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Falkensee Hausverbot: Jetzt ergreifen die Schüler Partei für ihren Lehrer
Lokales Havelland Falkensee Hausverbot: Jetzt ergreifen die Schüler Partei für ihren Lehrer
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15:55 28.03.2019
Die Affäre um einen Lehrer am Vicco-von-Bülow-Gymnasium geht weiter. Was ihm vorgeworfen wird, ist unklar. Quelle: Marlies Schnaibel
Falkensee

Der Fall des zeitweilig verstoßenen Gymnasiallehrers Holger Kapp bleibt diffus. Nach wie vor schweigen alle Beteiligten zu den Details des temporären Hausverbots, das gegen den Lehrer des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums ausgesprochen wurde.

Auch die SVV bringt kein Licht ins Dunkel

So wurde die Frage nach dem Warum auch in der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend nicht geklärt. Die Verwaltung wollte sich öffentlich zu dem Thema jedenfalls nicht äußern.

Bürgermeister Heiko Müller will sich öffentlich nicht zum Thema äußern. Quelle: Tanja M. Marotzke

Dennoch schlug das Schreiben des Lehrers, das er vor einigen Tagen selbst öffentlich machte, natürlich hohe Wellen. So nutzten aktuelle und ehemalige Schüler die Einwohnerfragestunde, um das Wort und Partei für die Lehrkraft zu ergreifen.

>>LESEN SIE AUCH: Hausverbot für Lehrer: Die Beteiligten schweigen

Bürgermeister Heiko Müller ließ sich davon nicht beirren: „Ich habe keine persönliche Abneigung gegen Herrn Kapp, werde jedoch schulinterne Dinge nicht öffentlich kommentieren“, sagte er.

Der zwischenzeitlich an seiner Schule mit einem Hausverbot belegte Lehrer vom Bülow-Gymnasium in Falkensee meldet sich...

Gepostet von MAZ Havelland am Dienstag, 26. März 2019

„Es sind neben Holger Kapp noch weitere Personen beteiligt und Persönlichkeitsrecht hat immer Vorrang. Ich würde gerne öffentlich zum Vorgang Stellung nehmen, kann es aus diesem Grund jedoch nicht“, begründete Müller sein andauerndes öffentliches Schweigen zu der Angelegenheit.

Lehrer erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung

Indes erhebt Holger Kapp in einem der MAZ vorliegenden Schreiben teils schwere Anschuldigungen sowohl gegen den Leiter der IT-Abteilung der Stadt als auch gegen die Schulsekretärin. Der Lehrer listet in seinem Brief eine Reihe von angeblichen Missständen auf, für die er die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren laut eigener Aussage kritisiert und immer wieder auf Unzulänglichkeiten hingewiesen hätte.

Ein bestimmter Vorfall veranlasste den Lehrer schließlich, den schulinternen Streit öffentlich zu machen: Nachdem der Bürgermeister am 8. März ein vom Staatlichen Schulamt Neuruppin angewiesenes Hausverbot übermittelt und durchgesetzt hatte, witterte Kapp ein Überschreiten der Kompetenzen seitens Müller.

Der Lehrer, der Teil der Schulleitung am Bülow-Gymnasium ist, hatte sich mit seinem Fall in der Folge schriftlich an die Falkenseer Stadtverordneten gewandt und die Abgeordneten um Unterstützung in der Angelegenheit gebeten.

Kapps Schreiben erreicht einige Abgeordnete erst spät

Dieser Brief trägt das Datum 13. März 2019. Warum das Schreiben viele Falkenseer Stadtverordneten offensichtlich erst am Dienstag, 26. März, erreichte, fragte in der SVV am Mittwochabend Amid Jabbour: „Ich habe erst aus der Presse davon erfahren. So ein Brief ist unverzüglich weiterzuleiten“, beklagte der FDP-Abgeordnete.

>>Hier lesen Sie einen Kommentar zu der Posse am Bülow-Gymnasium

Dass das Kapp-Schreiben nicht mutwillig zurückgehalten wurde, antwortete die Grünen-Abgeordnete Anne von Fircks. Sie hatte den Brief von Kapp frühzeitig erhalten.

Die SVV-Abgeordnete Anne von Fircks. Quelle: Hans-Peter Theurich

„Ich habe mit Herrn Kapp telefoniert, er hat das Schreiben nach bestem Gewissen an die Abgeordneten verteilt.“ Barabara Richstein (CDU) sagte, sie habe von dem Lehrer zwei Mails erhalten, in dem dieser bittet, seinen Namen unter Verschluss zu halten.

Was ihm vorgeworfen wird, ist weiter nicht bekannt

Welche genauen Verfehlungen ihm seitens des Schulamtes überhaupt vorgeworfen werden, sagt Holger Kapp allerdings bisher auch nicht. Wie es heißt, soll das interne Arbeitsklima in der Schule der Grund für die zeitweise Suspendierung gewesen sein. So gelte Kapp durchaus als Querulant, der wiederholt unbequeme Fragen stellte. Möglich, dass er gerade deshalb bei der Schülerschaft beliebt ist.

Ach ja, die Schüler. Einige aktuelle und ehemalige ergriffen am Mittwoch öffentlich Partei für ihren Lehrer: „Herr Kapp ist unser Oberstufenkoordinator und setzt sich für uns ein. Er organisiert seit Jahren den Israel-Austausch und unterstützt die Schülerzeitung“, sagte Schülerin Anaiis von Fircks vor den Parlamentariern.

Aktuelle und ehemalige Schüler ergreifen Partei für Kapp

Ob die Stadtverordneten über die Zustände am Vicco-von-Bülow-Gymnasium bescheid wüssten, fragte Ex-Bülow-Schülerin Martina Freisinger: „Ich habe 2016 mein Abitur gemacht und war in der Schülerzeitung aktiv. Schüler, die sich kritisch geäußert haben, wurden regelrecht von der Schulleitung drangsaliert. Die Zeitung wurde vor dem Druck sogar kontrolliert“, klagte die Ehemalige.

Sie selbst sei verantwortlich für einen Artikel über die Anzahl von Kopien der Arbeitsblätter, der zum kurzzeitigen Verbot der Zeitung geführt haben soll. „Bislang war mir der Vorgang nicht bekannt, ich habe ihn mir allerdings vorlegen lassen. Die Stadtverwaltung hat inhaltliche und formelle Hinweise gegeben, es ging zu keiner Zeit um ein Verbot der Schülerzeitung“, entgegnete Bürgermeister Heiko Müller. Unter anderem habe ein Impressum gefehlt.

Von Laura Sander und Philip Rißling

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