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Falkensee Neue Tafeln nach Diebstahl im Geschichtspark
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00:22 01.05.2019
Museumsleiterin Gabriele Helbig zeigt den Besuchern des Geschichtsparks eine von drei neuen Stelen. Seit gut 10 Tagen steht an den drei Eingängen zum Park jeweils eine solche Informationstafel. Quelle: Vivien Tharun
Falkensee

Die Landschaft im Geschichtspark erzähle hier viele Geschichten, sagt Museumsleiterin Gabriele Helbig. Von der Eiszeit zum Nationalsozialismus. Von der DDR bis zum wiedervereinten Deutschland. Darum wurden die Wege so angelegt, wie sie heute sind. Sie führen einmal rund um die Geschichte des Areals.

Information an den drei Eingängen

An den drei offiziellen Eingängen zum Park steht nun jeweils eine Stele, auf der die Wege und die ehemaligen Standorte der Gebäude aus der NS-Zeit verzeichnet sind. Dazu kommt eine Zusammenfassung der Historie des KZ-Außenlagers und eine alte Luftaufnahme.

Gabriele Helbig führt am Sonnabend – genau 74 Jahre nach der Befreiung des Lagers – eine Gruppe interessierter Falkenseer durch den Geschichtspark und macht auf die neuen Stelen aufmerksam. Mit Schildern ist das dort so eine Sache: „Nicht nur die Tafeln aus Bronze sind über die Zeit gestohlen worden, sondern auch die Schilder aus Eisenguss“, sagte Helbig. Kleine weiße Blöcke aus Beton sind die Träger dieser Schilder gewesen. Verteilt stehen sie im Park vor Fundamenten, deren frühere Funktion sich nicht mehr von selbst erklärt.

Nicht nur Tafeln aus Bronze sind über die Jahre vom Gelände gestohlen worden. Auch Schilder aus einfachem Eisenguss wurden abgeschraubt. Quelle: Vivien Tharun

„Der T-förmige Grundriss war das Küchengebäude“, erklärte Helbig und zeigt auf eine Karte an einer Tafel neben der letzten stehenden Baracke. Ohne diese Führung wäre das nicht ohne Weiteres ersichtlich. Das Falkenseer Museum bietet diese Führungen in regelmäßigen Abständen und nach Vereinbarung an. Das Interesse für diesen Ort ist da.

Außenlager von Sachsenhausen

Eine Dame aus der Gruppe sagt, sie habe schon immer in Falkensee gelebt, doch das KZ-Gelände habe sie als Jugendliche in der DDR nicht wahrgenommen. „Der Fokus der Schulen lag auf dem Hauptstandort Sachsenhausen“, sagte Helbig. Aufarbeitungsunterricht habe eher dort als im Außenlager stattgefunden. „Damals in der DDR wie heute liegt es im Ermessen der einzelnen Lehrer, wie und wo sie den Nationalsozialismus behandeln“, sagte die Museumsleiterin.

Bewusster Rundgang

Renate Fabianski war vor ihrem Ruhestand Lehrerin: „Als Lehrerin war ich mit Schülern hier. Aber so bewusst wie heute bin ich noch nie durch den Park gegangen.“ Auch sie wohnt schon lange in Falkensee und das Gelände war für sie selbstverständlich.

Stadt kaufte Areal

Nach der Wende hatte die Stadt das Areal gekauft, Fundamente wieder sichtbar gemacht und die Wege planen lassen. Gelder vom Land Brandenburg zum Erhalt gibt es nur in geringem Maße. Zum Beispiel als Zuschuss für die neuen Info-Stelen. „Aber das Hauptaugenmerk zum Erhalt liegt auf dem KZ Sachsenhausen“, sagte Helbig.

Illegales Lagerkomitee

Die Häftlinge im Außenlager Falkensee hielten über Nationen hinweg zusammen. Sie bildeten ein illegales Lagerkomitee, um auf die Wachen einwirken zu können.

In den letzten Tagen des Lagers 1945 schaffte es das Komitee, die Wachen davon zu überzeugen zu fliehen, anstatt auf die Häftlinge loszugehen. Anderenorts ging die Aufsicht mit Gewalt gegen Aufstände vor.

Häftling Bruno Schulz, der als Lagersanitäter eingesetzt war, sagte: „So konnten wir am 26. April 1945 frei aus dem Lager heraus.“

Zwischen 1600 und 2500 Männer aus nahezu allen Ländern Europas waren in neun Baracken, den sogenannten Blocks, des Lagers untergebracht.

Die letzte Falkenseer Baracke darf nicht mehr betreten werden, sie ist einsturzgefährdet. „Wir hoffen, dass das Dach in diesem Jahr gesichert wird“, sagte die Museumsleiterin. Durch die Firma Schulz und Drischner, die sich mit Bauhistorie befasst, wurde festgestellt, dass die Baracken alle den gleichen Fertigbausatz hatten. Zudem waren die Räume von der Mittelachse einer Baracke aus gespiegelt. Für 27 Personen gab es eine Toilette.

Bunte Schleifen wehen im Wind. Sie wurden von Schülern aus Israel an das Gitter vor der Baracke geknotet. Quelle: Vivien Tharun

„Das sind Informationen, die wir nicht selbst herausfinden konnten“, erläuterte Gabriele Helbig. Was noch in Arbeit ist, ist ein neues Konzept für die Beschilderung. Es soll noch weitere große Stelen wie an den Eingängen geben. Doch für kleinere Tafeln muss eine neue Idee her, damit nichts mehr durch Vandalismus und Diebstahl verloren geht.

Von Vivien Tharun

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