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Falkensee Bücherflut im Zeichen Fontanes
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10:40 25.06.2019
Fontane auf Wanderschaft: Das Museum Falkensee widmet ihm eine Ausstellung. Quelle: Marlies Schnaibel
Falkensee

Theodor Fontane war ein akribisch arbeitender Mann. Und er hatte die Gabe, das Akribische nicht ins Pedantische, sondern ins Anregend-Unterhaltende zu wenden. Vielleicht ein Grund mit, dass seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg ein publizistischer Dauerbrenner wurden. Und immer noch sind. Im Jahr, da der 200. Geburtstag des Dichters gefeiert wird, wird kräftig weiterpubliziert. Falkensee hat dazu einen besonders feinen Beitrag geleistet.

Notizbücher entdeckt

Das Museum der Stadt Falkensee hat mit der Ausstellung „Brandenburger Notizen“ auch eine sehr ansprechende Buchpublikation ermöglicht. Die Ausstellung präsentiert die erst vor Kurzem erschlossenen Notizbücher Fontanes mit den Arbeiten von zwei Fotografen: Zwischen 1963 und 1970 hatte sich der in Falkensee lebende Fotograf Heinz Krüger für eine Buchproduktion an Fontane-Orte begeben. „Von Rheinsberg bis zum Müggelsee – Märkische Wanderungen Theodor Fontanes“ war das Buch überschrieben. Jetzt hatte der in Berlin lebende Fotograf Lorenz Kienzle dazu seine aktuelle Sicht beigesteuert. Er ließ sich dabei vom Nachlass Krügers ebenso inspirieren wir von Fontanes Notizen.

Auch da schlägt Akribie in Poesie um. So hatte Fontane 1869 das Belvedere bei Paretz besucht, einen großen runden Kaffeetisch und 12 Stühle fand er vor. „Weiter kein Schmuck als 30 größere und kleinere Theater- und Circuszettel aus allen Ländern Europas. Eine höchst merkwürdige Zusammenstellung.“ Und dann hat Fontane alle dieser merkwürdigen Zettel abgeschrieben. Wie erfahren vom Ballet „Der Polterabend“, lesen von dramatischer Abend-Unterhaltung im Palais des Königlichen Prinzessinnen, von der Vorstellung der Bajaderen aus Indien, vom Theatre Royal les Comediens Francais du Roi und vom italienischen Real Teatro S. Carlo.

Auf der Suche nach Belvedere

Mit diesem Wissen ausgestattet suchte Lorenz Kienzle die Landschaft auf, das Belvedere auf dem Hohensberg bei Knoblauch ist längst abgerissen, Kienzle fotografierte die Fundamente und er fotografierte die Paretzer Dorfstraße „Auf der Suche nach Theaterzetteln“, er fand jede Menge herum wehende Papiere.

Kienzle findet Antworten auf Fontane und auf Krüger. Dabei versinkt er manchmal in efeuumrankte Ruinenromantik, setzt an anderer Stelle mit dem Döner-Imbiss ein klares Zeichen der Gegenwart. Alles in Schwarz-Weiß-Aufnahmen von hoher Perfektion.

Lorenz Kienzle fotografierte im Menzer Forst. Quelle: Lorenz Kienzle

Das Falkenseer Museum verwahrt den fotografischen Nachlass von Heinz Krüger, darunter auch die Negative für die Buchproduktion von 1971. Diese Negative hatte Lorenz Kienzle gesichtet: „Bei der Arbeit mit dem Archiv von Heinz Krüger, vor allem mit seinen Negativen, hatte ich oft das Gefühl, ihm direkt beim Fotografieren zugesehen zu haben.“

Über die Schulter geschaut

Und vielleicht ist es mit den Notizbüchern Fontanes, 67 Kleinoktav-Bände sind vorhanden, auch so, als würde die Nachwelt Fontane bei den Wanderungen über die Schulter geschaut haben. Wie er vom Belvedere Skizzen macht, wie er die Theaterzettel abschreibt und sich wohl amüsiert, denn wir erfahren auch, dass Fräulein Charlotte von Hagn unpässlich ist.

Die wiederentdeckten Notizbücher sind ein kleiner Schatz, die Hebung dieses Schatzes ist auch Gabriele Radecke von der Universität Göttingen und der dortigen Fontane-Arbeitsstelle zu verdanken, die für den Katalog ein Nachwort beigesteuert hat.

Begleitband erschienen

So wie sich Krüger vor mehr als 50 Jahren von Fontanes Wanderungen zu einer Buchproduktion anregen ließ, so ließ sich Kienzle heute von Fontane und Krüger zu seinem Projekt führen. Eine publizistische Kettenreaktion.

In dem aktuellen Bildband sind mehr als 100 Aufnahmen enthalten. Möglich wurde der Katalog, weil die Falkenseer Ausstellung finanziell von der Kulturkampagne des Landes Brandenburg unterstützt wurde.

Finissage mit Robert Rauh und Fontanes Frauen

Der Historiker und Autor Robert Rauh ist Gast der Finissage zur Fontane-Fotoausstellung im Falkenseer Museum am 30. Juni ab 15 Uhr.

Seit 2015 arbeitet Rauh an der Adaption von Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Entstanden sind Bücher „Fontanes Fünf Schlösser“ und „Fontanes Ruppiner Land“.

Mit „Fontanes Frauen“ ist ein Buch überschrieben, für das Robert Rauh sich auf den Weg gemacht hat, um das Schicksal von fünf Frauen nachzuspüren, die das Werk Fontanes beeinflusst haben. Der Leser begegnet Elisabeth von Ardenne, dem Vorbild von Effi Briest, ebenso wie der Fontane-Tochter Mete oder der skandalumwehten Charlotte von Kraut.

Die Ausstellung im Falkenseer Museum endet am 30. Juni mit einer Finissage. Dann ist noch einmal der Fotograf Lorenz Kienzle zu Gast. Er ist dann im Gespräch mit dem Historiker und Autor Robert Rauh, der zur publizistischen Fontane-Welle auch einiges beigetragen hat. Unter anderem „Fontanes Ruppiner Land“ und „Fontanes Frauen“. Und das ist ja auch ein schönes weites Feld.

„Brandenburger Notizen: FontaneKrügerKienzle“ ist im Verlag für Berlin-Brandenburg VBB Berlin erschienen.

Von Marlies Schnaibel

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