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Falkensee Debatte mit Minister: Spahn stellt sich fragefreudigen Falkenseern
Lokales Havelland Falkensee Debatte mit Minister: Spahn stellt sich fragefreudigen Falkenseern
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17:33 13.06.2019
Reden, zuhören, antworten: Jens Spahn im Falkenseer Bürgerdialog. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

 Der Minister war genau eine Stunde auf der Bühne, als der berühmte Politikersatz fiel: „Ich bin da voll bei Ihnen.“ Jens Spahn sagte ihn auf dem Falkenseer Bürgerdialog zu Renate Martin von der Senioren-Union.

Die hatte wissen wollen, wie die sprachliche und fachliche Qualifikation von ausländischen Pflegekräften geprüft werde. Die Prüfung laufe bei den Ländern „unterschiedlich gut“, konstatierte der Bundesgesundheitsminister, die Prüfung sei und bleibe wichtig, denn auch ausländische Kräfte seien wichtig.

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Warten auf den Minister

Jens Spahn antwortete an diesem Abend auf eine Vielzahl von Fragen. Zu dem Bürgerdialog hatte die Mittelstandsvereinigung Havelland eingeladen. Gut 80 Frauen und Männer waren gekommen, vielleicht wären es ohne die abendliche Gewitterfront auch noch ein paar mehr geworden.

Trotzdem waren die Reihen im Musiksaalgebäude gut gefüllt mit fragefreudigen Falkenseern. Und mit geduldigen Falkenseern, denn die volle Terminkette des Ministers ließ ihn erst mit 45 Minuten Verspätung erscheinen. Am Nachmittag hatte er die Medizinische Hochschule Brandenburg in Neuruppin besucht.

Gespräch mit Marcus Welzel

Moderatorin Barbara Richstein nutzte die Wartezeit, um dem CDU-Landtagskandidaten Marcus Welzel aus Ketzin ein Podium zu geben. Der Mann ist von Beruf Pflegedirektor und wusste zu dem Thema viel zu sagen und zu fordern. Ein thematisches Warm Up sozusagen, ehe der Minister selbst kam.

Verspätet, aber schwungvoll: Jens Spahn in Falkensee. Quelle: Tanja M. Marotzke

Dieser stellte sich nach einem erfrischend kompakten Einführungsvortrag den Fragen der Besucher. Auch, wenn das Thema des Abends mit „Deutschland 2030 – was hält uns zusammen?“ recht offen formuliert war, drehten sich die Fragen fast ausschließlich um den Bereich der Gesundheit und Pflege.

Hohe Heimkosten

Da geht es um hohe Kosten für Heimplätze, um unterschiedliche Gehälter etwa zwischen Falkensee und Berlin und die daraus resultierende Abwerbung von Fachkräften, es ging um die Digitalisierung in der Medizin, um fehlende Ärzte auf dem flachen Land, um Unterstützung für Selbsthilfegruppen, um den MDK der Krankenkassen, um das Terminservice- und Versorgungsgesetz, um multiresistente Keime, um gestiegene Lebenserwartung, wo 100 Jahre keine Seltenheit mehr sein werden.

Manche Detailfrage

Auf manche Detailfrage konnte der Minister schwerlich konkret antworten: Etwa, warum bei einem bestimmten Ambulanten Dienst nur Teilzeitarbeit möglich ist oder was in Goslar mit einem der dortigen unrentablen Krankenhäuser passiert.

Viele Fragen an den Minister. Quelle: Tanja M. Marotzke

Vinzenz Schaak von der Jungen Union machte die Rechnung auf, dass 2048 auf einen Erwerbstätigen ein Rentner kommt, und fragte, wie sich die Gesellschaft darauf einstellen will und kann. Spahn antwortete immer und wich dabei auch unbequemen Antworten nicht aus, etwa, wenn bei steigender Lebenserwartung auch das Renteneintrittsalter angehoben werden muss.

Persönliche Ziele

„Wo will Herr Spahn hin?“, fragte Michael Ziesecke, er wollte wissen, welche ganz persönlichen Ziele sich der Minister gestellt hat. Der antwortete klar, er will Debatten führen und er will Ergebnisse: Bei der Pflege und bei der Durchsetzung der elektronischen Gesundheitskarte.

Kultur des Debattierens

Über das Wie des Debattierens hatte sich der Bundesminister und CDU-Politiker auch klar geäußert: „Ich will bessere Debatten, in denen man mal eine Sekunde unterstellt, dass der andere recht hat“. Und fügte an: Auch in Zeiten von Facebook. Und das sagte er abschließend, was ihm wichtig sei: Zuversicht und Besonnenheit.

Von Marlies Schnaibel