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Falkensee Falkensee wird kulinarisch ärmer: Das Hexenhaus macht dicht
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18:36 21.02.2019
Edmund Becker ist das kulinarische Oberhaupt des Hexenhauses und wird am meisten seine Gäste vermissen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Kochen sei vergleichbar mit einer Theateraufführung, sagt Edmund Becker. „Gerade durch unsere gläserne Küche stehen wir jeden Abend wie auf einer Art Bühne und jeder Handgriff muss sitzen, damit die Gäste rundum zufrieden sind“, erklärt der 70-Jährige.

Seit zehn Jahren betreibt Edmund Becker das Restaurant Hexenhaus im Falkenseer Stadtteil Finkenkrug. Doch am 27. April soll der kulinarische Vorhang ein letztes Mal fallen. „Nach einer so langen und tollen Zeit haben wir uns dazu entschieden, neue Herausforderungen in Angriff zu nehmen“, so Becker.

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New York, Mougins, Falkensee

Besitzer des Hexenhauses ist Lothar Hardt. Edmund Becker hat dem Haus schließlich seine kulinarische Linie verliehen. Das Kochen hat der 70-Jährige von der Pike auf gelernt. „Ich habe unter anderem die Hotelfachschule in Heidelberg besucht, das war schon 1966“, erinnert er sich.

Es folgten Stationen in New York und der französischen Kleinstadt Mougins, in der Nähe von Cannes. 14 Jahre hat Edmund Becker dort gelebt und im eigenen Restaurant gearbeitet, bevor es für ihn nach Falkensee ging.

Das Hexenhaus im Falkenseer Ortsteil Finkenkrug war auch optisch ein echter Hingucker. Quelle: Tanja M. Marotzke

Das Geschäft am Berliner Stadtrand und dann auch noch im Stadtteil Finkekrug sei dabei nicht unbedingt leicht gewesen. „Wir sind hier eine absolute Destinationsgastronomie, die Leute müssen bewusst zu uns kommen, Laufkundschaft gibt es hier nicht“, so Becker. Daher sei es umso wichtiger, dass das Essen und die verwendeten Produkte auf ganzer Linie überzeugen.

„Die Herkunft der Lebensmittel spielt dabei eine wesentliche Rolle“, betont Edmund Becker. Allein mit außergewöhnlichen Gerichte, könnten die Gäste heute jedoch längst nicht mehr begeistert werden.

„Die Menschen reisen heute so viel und sammeln überall ihre eigenen kulinarischen Eindrücke, das war vor 30 Jahren noch ganz anders“, so Becker.

Prinzip der offenen Küche

Ein Restaurantbesuch müsse heute schon ein kleines Erlebnis sein. Im Hexenhaus begann dies oft schon kurz nachdem die Gäste das Restaurant betreten haben. „Da sie erstmal an der Küche vorbei müssen, um in den Gastraum zu gelangen, habe ich einige gerne gleich mal zur Seite genommen und ihnen etwas zum Probieren gegeben“, erzählt Edmund Becker. So etwas käme bei den Gästen immer gut an.

Diese werde Becker auch am meisten vermissen, wenn er Ende April das Hexenhaus zuschließt. Was genau aus dem Gebäude wird, sei derzeit noch offen. „Es kann als Seminar- und Tagungshaus genutzt werden, möglich wäre auch ein Verkauf. Das steht aber alles noch nicht fest“, erklärt er.

Becker will auch mit 70 nicht aufhören

Edmund Becker selbst will sich auch mit 70 Jahren noch nicht zur Ruhe setzen. „Ich werde Lothar Hardt bei seinen weiteren Projekten unterstützen. Wir planen unter anderem ein gastronomisches Angebot in einem neuen Wohnkomplex in Caputh“, so Becker.

Und dann habe er ja auch noch seinen Foodtruck, der ab Mitte April an den Start gehen soll und für die vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung steht.

„Wenn man etwas mit Leideschaft macht, dann kann man nicht einfach zu Hause rumsitzen. Und ich bin seit jeher leidenschaftlicher Gastgeber“, erklärt der 70-Jährige seinen Tatendrang.

Von Danilo Hafer