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Falkensee Für Chancengleichheit: Zwei Falkenseer reisten quer durch Deutschland
Lokales Havelland Falkensee Für Chancengleichheit: Zwei Falkenseer reisten quer durch Deutschland
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10:34 28.11.2019
Carola Szymanowicz (r.) und Sohn Thomas (2.v.l.) reisten quer durch Deutschland und stellten dabei einen Rekord auf. Quelle: privat
Falkensee

Quer durch Deutschland führte Carola und Thomas Szymanowicz ihre Fahrt mit der Reisegruppe „Niemand“. 348 Zwischenhalte, 28 Bahnhöfe und alle 16 Landeshauptstädte ließen sie hinter sich, um gemeinsam mit drei Mitstreitern, alles Menschen mit einer Behinderung, auf Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes aufmerksam zu machen. „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, heißt es dort. Der Satz wurde vor 25 Jahren ins Grundgesetz geschrieben.

Reisegruppe stellte Rekord auf

„Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein und die Bevölkerung auf dieses Recht aufmerksam gemacht zu haben. Denn auch nach 25 Jahren gibt es noch immer viel zu tun“, sagt Carola Szymanowicz. Die 74-jährige Falkenseerin ist seit ihrer Geburt gehörlos, kann aber sprechen. In ihrem Alltag stellt sie dies dennoch immer wieder vor große Herausforderungen. Das merkte sie auf der Fahrt quer durch Deutschland, mit der die Reisegruppe sogar einen Weltrekord aufgestellt hat. In 76 Stunden schafften sie es quer durch Deutschland. Und das alles nur mit Regionalzügen.

„Als gehörloser Mensch wird man schnell aus der Kommunikation ausgeschlossen, wenn niemand dabei ist, der Gebärdensprache beherrscht“, sagt Carola Szymanowicz. Die Falkenseerin kann zwar auch von den Lippen ablesen, die Gebärdensprache, die in Deutschland erst seit wenigen Jahren anerkannt ist, ersetze dies aber nicht.

Viele Nachteile im Alltag

Gehörlose Menschen seien schon im Nachteil, wenn das Zugpersonal eine Ansage macht, das Gesprochene aber auf keinem der Bildschirme im Zug noch einmal wiedergegeben wird. „Im Zweifel sitzt man dann dort und weiß nicht, dass man hätte umsteigen müssen.“ Untereinander fand die Gruppe trotz verschiedener Behinderungen immer einen Weg, sich zu verständigen. „Ein blinder Mitreisender nutzte sein Telefon als Übersetzer, von dem wir Gehörlose ablesen konnten, was er gesagt hat“, erzählt die studierte Diplom-Ingenieurin.

Während ihrer Fahrt begegneten Carola Szymanowicz und ihr Sohn Thomas, der an einer Lernschwäche leidet, immer wieder Bekannten, die sie von ihrem langen Einsatz für mehr Menschenrechte kennen. Diese gaben der Reisegruppe Botschaften und Bilder mit auf den Weg. Denn das Ziel war klar: das Bundespräsidialamt in Berlin. Doch der Weg dorthin war steinig, vor allem die letzten Meter.

Der Bundespräsident hatte keine Zeit

„Wir waren zwar angemeldet, konnten unsere Botschaften aber nur an einen Vertreter des Bundespräsidialamtes übergeben, da der Bundespräsident einen Staatsbesuch hatte“, erzählt Hans-Joachim Szymanowicz, der die Reisegruppe auf den letzten Metern ab Falkensee begleitete. Da aus Sicherheitsgründen eine Straße gesperrt war, musste die Gruppe zunächst in der Kälte ausharren, bis sie jemand in Empfang nahm. „So hatten wir uns das Ende der Reise nicht vorgestellt“, sagt Hans-Joachim Szymanowicz.

Das Falkenseer Ehepaar setzt sich schon seit vielen Jahren für die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen ein, waren unter anderem in der Lebenshilfe Falkensee aktiv und bringen sich auch politisch ein. „Dabei bekommen wir immer häufig den Satz zu hören: ’Alle Wünsche können nicht erfüllt werden’ oder, dass das Geld fehlt“, sagt Carola Szymanowicz.

Gebärdensprache als Unterrichtsfach

Als Gehörlose wünscht sich die Falkenseerin vor allem ein Unterrichtsfach Gebärdensprache. In anderen Ländern, etwa in Kanada oder den USA, sei die Gebärdensprache schon viel selbstverständlicher als in Deutschland.

„In Kanada können 20 Prozent der Menschen Gebärdensprache und auch viele Menschen in öffentlichen Berufen, wie Feuerwehrmänner, Polizisten oder Sanitäter, besitzen zumindest Grundkenntnisse“, erzählt Hans-Joachim Szymanowicz.

Von Danilo Hafer

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