahren wegen Hausfriedensbruchs im Rausch.

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Der vorsätzliche Vollrausch, der zum Betrug durch die erschlichene Fahrt und zum versuchten Raub führte, wurde Thomas nachgewiesen. Die Schuldunfähigkeit, seine Reue und seine Arbeit an der Alkoholsucht mildern das Urteil. Dafür muss er zu den bereits an Blank gezahlten 500 Euro weitere 500 Euro an eine Stiftung für Suchtkranke zahlen und sich einen Bewährungshelfer suchen. „Das Ziel ist, dass er nie wieder trinkt“, erklärt die Richterin. Ihr Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Jan Russezki

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