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Falkensee Jüdische Villa in Finkenkrug wird wiederbelebt
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11:07 27.11.2019
Im Juni sollen die Sanierungsarbeiten an der Villa aus dem Jahr 1905 abgeschlossen sein. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

Die Villa in der Falkenseer Karl-Marx-Straße ist zwar noch durch ein Baugerüst verhüllt. Dennoch lässt sich der alte Glanz der imposanten über 100 Jahre alten Villa bereits wieder erahnen. Nicht zuletzt durch den markanten Zwiebelturm, der nach über 30 Jahren wieder zurück an seinem Platz ist.

Der Zwiebelturm verschwand zu DDR-Zeiten

„Der Turm fiel in den 80er Jahren den Sanierungsstandards in der DDR zum Opfer. Wir haben ihn nun von einem regionalen Handwerker nachbauen lassen“, sagt Stephan Schacher, der das Haus 2011 kaufte.

Seit Anfang dieses Jahres lässt der Falkenseer Immobilienmakler die Villa sanieren. Als Vorlage, auch für die Zwiebelturm, dienen historische Pläne und Bilder. „Letztlich haben wir aber rund zehn Entwürfe und Skizzen gebraucht, bis der Turm seinem historischen Vorbild entsprach“, so Schacher.

Stephan Schacher lässt das Haus mit Liebe zum Detail sanieren. Quelle: Tanja M. Marotzke

Der 31-Jährige hatte das Haus 2011 von einem Frankfurter Investor gekauft. Dieser wiederum kaufte es einst einer argentinischen Familie ab, den Erben des einstigen jüdischen Besitzers Doktor Mordechai Rothenberg. Dessen Familie hatte das Haus 1905 in der Kolonie Finkenkrug bauen lassen, von der Spandauer Firma Paul.

Stolperstein erinnert an Geschichte des einstigen Besitzers

All dies ist überliefert, ebenso das Schicksal Rothenbergs, der 1941 in Theresienstadt starb. Seit 2016 erinnert ein Stolperstein vor dem Haus an dessen Geschichte.

Das dreistöckige Haus hatte damals drei Wohnungen, die Aufteilung erzählt vom herrschaftlichen Leben: vier große Stuben, eine Küche, ein Bad, ein Mädchenzimmer, ein großer Flur. Mit der Sanierung entstehen nun drei Wohnungen, erste Mieter gibt es schon.

Praxis im Erdgeschoss

„Im Erdgeschoss wird zudem ein Arzt seine Praxis eröffnen, was sehr schön ist, da der frühere jüdische Besitzer selbst Arzt war“, sagt Schacher. Die Sanierung der Villa ist das Herzensprojekt des jungen Falkenseers, bei dem er auf jedes Detail achtet. So wurde ein Schmuckgiebel aufwendig wieder rekonstruiert und selbst die historischen Türklinken werden von Fachleuten nachgebaut.

Wie viel die Sanierung der Villa genau kostet möchte Stephan Schacher nicht verraten. Aber es sei wie bei vielen Liebhaberprojekten: „Ein Abriss und Neubau wäre auf jeden Fall günstiger gewesen“, sagt er.

Doch der 31-Jährige hatte sich in das Haus verliebt. Nur aus diesem Grund habe er auch noch nicht ans Aufgeben gedacht.

„Wenn man irgendwo ein Brett hochnimmt, bekommt man eine neue Hiobsbotschaft. Das bleibt bei solch alten Gebäuden nicht aus.“ So wurde auch erst im Laufe der Sanierungsarbeiten klar, dass der Dachstuhl zu DDR-Zeiten mit Chemikalien behandelt wurde und komplett erneuert werden muss.

Sanierungsobjekt mit Vorbildcharakter

Als nächstes soll das Dach nun mit Schiefer gedeckt werden. Auch der Innenausbau kann dann starten. Das Parkett verlegt, Wände gespachtelt und mit dem Ausbau der Bäder begonnen werden.

Im kommenden Juni soll alles fertig sein. 70 Prozent der Sanierung sind bereits geschafft. Auf dem Grundstück, das in mehrere Teile unterglieder wurde, soll sich aber noch einiges tun. „Wir planen weitere Neubauten, die an die Zeit des Jugendstil erinnern“, so Schacher.

Die Villa soll Herzstück und Vorbild sein. „Wir haben in Falkensee nur sehr wenige denkmalgeschützte Häuser. Wir wollen damit auch ein Stück weit zeigen, dass es sich lohnt, ein so tolles altes Gebäude zu sanieren“, sagt der 31-Jährige.

Da sei in der Stadt in der Vergangenheit viel schief gelaufen und schließlich verloren gegangen, kritisiert Schacher.

Von Danilo Hafer

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