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Falkensee Grundschüler befreien ihre Stadt vom Müll
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11:25 01.04.2019
Bei ihrer Müllsuche am Umwelttag fanden die Kinder am Samstag auch ein dickes Metallkabel, das anschließend – wie viele andere Dinge – entsorgt wurde.
Bei ihrer Müllsuche am Umwelttag fanden die Kinder am Samstag auch ein dickes Metallkabel, das anschließend – wie viele andere Dinge – entsorgt wurde. Quelle: Vivien Tharun
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Falkensee

Die Kinder stellten überrascht fest, dass der kleine Hain in der Nähe des Finkenkruger Penny-Markts noch recht sauber ist. Im vorigen Jahr hatten sie gar nicht gewusst, wie sie in nur zwei Stunden das kleine Waldstück vom Müll befreien sollen – so viel lag dort.

Vor allem Jugendliche würden dort immer viel Abfall hinwerfen. Am 25. Falkenseer Umwelttag am Samstag war der Aufräumtrupp aber nach nur 15 Minuten dort fertig.

Die meisten der Kinder besuchen die Klasse 3a der Lessing-Grundschule in Finkenkrug. Sie hatten ihre Lehrerin Doreen Trautermann, Eltern, Geschwister, Freunde und Nachbarn mitgebracht. Plastikmüll fanden sie auf diesem Abschnitt zwar nur wenig, doch etwas Besonderes lag dort am Boden: Eine Signalanlage für den Bahnverkehr.

Die Deutsche Bahn wird informiert

Jemand muss diese mutwillig zerstört und dort hingebracht haben. Sie war allerdings so schwer, dass vier Väter sie nicht aus dem Wäldchen tragen konnten. Stattdessen wurde beschlossen, die Deutsche Bahn zu informieren. Die Kinder fragten sich, wie die Anlage dort hinkam und wer es gemacht hat.

Nicht nur die Erwachsenen waren am Samstag auf der Suche nach illegal entsorgtem Müll, sondern auch Kinder beteiligten sich daran. So säuberten Schüler der Lessing-Grundschule ein Waldstück von Ablagerungen. Insgesamt beteiligten sich in Falkensee mehrere 100 Menschen an der Aktion, die zum 25. Mal durchgeführt wurde.

„Der Umwelttag ist für die Kinder ein bisschen wie eine Schatzsuche“, sagte Lehrerin Trautermann. Sie ist die Klassenlehrerin und hat mit den Kindern im Sachkundeunterricht seit der 1. Klasse wiederholt über Recycling und Müllvermeidung gesprochen. Die Kinder seien von dem Thema so angetan, dass sie auch ihre Eltern dafür begeistern können, meinte sie.

Entwertete Pfandflaschen gefunden

Und weil Kinder und Erwachsene nicht schon nach 15 Minuten aufgeben wollten, ging die rund 40 Personen große Gruppe in ein Wäldchen, das sich ebenfalls neben der Bahnstrecke befindet. Dort fanden sie weitere Dinge, die ihnen Rätsel aufgaben.

Zum Beispiel einen riesigen Plastiksack mit den entwerteten Pfandflaschen eines Discounters. Außerdem massenweise Werbeflyer und Gratis-Zeitungen. Einige Eltern vermuteten, dass ein Bote wohl keine Lust hatte, die Druckerzeugnisse auszutragen.

Eine der Mütter, Ines Bruns, macht schon seit sechs Jahren mit ihren Schulkindern beim Umwelttag mit. „Die Kinder finden es besonders toll, Müll mit einem Greifer einsammeln zu können“, sagte sie.

Technik und Funktionsweise des Greifarms würden die Sammelaktion noch einmal besonders interessant für den Nachwuchs machen. An sich selbst habe sie beobachtet, dass es leichter sei, sich für das eigene Umfeld einzusetzen, als für entfernte Gegenden. „Wenn es einen direkt betrifft, macht man eher etwas“, sagte sie.

Spannendster Fund war ein Motorrad

Anfangs sammelte die Klasse noch Müll im Bredower Forst, wie Lehrerin Trautermann berichtete. „Da war unser spannendster Fund ein halbes Motorrad.“ Klasse und Angehörige hörten vorerst auf, dort zu sammeln, weil immer weniger Müll zusammenkam: „Wir vermuten, dass die Leute ihren Abfall nur dorthin schmeißen, wo schon welcher liegt“, sagte Trautermann. Je sauberer es sei, desto weniger würde auch abgeladen. „Das ist wohl der Nachahmeffekt.“

Die Aufräumaktion des Umwelttags ging in Falkensee offiziell von 9 bis 12 Uhr. Die Schulkinder sind immer von 9 bis 11 Uhr im Einsatz. „Länger wäre für die Kinder noch zu viel“, sagte die Klassenlehrerin.

54 Einzelanmeldungen

Erstmals seit 25 Jahren gab es 54 Einzelanmeldungen für den Falkenseer Umwelttag. Die Teilnehmerzahl wird auf einen höheren dreistelligen Bereich geschätzt. Das ist neuer Mitmach-Rekord beim Umwelttag in Falkensee.

Insgesamt sind gut 65 Kubikmeter fester Siedlungsabfall, 35 Autoreifen, drei Kühlschränke und ein Kubikmeter Bauschutt zusammengekommen, wie Mike Krzok, Fachbereichsleiter Grünflächenpflege der Stadt Falkensee, mitteilt. Dazu kommen noch viele Farbbehälter.

Von Vivien Tharun