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Falkensee Strickgruppe bringt Menschen zusammen
Lokales Havelland Falkensee Strickgruppe bringt Menschen zusammen
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15:50 01.04.2019
In lockerer Runde treffen sich die Frauen immer freitags zum stricken. Auch Männer können mitmachen. Quelle: Foto: Vivien Tharun
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Falkensee

Mit einer kleinen Glocke hat 2015 alles begonnen. Damals lief Petra Starke durch die Notunterkunft im ehemaligen Agon-Gebäude von Falkensee. Den einen Arm bepackt mit Stricksachen, mit der Hand des anderen schellte sie das Glöckchen. Für die geflüchteten Frauen läutete Starke so immer die gemeinsame Strickrunde „Miteinander verstrickt“ ein.

Sozialer Anlaufpunkt

„20 aktive Teilnehmer waren wir zu der Zeit“, sagt Starke. Jetzt hat sich vieles geändert. Die Agon-Unterkunft gibt es nicht mehr. Die Geflüchteten wohnen nun entweder in eigenen Wohnungen oder in der Unterkunft An der Lake oder in Schönwalde. Und so musste die Strickgruppe sich neu organisieren, deren Ziel es vor allem ist, einen sozialen Anlaufpunkt zu bieten und dabei noch kreativ zu sein.

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Freitag ist Stricktag

„Wir haben den Termin extra auf den frühen Freitagnachmittag gelegt“, sagt Mitorganisatorin Caren Busch. Da hätten die meisten der muslimischen Teilnehmerinnen Zeit, weil die anderen Familienmitglieder in der Moschee seien.

Zu denen, die regelmäßig zu „Miteinander verstrickt“ kommen, gehört Nagla. Sie lebt in der Unterkunft An der Lake und ist eine kleine ältere Frau, die nicht viel spricht - verstehen kann sie aber alles. Und so kommt es manchmal vor, dass sie plötzlich über einen Witz loslacht, den die anderen machen.

Kleine Änderungshilfe

Nagla wird manchmal von Petra Starke zur Strickgruppe gefahren und danach wieder zurück gebracht. Eigentlich näht sie lieber als zu stricken. Und weil sich das bereits herumgesprochen hat, kommen immer wieder junge Menschen zu ihr, die ein Kleidungsstück geändert haben möchten.

So auch an diesem Freitag. Ein junger Mann hat eine Markenjeans auf einem Flohmarkt gekauft und bringt diese nun zu Nagla. „Mit der Maschine ist das schnell geändert“, sagt er noch. Aber Nagla lacht: Sie sei zu alt, um mit der Maschinennäherei anzufangen. Sie mache das alles noch per Hand - und fast genauso schnell, lacht sie. Die Hose legt sie aber erst einmal zur Seite. An diesem Tag möchte sie noch einen Kinderschal beginnen, den sie dann in der Einrichtung verschenkt. Nagla gehört zu den wenigen, die es immer noch regelmäßig zu den Treffen der Strickguppe schafft.

Schwierige Anreise

Busch, Starke und Ellen Krauskopf halten die Strickgruppe zusammen, doch es ist in letzter Zeit schwerer geworden, alle Mitstricker an einen Tisch zu bekommen.

Das liegt unter anderem daran, dass einige Frauen kein Auto haben, um von der Schönwalder Einrichtung nach Falkensee zu fahren. „Wir würden uns freuen, wenn sich ein Fahrer oder eine Fahrerin finden würde, um die Frauen zur Gruppe zu bringen“, sagt Busch.

Willkommen in Falkensee

Seit einigen Wochen trifft sich die Gruppe an der Bahnhofstraße 84, wo die Initiative „Willkommen in Falkensee“ ihre Räume neu bezogen hat. „Miteinander verstrickt“ gehört zu den Angeboten der Initiative.

Im B84 sitzen die Strickenden im Kinderbereich. Das Garn und die Stricknadeln muss Petra Starke immer mitbringen, da noch ein abschließbares Sideboard im Raum fehlt, in dem alles gelagert werden kann. „Wegen der Kinder hier muss es ein abschließbares Sideboard sein“, sagt Starke. Wer eines spenden möchte, kann sich bei der Initiative melden. Garn, so sagen Starke und Busch, gebe es dagegen mehr als genug. Viel würde gespendet.

Mitmachen beim Ateliertag

Am 4. und 5. Mai ist in Sabine Waldners „Perlateria“ an der Seepromenade 52 von Falkensee beim Tag des offenen Ateliers dabei.

Die Strickgruppe „Miteinander verstrickt“ stellt dann ihre Handarbeitsstücke vor und bietet sie zum Verkauf an.

Dieses Garn verarbeiten die insgesamt acht aktiven Strickerinnen zu Deckchen, Schals und Socken, die sie dann auf einem Markt verkaufen. „Zum einen macht das die Frauen stolz, wenn sie etwas selbst gemachtes verkaufen, zum anderen kommen die Einnahmen wieder der Strickrunde zugute“, sagt Starke. Neben neuen Stricknadeln hat die Gruppe auch Ausgaben für Kaffee und Kuchen, die gedeckt werden müssen.

Von Vivien Tharun