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Falkensee Bonpflicht sorgt in Falkensee für kollektives Kopfschütteln
Lokales Havelland Falkensee Bonpflicht sorgt in Falkensee für kollektives Kopfschütteln
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17:48 07.01.2020
Maia-Tea Kubish vom Falkenseer Unverpackt-Laden ärgert sich über die Kassenbonpflicht. Quelle: Danilo Hafer
Falkensee

„Danke für Ihren nachhaltigen Einkauf“ steht kleingedruckt ganz unten auf dem Kassenzettel, den Maia-Tea Kubish, Inhaberin des Falkenseer Unverpackt-Ladens in der Bahnhofstraße, gerade für eine einzelne Muskat-Nuss ausgedruckt hat.

In ihrem Geschäft gibt es keine Plastikverpackungen, alles ist in Glas- und Metallbehältern abgefüllt. Der lästige Verpackungsmüll entfällt hier komplett – eigentlich. „Jetzt müssen wir für jeden Einkauf, egal wie groß oder klein, einen Kassenbon ausdrucken, den die Kunden meist gar nicht haben wollen. Darüber ärgere ich mich sehr“, sagt Kubish.

Ein Kassenbon zu jedem Einkauf

Seit 1. Januar gilt in Deutschland die Bonpflicht. Für ein Brötchen beim Bäcker, jeden Blumenstrauß oder eben auch eine Muskat-Nuss gibt es nun einen Kassenzettel. Der Gesetzgeber erhofft sich dadurch, den Steuerbetrug zu senken. Nach Schätzungen von Experten gehen dem Fiskus jährlich Steuereinnahmen in Höhe von rund zehn Milliarden Euro verloren.

Lesen Sie auch: Das sagt die Brandenburger Wirtschaft zur Bonpflicht

Die Bonpflicht soll den Betrug nun erschweren. Während sich viele Branchenverbände bereits kritisch zu der neuen Regelung geäußert haben, ist auch bei vielen Händlern und Gewerbetreibenden in Falkensee der Unmut groß.

Das sagen Falkenseer zur Kassenbon-Pflicht, die seit dem 1. Januar gilt.

„Für mich stellt der Staat die ganzen kleinen Betriebe damit unter einen Generalverdacht, wir würden alle betrügen“, sagt Karsten Hansen. Seit 21 Jahren betreibt er im Falkenseer Real-Markt sein Blumengeschäft Dufte-Blume und kam bisher ganz gut ohne Kassenzettel aus.

„Die Kunden verstehen auch einfach nicht, warum sie jetzt für jeden Strauß und jede Rose einen Bon bekommen“, so Hansen. Bisher hatte er seine Kunden gefragt, ob sie einen Bon haben möchten oder nicht.

Für Hansen ist die Sache klar. „Dem Staat geht das Geld aus und nun schaut er auf die kleinen Betriebe, und stellt sie unter Generalverdacht“, so Hansen. Dennoch möchte er die Bonpflicht nicht an die große Glocke hängen.

Die zusätzlichen Ausdrucke kosten ihm nach eigenen Angaben rund 80 Cent mehr am Tag. Die Bonpflicht nimmt er daher auch mit einer großen Portion Sarkasmus hin. „Jetzt muss ich meine Mitarbeiter wenigstens nicht mehr selbst kontrollieren. Das machen jetzt das Finanzamt und die Kunden“, so Hansen.

Kassen können digital ausgelesen werden

Mit Unverständnis reagierte auch Sven Desens von Janny’s Eis auf die Einführung der Bonpflicht. „Wir haben eine Registrierkasse in die jedes Produkt eingegeben wird. Die Daten können alle digital ausgelesen werden. Jedes mal einen Bon zu drucken, ist einfach nur eine zusätzliche Belastung für die Umwelt“, sagt Desens. Und ob dadurch wirklich der Steuerbetrug wahrnehmbar reduziert werden kann, davon sei er nicht überzeugt. „Wer betrügen möchte, findet immer einen Weg, dies zu tun“, so Desens.

Kunden sind genervt

Nicht nur die Händler ärgern sich über die zusätzlichen Kassenzettel, auch bei vielen Kunden stoße die Pflicht auf Unverständnis. „Viele Kunden fühlen sich geradezu belästigt. Sie wollen einfach keinen Kassenbon“, sagt Bäckermeister Dirk Ziehm, der auch stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung ist.

Schon in der Vergangenheit hatte Ziehm die Verkäufer in seinen beiden Verkaufsstellen angewiesen, Kunden zu fragen, ob sie einen Kassenzettel möchten. „99 Prozent wollen keinen Bon“, sagt Ziehm. Drucken muss er sie nun trotzdem und sammelt sie bis zum Abend in einer Schachtel neben der Kasse. „Dann schmeißen wir sie weg. Und das geht dann jeden Tag so.“

Ein wenig hoffe er noch, dass die Bonpflicht aufgrund der starken Kritik, insbesondere aus dem Bäckerhandwerk, wieder zurückgefahren wird oder zumindest Ausnahmeregelungen getroffen werden. „Ich kenne keinen Kollegen, der sagt, die Bonpflicht ist toll.“

Nachhaltiges Papier als Alternative

In ihrem Unverpackt-Laden macht sich auch Maia-Tea Kubish so ihre Gedanken, was sie macht, wenn die Bonpflicht tatsächlich so bestehen bleibt. „Es gibt ökologisches Kassenpapier, das zu 100 Prozent nachhaltig ist und ohne die Stoffe auskommt, die in herkömmlichem Thermopapier sind. Allerdings ist es natürlich auch deutlich teurer“, erzählt sie. Eine Alternative wäre es dennoch.

Mehr zu nachhaltigem Papier für Kassenbons lesen sie HIER.

Von Danilo Hafer

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