Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Falkensee Neue Liebe zu alten Tüten
Lokales Havelland Falkensee Neue Liebe zu alten Tüten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 06.01.2019
Nicht immer waren die Verpackungen so farbenfroh wie bei diesem Lametta, das zu Boxbergs Sammlung gehört. Quelle: Judith Meisner
Falkensee

Goldfarbene Metallstreifen hängen aus einer roten Packung mit der Aufschrift „Stanniol-Lametta“. Sie ist Teil der vielen gehorteten Schätze des Sammlers Achim von Boxberg. Der Falkenseer Künstler, Verleger und Antiquar beschäftigt sich seit fast dreißig Jahren mit diesen flüchtigen Überresten des untergegangenen, sozialistischen Staates.

Schaut man genau hin, wandelt sich die unscheinbare Lametta-Packung in eine historische Quelle: Ist der aufgedruckte orange-rosa Engel etwa die legendäre Jahresendfigur mit Flügeln? Gab es den Ausdruck tatsächlich oder handelt es sich dabei nur um einen vielzitierten Witz aus der Satire-Zeitschrift Eulenspiegel? Das weiße Preisschild (DM 1,29) verrät uns, dass sie nach der Währungsreform im Juli 1990 verkauft wurde.

Immer wieder Rätsel

Ein Pappkarton für „Weihnachtsbaumbeleuchtung“ gibt noch mehr Rätsel auf: „Das ist fast Frakturschrift und erinnert an die 30er-Jahre. Vielleicht hatte die Firma so etwas noch im Lager“, mutmaßt der Sammler aus Liebe, wie sich der Familienvater nennt. Ein Klebeschild an der Seite verrät mehr: Hergestellt wurde die Lichterkette im VEB Elektroinstallation Oberlind im Thüringischen Sonneberg.

In den 30er-Jahren gehörte die Firma zum Siemens-Konzern. Auch das Preisschild ist spannend, „EVP 19.50 DM“. Müsste das nicht „Mark der DDR“ heißen? Nicht in den Fünfziger Jahren. Denn 1948 wurde nicht nur in der Westzone die Deutsche Mark eingeführt auch die damalige Deutsche Notenbank in Ost-Berlin gab Zahlungsmittel mit dieser Bezeichnung heraus. Erst in den frühen Sechziger Jahren änderte sich der Name.

Klare Gestaltung

Nicht alle Schätze aus der Sammlung des gebürtigen Bonners von Boxberg erzählen soviel aus der Geschichte. In einer Mappe im Format DIN A 3 schlummern Minitütchen und ein Rechnungsformular mit dem Aufdruck: „Kleiner Kaufmann - Kassablock “. Und der Umschlag mit „20 Blatt Papier für Scherenschnitte“ schon leicht vergilbt, zeigt die gewohnte Aufschrift „Endverbraucherpreis M .-55“ Ihre klare Gestaltung begeistert jeden Grafik-Liebhaber.

Wie kommt man zu einem solchen Sammelgebiet, exotisch und alltäglich zugleich? „Ich bin im Alter von Anfang zwanzig nach West-Berlin gezogen, ausgerechnet am 9. November 1989 kam ich an. Die DDR schaute ich mir sofort an und drehte Filme mit meiner Super-8-Kamera“, erzählt er. Das war nicht nur ein anderes Land, mit anderer Währung und anderen Speisen. Es war zugleich eine faszinierende Zeitreise zurück in die Sechziger Jahre.

Umzug nach Prenzlauer Berg

Ein paar Monate später, im Frühjahr 1990 zog der gelernte Ergotherapeut in eine der aufgegebenen Wohnungen in Prenzlauer Berg. Dort machte er die Erfahrung, dass nicht alles so Grau in Grau war, wie es das Westfernsehen seinen Zuschauer versuchte einzubläuen. Der Grafikfan wurde zum Bewunderer der vielfältigen Aufdrucke der Verpackungen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

„In den Altstoff-Containern landete gut gestaltetes, aber unbrauchbar gewordenes Papier. Ich war schon immer bibliophil und liebte Grafik. Also rettete ich das Papier, weil es so eine besondere Ästhetik besitzt. Die Obsttüten zeigen ein geradezu liebvolles Muster. Oder auch das Geschenkpapier mit stilisierten folkloristischen Blumen.“

Funde sind Inspiration

Die Verpackungen und Papiere findet er, oder „sie finden mich“, sagt er lachend. Gezielt suchen und kaufen auf Flohmärkten etwa würde er nur ungern. „Der Reiz ist größer, wenn man unvermutet auf etwas Schönes stößt und sich darin verguckt.“ Die Sammlung dient Achim von Boxberg auch als Inspiration etwa für Grafiken des Rabenschnabel-Kalender, den der Künstler seit 25 Jahren nicht nur herausgibt, sondern auch gemeinsam mit anderen Illustratoren gestaltet.

Besucher der Falkenseer Stadtbibliothek erinnern sich an die gerade zu Ende gegangene Ausstellung wunderschöner Bucheinbände. Sie wurden in der DDR aufwendig von Künstlern entworfen und stellen ebenfalls ein Sammelgebiet Achim von Boxbergs dar.

Von Judith Meisner

Nachdem die fünf Amtsjahre der ehrenamtlichen Schiedspersonen abgelaufen sind, werden jetzt Nachfolger gesucht. Interessenten können sich bis 1. Februar bewerben.

06.01.2019

Ein 73-jähriger Mann verlor am frühen Freitagabend in Falkensee die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen einen Baum. Wie sich heraus stellte, hatte der gleiche Fahrer am selben Tag bereits einen Unfall auf der BAB 20 verursacht.

06.01.2019

Die erste öffentliche E-Ladesäule in Falkensee ist da. Doch nicht nur in der Gartenstadt ist Elektromobilität ein Thema. Landkreis, Kommunen und Privatpersonen haben die Energiewende in Angriff genommen.

04.01.2019