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Falkensee Familienprojekt: Dringend benötigte Alltagshilfe
Lokales Havelland Falkensee Familienprojekt: Dringend benötigte Alltagshilfe
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07:47 14.12.2018
Familie Lerch (Name geändert) lebt im ASB-Familienprojekt in Falkensee.
Familie Lerch (Name geändert) lebt im ASB-Familienprojekt in Falkensee. Quelle: Foto: Laura Sander
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Falkensee

Nach einem Wasserschaden war das Zuhause von Familie Lerch (Name geändert) nicht mehr bewohnbar. Es fing an zu schimmeln, der Vermieter kümmerte sich nicht. Der Wohnungsmarkt bot der fünfköpfigen Familie, die damals noch in Grünefeld lebte, keine Perspektiven. Mutter Ulrike arbeitete in Vollzeit als Altenpflegerin in Börnicke, Vater Steven kümmerte sich um die drei Kinder und den Haushalt. „Ich habe damals sehr viel gearbeitet und war selten Zuhause. Wir haben einfach nicht mehr an einem Strang gezogen“, erinnert sich Mutter Ulrike. Gemeinsam mit ihrem Familienhelfer, der die Grünefelder im Alltag unterstützte, trat die Familie an den ASB heran, holte sich Hilfe.

In Falkensee ist die Familie angekommen

Seit rund einem Jahr lebt Familie Lerch nun in einer Wohnung des ASB-Familienprojektes. In Falkensee fühlen sie sich wohl, hier sind sie angekommen. Ulrike Lerch hat mittlerweile einen neuen Job in Berlin und ist wieder öfter Zuhause. Regelmäßig finden Elterngespräche statt, die Zusammenarbeit mit ihren Bezugsbetreuern ist sehr eng. „Wir haben den Schritt nie bereut. Hier konnten wir noch einmal neu anfangen“, sagt Steven Lerch.

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Liebe Leser, Sie können auch 2018 wieder dafür sorgen, dass die Aktion ein Erfolg wird.

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Im Jahr 2000 startete das Projekt mit zwei Familien. „Heute betreuen wir bis zu 20 Familien zeitgleich“, erzählt Ulrike Pohl, die das Projekt leitet. Ihr Team, das aus knapp 30 Sozialarbeitern, Erziehern und Psychologen besteht, agiert an zwei Standorten in Falkensee. Es hat sich zum Ziel gesetzt, durch intensive Arbeit mit der ganzen Familie eine Fremdunterbringung der Kinder zu verhindern oder eine Re-Integration zu ermöglichen und die familiären Strukturen zu stärken. In jeder Wohnung in der Ruppiner Straße sowie im Falkenhorst befindet sich ein Büro für die Betreuer. „Das unterscheidet uns von der ambulanten Hilfe. Nur so können wir die Familien unverstellt in ihrem Alltag erleben und gemeinsam daran arbeiten, dass sie nach Ende des Projektes wieder selbstständig zusammenleben“, so Pohl weiter.

Ohne fremde Hilfe kein Ausweg

Es geht um Eltern, die sich in der momentanen Situation gefangen fühlen und ohne fremde Hilfe keinen Ausweg finden, Familien, die den Anforderungen des Alltag nicht mehr gewachsen sind und die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr erfüllen können. Hinzu kommen oft Arbeitslosigkeit, Schulden oder – wie im Fall von Familie Lerch - eine unzureichende Wohnungssituation.

Eltern unterstützen

„Neben der Arbeit mit der ganzen Familie versuchen wir auch immer, Eltern zu unterstützen und sie zu einem Schulabschluss, einer Berufsausbildung oder Fortbildungen zu ermutigen“, sagt Ulrike Pohl und weiter: „Unser Projekt ist recht einzigartig und daher sehr nachgefragt. Wir bekommen Anrufe aus ganz Deutschland.“ Rund 120 Familien wurden bislang im ASB-Familienprojekt betreut. Die Erfahrung zeige, dass immerhin rund 70 Prozent der Familien zusammen bleiben können, so Ulrike Pohl.

Wohnungsnot im Berliner Speckgürtel

In der Regel leben die Familien einige Jahre lang im Projekt. Sind sie dann bereit, wieder auf eigenen Füßen zu stehen, ziehen sie in eine eigene Wohnung und werden noch weitere drei Monate vom ASB nachbetreut. Eine Wohnung zu finden, sei derzeit jedoch recht problematisch. „Die Wohnungssituation in Falkensee ist verheerend für unsere Familien. Teilweise müssen sie so weit weg ziehen, dass ihnen ihr soziales Umfeld wieder komplett wegbricht“, weiß Ulrike Pohl.

Auch Familie Lerch hofft, dass sie nach Beendigung des Projektes nicht am örtlichen Wohnungsmarkt scheitert.

Von Laura Sander