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Falkensee IGF fürchtet Geschäftsaufgaben in der Hotellerie
Lokales Havelland Falkensee IGF fürchtet Geschäftsaufgaben in der Hotellerie
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10:39 28.04.2020
Das Falkenseer Zentrum ist von Normalität noch weit entfernt. Nicht nur wegen der Bauarbeiten für den neuen Kreisverkehr.
Das Falkenseer Zentrum ist von Normalität noch weit entfernt. Nicht nur wegen der Bauarbeiten für den neuen Kreisverkehr. Quelle: Marlies Schnaibel
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Falkensee

Der Falkenseer Gewerbeverband „Interessengemeinschaft Falkensee e.V.“ (IGF) begrüßt die Öffnung des Einzelhandels nach dem Lockdown vom 23. März wegen der Corona-Krise: „Es ist ein guter erster Schritt“, erklärt Vorstandsvorsitzender Bernhard von Schröder, „aber dabei darf es nicht bleiben.“ Der Verband rechnet mit Pleiten und kritisiert eine ungerechte Behandlung der Wirtschaft.

Prognose: Geschäftsaufgaben in der Hotellerie

Der Falkenseer Verband war 1993 als Interessengemeinschaft Bahnhofstraße gegründet worden und bündelt das Gewerbe im Zentrum von Falkensee. Der Verband betrachtet die derzeitige Lockerung mit Sorge: „Wir haben am Wochenende festgestellt, dass sich die Kauflust der Konsumenten als recht zurückhaltend herausgestellt hat“, so von Schröder. Deswegen müssen die Förderungen für den Einzelhandel noch mal angefasst werden: „Viele Geschäfte fahren jetzt mit vollen Fixkosten, können aber nur eingeschränkt verkaufen.“ Das bedeute für manchen Laden schlimmere Rahmenbedingungen als zu Zeiten der Zwangsschließungen. Von Schröder rechnet bis Jahresende mit Pleiten im Handel.

Mit Geschäftsaufgaben rechnet die IGF auch im Bereich der Falkenseer Hotellerie und Gastronomie. Beide Sparten müssen weiterhin geschlossen bleiben, Hotels dürfen Geschäftsreisende aufnehmen, Gastronomie darf liefern und zum Abholen anbieten. „Dieser Zustand muss schnellstmöglich beendet werden“, fordert die IGF und bemängelt eine fehlende Gerechtigkeit. In der Gastronomie könnten genauso gut Abstände und Hygienemaßnahmen eingehalten werden wie im Handel.

Mehrwertsteuersenkung reicht nicht aus

Besonders an den ersten warmen Tagen könnte die Gastronomie ihre Terrassen bereitstellen. Die Begründung, dass sich Menschen im Gastronomiebereich länger aufhielten, lässt der Verband nicht gelten: „Einkäufe können auch lange dauern und wurden auch nicht zeitlich begrenzt.“ Auf Terrassen und Biergärten ließen sich die Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen genau so effektiv umsetzen wie im Einzelhandel.

Die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer in der Branche wird von der IGF zunächst begrüßt, dennoch fordert der Verband, dass auch dort die finanzielle Unterstützung von Betrieben verstärkt wird: „Eine Senkung der Mehrwertsteuer nützt nichts, wenn keine Umsätze generiert werden.“ Und die seien, trotz steigendem Kurzarbeiter-Geld, wohl nicht zahlreich in Sicht. „Die Menschen halten in Krisenzeiten ihr Geld zusammen“, sagt Bernhard von Schröder. Außerdem hält die IGF den Zeitpunkt des Starts der Mehrwertsteuersenkung für recht spät. Von Schröder geht davon aus, dass die Steuersenkung nur eine Teilmaßnahme sein könne und fordert: „Ein Gastronomie- oder Hotelbetrieb, der wirtschaftlich wegen der Corona-Maßnahmen in die Pleite geraten ist, muss ausgezahlt werden.“

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Abschließend erklärt der Verband, dass er den derzeitigen Maßnahmenkatalog der Bundesregierung als „unverhältnismäßig“ empfindet: „Ein Staat, der seine Wirtschaft annähernd komplett lahmlegt, muss sie auch genauso komplett wieder hochfahren und agieren lassen, selbstverständlich unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln.“

Von MAZ